"Mama, wann geht das Aua endlich weg?"

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Anastasias Neurodermitis macht für die Familie Kalogras aus Nordheim die Nacht zum Tag - Einschränkungen im Alltag

Von Katja Feiler
Für das Foto hält Anastasia beim Eincremen still. Sonst mag die von Neurodermitis betroffene Vierjährige das aber gar nicht. (Foto: Rabea Sattar)
Für das Foto hält Anastasia beim Eincremen still. Sonst mag die von Neurodermitis betroffene Vierjährige das aber gar nicht. (Foto: Rabea Sattar)

"Mama, wann geht das Aua weg?" Auf dieses Flehen kann Mutter Silke Kalogras nur wenig entgegnen. Die Neurodermitis kommt und geht. "Schübe" nennt das die Fachfrau wider Willen. Freude, Angst, ein besonderes Ereignis: Alles kann die Neurodermitis plötzlich wieder voll ausbrechen lassen. Eine psychische Sache. Seit Anastasia zwei ist, weiß die Nordheimer Familie Bescheid. Seitdem hat die Krankheit einen Namen. Zuvor: Endlose Besuche bei Ärzten. Allergietests, Versuche mit allen möglichen Cremes.

Heute ist alles schon ein eingespieltes Ritual. Aufstehen und eincremen. Erst Cortison, nach 20 Minuten eine Pflegecreme drauf. Mehrmals täglich. Anastasia heult, will nicht. "Jedes Eincremen ist ein Kampf." Sieben unterschiedliche Cremes stehen im Schrank vom Silke und Panagiotis Kalogras. "Mal hilft eine einige Woche lang, dann ist es wieder vorbei", seufzt die 33-Jährige und streichelt den Rücken ihrer Tochter. "Über was redet ihr?" fragt die. Noch merkt sie nur bei bestimmten Anlässen, dass etwas anders ist bei ihr. Wenn sie nicht ins Freibad darf, weil sie offene Stellen hat. Die könnten sich entzünden. Wenn sie im Kindergarten nicht im Sand spielen soll, auch wegen der Infektionsgefahr. Gerade erst sind die Kleine und ihre Mutter aus der Reha zurück. Sechs Wochen waren sie in Davos. Das Hochgebirgsklima tut gut. "Es ist viel besser geworden. Vorher war es vor allem um ihre Augen herum ganz schlimm", erzählt Silke Kalogras.

Auch für sie hat die Krankheit das Familienleben verändert: "Das Schlimmste sind die Nächte." Da kratzt sich Anastasia blutig, wenn sie niemand davon abhält. Deshalb liegt sie im Schlafzimmer bei den Eltern. "Inzwischen wache ich schon beim kleinsten Kratzen auf." Dann holen Mama oder Papa die Kühlpads, cremen ein. Die Nächte werden zum Tag. Auch Neurodermitisanzüge hat Silke Kalogras schon probiert. "Da kriege ich Anastasia aber nicht rein. Das haben wir vielleicht zu spät probiert. Sie weigert sich."

Keine bestimmten Fäden, keine roten oder schwarzen Stoffe, keine Nüsse: Das verstärkt den Ausschlag. Kein Teppich auf dem Boden, keine dicken Vorhänge. Auch da achtet die Nordheimerin darauf. "Sonst besteht die Gefahr, dass die Neurodermitis in Asthma umschlägt."

Warum ihre Tochter davon betroffen ist? Silke Kalogras weiß es nicht. Dabei habe sie extra elf Monate gestillt. Das soll Allergien vorbeugen. Genutzt hat es nichts. Trotzdem: "Wir geben nie auf", sagt die Mutter. Auch beim AOK-Neurodermitis-Forum am Montag hofft sie auf neue Tipps der Experten.

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