Wo die ganze Familie auf den Löschdienst schwört
Bei den Gaukels aus Böckingen sind Vater und alle drei Kinder bei der Feuerwehr - Lena (16) denkt sogar an Hauptberuf

Sie könnten mit ihrer Familie fast eine eigene Feuerwehrabteilung aufmachen. Seit 30 Jahren ist der Böckinger René Gaukel bei der Freiwilligen Feuerwehr. Drei Kinder hat er - und alle eifern ihm nach. Im Abstand von jeweils zwei Jahren haben Jan (17), Rainer (14) und Lena (16) bei der Heilbronner Jugendfeuerwehr ihren Dienst angetreten. Ein kleiner Familienrekord.Sippenhaft war das nicht, wie Vater Gaukel schmunzelnd betont. Alle Kinder hätten sich freiwillig entschieden. "Aber wenn ihr es macht, dann richtig und nicht nur als Episode", hat er ihnen mit auf den Weg gegeben.Eine katapultartige Entwicklung hin zur Feuerwehr hat Tochter Lena vollzogen. Erst wollte sie absolut nicht. "Man muss ja nicht alles nachmachen, was die Brüder tun", lautete ihr Standpunkt. Jetzt ist sie gerade mal ein halbes Jahr dabei und hat ein ehrgeiziges Ziel: Die erste Feuerwehrfrau von Böckingen will sie werden. Mit Perspektive für einen Hauptberuf, versteht sich. Dass in der Feuerwehr die Arbeit im Team absolut im Vordergrund steht, hat sie begeistert. "Hier kann man keine gebrauchen, die Helden spielen wollen", vergleicht die 16-Jährige. An echten Einsätzen teilnehmen dürfen Floriansjünger unter 18 Jahren noch nicht. Doch zur Übung auf dem Heilbronner Wolfszipfel haben sie vor kurzem eigens Holzhütten gezimmert, die in Brand gesteckt und mit verschiedenen Trupps gelöscht. Ob das Gaukel-Trio später mal bei der Böckinger Wehr mithelfen will? Ein dreistimmiges "Ja" kommt sofort zur Antwort. Vielleicht sogar mit dem Vater in einem Einsatzwagen? "Das wird in der Praxis gar nicht anders machbar sein, wenn wir zu viert im Feuerwehrmagazin ankommen", blickt Lena voraus.Vom Reiz der Feuerwehrtechnik, von einem späteren Einsatz in den roten Feuerwehrautos ist das Nachwuchs-Trio angetan. Was Feuer für sie bedeutet, Faszination oder Bedrohung? "Von beidem etwas", sagt Jan. Ganz schwindelfrei für einen Löschangriff mit der Drehleiter ist er nicht. "Wenn's wackelt, ist das nicht mehr ganz so problemlos", antwortet er ehrlich.Mutter Ingeborg ist die Einzige, die noch nie eine Feuerwehruniform trug. Erfahrung mit Löschen hat sie dennoch. Als die Kinder noch klein waren, schlug plötzlich eine Flamme vom Herd empor. Irgendetwas aus Plastik brannte. Mit einem umgestülpten großen Kochtopf hat die Mutter die Flamme erstickt. "Ich bin eben ein Naturtalent", meint sie augenzwinkernd.Dass kernige Feuerwehrleute an Silvester von Raketen und Böllern die Finger lassen, stimmt für die Gaukels nicht. Auf farbige Raketenspiele am Himmel will auch Vater René nicht ganz verzichten. "Genügend Entfernung zu Menschen einhalten, eine gerade stehende Flasche einsetzen", zählt Lena Grundprinzipien auf. Und wenn's irgendwann mal an Heiligabend, Silvester oder am eigenen Geburtstag plötzlich einen Einsatz gibt? "Kein Problem", sagt Lena. Für sie steht ohnehin fest: "Ich will mal einen Feuerwehrmann heiraten." Einen konkreten Kandidaten gebe es aber noch nicht.
Fast schon ein kleiner Familienbetrieb im Dienst des Löschens und Bergens: Die Böckinger Lena (v. links), René, Jan und Rainer Gaukel sind alle Mitglieder der Feuerwehr in Heilbronn. (Foto: Carsten Friese)
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