Im Schuldschein-Fall gibt es auf beiden Seiten Verdächtiges

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Landgerichtsprozess: Seltsame Zuflüsse auf Nachlasskonto - An einem Vertrag manipuliert

Von Carsten Friese
Mit dem Elektronenmikroskop wurde der Schuldschein untersucht. Zuerst waren die Linien und die Datumszeile da, danach kamen die Unterschriften auf das Blatt, steht laut Gutachten fest. (Archivfoto: Sattar)
Mit dem Elektronenmikroskop wurde der Schuldschein untersucht. Zuerst waren die Linien und die Datumszeile da, danach kamen die Unterschriften auf das Blatt, steht laut Gutachten fest. (Archivfoto: Sattar)

Plötzlich steckte er mitten in dem Streit der beiden Parteien um einen Schuldschein über 480 000 Mark. Das Büro des Heilbronner Immobilienhändlers H. hatte ein Weinsberger Vermögensberater im Februar 1999 angemietet, wollte mit dessen Beratung ins Immobiliengeschäft einsteigen. Das Ehepaar Luksch hatte er als Kunden übernommen. Als Gerda Luksch im Februar 2000 plötzlich "außer sich" bei ihm anrief, erfuhr er erstmals von dem Schuldschein und dem vielen Geld, das Lukschs von H. ein Jahr zuvor in bar bekommen haben sollen.

"Es war für mich sehr mysteriös", sagte der Zeuge gestern vor dem Landgericht. Die Version von Gerda Luksch habe sich "sehr glaubwürdig angehört". Immobilienhändler H. dagegen sei ihm zu dem Thema am Anfang "aus dem Weg gegangen". Rund sechs Wochen später hörte er dessen Version. Sein Fazit: "Es hat sich auch glaubwürdig angehört."

Der Schuldschein-Fall führte die zwei Immobilienkollegen vor Gericht. Der Weinsberger wollte früher aus seinem Mietvertrag heraus. Dass H. eine Jahreszahl in dem Vertrag nachträglich manipuliert habe, sagte der Zeuge gestern vor Gericht. Aus 2001 wurde 2002 - nach seiner Unterschrift. H. hatte in seiner Zeugenvernehmung dagegen angegeben, er habe nur einen Schreibfehler im Vertrag vor der Unterschrift verbessert.

Von der Existenz des Schuldscheins wusste im Frühjahr 1999 nicht nur Immobilienhändler H. Sonst habe ihr Vater nie über Geld geredet, aber von dem Schuldschein habe er ihr in dieser Zeit erzählt, berichtete seine Tochter vor Gericht. "Perplex über die Summe" riet sie ihm, zu seiner Anwältin zu gehen. Die war "entsetzt", dass es um so viel Geld ging. Den Schuldschein hat sie sofort fotokopiert. Verdacht, dass etwas an der Geschichte nicht stimme, hatte die Anwältin nicht. "Einen solchen Sachverhalt habe ich ihm zugetraut, auch wenn es noch so unlogisch klingt."

Die Konten des Ehepaares Luksch hat das Gericht gestern überprüft. Keine auffälligen Bewegungen, Kredite, die über Immobilien gut abgedeckt waren, aber zum Teil stockende Zinsentilgungen führte der Vertreter ihrer Hausbank an. Aber: Bei einer anderen Bank gingen auf dem Nachlasskonto ihres Sohnes im Jahr 1999 stückweise 230 000 Mark ein, ein Jahr später erneut 110 000 Mark, die laut einem Bankmitarbeiter "immer zeitnah" per Scheck wieder abgezogen wurden. Eine Erklärung hierfür will das Ehepaar in der nächsten Sitzung geben.

Fest steht: Ein möglicherweise vorgelegtes Blanko-Papier hat das Ehepaar Luksch nicht unterschrieben. Mit einem Elektronenmikroskop hat eine Gutachterin den Schuldschein an Kreuzungspunkten der Unterschriften mit zwei Linien und der Datumszeile untersucht. Ergebnis: Linien und Datumszeile waren vor den Unterschriften auf dem Papier.

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