Das Eva-Prinzip aus Sicht von Adam

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Misst sich Männlichkeit daran, ob die Frau zuhause bleibt? Was Männer von hier denken

Von Franziska Feinäugle
...weil ungerechterweise gerade alle nur über Eva und Weiblichkeit reden.
...weil ungerechterweise gerade alle nur über Eva und Weiblichkeit reden.

Von Franziska Feinäugle

Alle reden nur noch von Eva. Und alle nur über Weiblichkeit. Was sagt eigentlich Adam dazu? Das umstrittene Buch „Das Eva-Prinzip“, in dem Ex-Tagesschau-Sprecherin Eva Herman die Rückbesinnung auf traditionelle Rollenmodelle anregt, enthält ja immerhin auch einige überraschende Thesen über Männlichkeit, etwa: Wenn Frauen zu berufstätig seien, würde „jede starke Männlichkeit“ des Partners „gelähmt“. Wir haben die Lücke geschlossen und bei einigen regionalen Vertretern der Kategorie Adam Erkundigungen eingeholt.

Fühlt sich ein Mann männlicher, wenn seine Frau zuhause bleibt? Professor Hans-Jürgen Luderer, Psychiater und Psychotherapeut am Weinsberger Klinikum am Weissenhof, gibt zweierlei Antworten. „Es gibt sicher Männer, bei denen es so ist“, weiß er, fügt aber an: „Eigentlich sollte das Gefühl der eigenen geschlechtlichen Identität davon unabhängig sein.“ Was Kinder und Karriere angeht, wie ein Mann leben will und wie eine Frau leben will, „das sollte jede(r) selbst entscheiden dürfen“, niemand „sollte für seine Wahl Prügel bekommen“.

Die Frage nach dem Geschlecht und die Festlegung auf angeblich geschlechtertypische Rollen hält auch ein Langenbrettachter „nicht für zeitgemäß“. Der 44-Jährige ist seit dem Tod seiner Frau allein erziehender Vater zweier Töchter. „Wichtig ist, dass jemand für die Kinder da ist“, sagt er. „Ob Mann oder Frau, ist zweitrangig.“

Adam und Eva, Mann und Frau „sind ein sich ergänzendes Prinzip“, nennt Pfarrer Thomas Beck den theologischen Hintergrund. „Das legt noch nicht fest, wer arbeitet und wer nicht.“ Anders als gern verbreitet wird, gibt es laut Bibel „keine gottgewollte Aufteilung zwischen Mann und Frau“, erklärt der evangelische Geistliche aus Böckingen, sondern eben diese gewünschte „gegenseitige Ergänzung“.

Aber wie sich gegenseitig ergänzen in einer gesellschaftlichen Realität, in der Familien finanziell meist auf zwei Einkommen angewiesen sind und Ganztagesbetreuung im großen Stil nie ernsthaft angestrebt wurde? In der durchaus beide Geschlechter als Arbeitnehmer wie auch als Eltern so hohe Ansprüche an sich stellen, dass Unzufriedenheit programmiert ist?

Als Seelsorger rät Thomas Beck Paaren, „genau zu überlegen, welche Erwartungen man hat an sich und ans Leben. Damit man nicht in die Falle läuft, 100 Prozent Beruf und 100 Prozent Familie zu wollen.“ Ob beide Eltern in Teilzeit gehen, oder ob eine(r) von beiden zuhause bleibt - jedes Paar versucht es im Privaten zu lösen, und der Seelsorger bemängelt, „dass darüber selbst in engsten Freundeskreisen nicht geredet wird“. Wenn das Buch, welches konkreten Inhalts auch immer, nun die Diskussion darüber stärkt: „Dann“, sagt Pfarrer Beck, „wäre es ein gutes Buch.“

Was sagt Adam dazu? Wir haben uns über Männlichkeit umgehört...
Was sagt Adam dazu? Wir haben uns über Männlichkeit umgehört...
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