Von Höhen und Tiefen eines Hochseilartisten

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Nach 1947, 1974 und 1979 gastiert Falko Traber mit seiner Hochseil-Show ab 19. Mai auf dem Marktplatz in Heilbronn

Von Gerd Kempf

Höhenangst kennt er nur vom Hörensagen, doch der Respekt vor der Tiefe ist dem Hochseilartisten trotz aller Routine geblieben. "Routine macht es gefährlich", weiß der 45-jährige Falko Traber, der während einer Tournee der berühmten Traber-Truppe durch Frankreich 1959 in Besancon zur Welt gekommen ist, im zarten Alter von fünf Jahren in Saloniki erstmals die Balance auf dem Hochseil gehalten hat und bis heute als Artist noch jedes Mal vom Lampenfieber gepackt wird, bevor er seinen waghalsigen Beruf ausübt.

"Lampenfieber", sagt er, "ist ein gutes Zeichen, dass die Sinne funktionieren." Wie ein Torero, wenn er die Arena betritt, so verwandelt sich der auf der Straße in Jeans eher nervöse Falko, sobald er im Kostüm auf das Seil steigt und das Lampenfieber ablegt: "Da ist man dann ein ganz anderer Mensch."

Hoch hinaus auf dem Seil war oft nicht hoch genug. Es musste die Zugspitze sein, wo er auf einem zwischen zwei Gipfeln gespannten Seil radelte und 600 Meter über dem Boden auf dem Lenker seines Rads mit einem Kopfstand glänzte. Oder bei Düsseldorf zehn Tage und zehn Nächte auf dem Hochseil verbrachte. Oder über den Dächern von Baden-Baden einen Längenweltrekord aufstellte.

Dort, 1996 in Baden-Baden, erlebte er aber auch das Gegenteil seines Höhenflugs, als er sich auf dem Seil nicht umdrehen konnte, aber gespürt hat, wie sein ihm mit einer Helmkamera folgender Partner Lutz Schreyer aus 29 Metern vom Seil fiel und diesen Sturz nicht überlebte. Falko selbst stand unter Schock und hat es "wie ein verletztes Tier gerade noch geschafft herunterzukommen.

"Oft ist er "beinahe abgestürzt", aber eben nur beinahe. Er hat Glück gehabt im Leben und betet jeden Tag. "Das ist keine Propaganda, das ist wirklich so", beteuert er.Die Füße vom riskanten Beruf lassen, käme für ihn nicht in Frage, dazu ist er zu fest in die Familientradition eingebunden. Sein Vater Johann Traber war als 41-Jähriger dabei, als in der kargen Nachkriegszeit die Traber-Truppe erstmals in Heilbronn war. Als Sensation war der Auftritt der Hochseilartisten angekündigt und wurde auch als Sensation empfunden.

Trotz strömenden Regens hatten sich an einem März-Samstag des Jahres 1947 Tausende und tags danach bei sonnigem Wetter gar Zehntausende auf dem Heilbronner Marktplatz versammelt, um Zeugen der "Besteigung des Kiliansturms" durch die Hochseilartisten zu werden.Und Falkos sieben Jahre älterer Bruder Johann Traber junior war einer der Helden, als die Artisten im Mai 1974 zum zweiten Mal in der Stadt waren. Weil der Verkehr eine Sperrung der Kaiserstraße nicht zuließ, wurde von einem 52 Meter hohen Stahlmast auf dem Marktplatz das Drahtseil zum Käthchenhaus gespannt.

Mit dabei auf dem Hochseil war schon damals der 13-jährige Falko Traber, der zwischen den Auftritten eine Schule in Heilbronn besuchte. Und Falko war auch dabei, als die Traber-Truppe 1979 zum dritten und bisher letzten Mal in Heilbronn auftrat - in der Sülmer City am Hafenmarkt.Auch wenn sein älterer Bruder Johann und er inzwischen getrennt reisen, "gehören wir doch alle zusammen." Aus den doppelten Ehen seiner Eltern errechnet er elf Geschwister, Falko selbst hat vier Kinder und sie sind "alle dabei", wie er stolz betont. Auch sein jüngster Sohn, der sechsjährige Fernando, "mein neuer Star". 

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