Der Jeep ist ein ganz besonderer Ami-Schlitten

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Sie lieben die Technik und ihre ungewöhnlichen Oldtimer: Jeeps und Lastwagen aus alten Militärbeständen

Von Gertrud Schubert

 

Die einen sammeln Bierdeckel. Die anderen Schmetterlinge. Und die Dritten? Die haben's mit Militärfahrzeugen. Hier ein Amijeep. Dort eine Ambulanz. Einen Lastwagen dazu. Und noch so ein Allrad-Transporter. Und. . . .Sammler verstehen das. Markus Albrecht wandert durch seine Halle im Gewerbegebiet Flein-Talheim - von Schatz zu Schatz. "Statt einer Einliegerwohnung", witzelt er. Wo soll er denn sonst all seine Sachen hintun - inklusive Riesenautobahnschild zu den Wharton Barracks?Nicht jeder hat Jeeps wie Heu und sehnt sich nach der großen Scheune. Doch irgendwie lehrt die Erfahrung, dass es meistens nicht bei einem alten Militärjeep bleibt. Deshalb hat die Militärhistorische Sammlung Heilbronn mehrere Dutzend Fahrzeuge. 25 Männer - Mechaniker, Ingenieure, Techniker, Rentner, ein ehemaliger Army-Soldat - frönen ihrer Technik-Leidenschaft. Dafür brauchen sie keinen Club und keinen Verein.

Telefonnummern genügen. Der Kollege hilft beim Schrauben, Lackieren, Transportieren, was auch immer. Wer will, fährt mit zu den Militärfahrzeugtreffen. So alle drei, vier Wochen ist eines. Mal in Belgien, mal in der Normandie, mal in Tschechien, in Deutschland auch. Mit 80 Sachen und im Konvoi bummeln die Männer ihrem Ziel entgegen. Unterwegs werden sie für ihre ungewöhnlichen Oldtimer allerorts bestaunt und "sehr herzlich" empfangen. Nie fühlt sich der Heilbronner Gerhard Ellwanger misstrauisch beäugt.

Wer genau hinschaut, sieht ja, dass sich Russenjeeps und Amijeeps und Schweizer Armeefahrzeuge und Lastwagen von der Nationalen Volksarmee friedvoll aneinander reihen. "Ein Rechtsradikaler würde doch nie zu einem Treffen mit dem Erbfeind fahren", Markus Albrecht hat den Eindruck, dass die Leute spüren und sehen, mit wem sie zu tun haben, mit Technikfreaks eben, mit Geländewagenfans, die das Einfache lieben: harte Sitze, der Motor schreit superlaut, Heizung ist absolut nicht selbstverständlich, dass es mächtig zieht dagegen schon. Unvergessen, wie Joachim Palesch in Dürrenzimmern vor einem Bauernhof über einen total eingewachsenen Jeep stolperte. Ob er den freischneiden und mitnehmen dürfe? Ein Ford GPW war's, und den hat er dann von Schraub' auf wieder aufgepäppelt. Das war das Erfolgserlebnis. Nach so einer Heidenarbeit kennt man so ein Auto in- und auswendig und bringt es, wenn nötig, fix wieder in Gang.Übrigens nicht nur fürs wilde Fahren auf Truppenübungsplätzen und den Konvoi auf der Autobahn. Die bis zu 50 Jahre alten Wagen sind begehrte Zeitzeugen in Dokumentationsfilmen und im Museum. Zurzeit schmückt ein Heilbronner Ami-Jeep die Ausstellung "Zerreißprobe Frieden" im Stuttgarter Haus der Geschichte.

Mann und Fahrzeug. Und jeder kann über seinen Jeep oder Lastwagen unendlich viele Geschichten erzählen. (Fotos: Dittmar Dirks)
 
Nach oben  Nach oben