Aufstand der Unterdrückten gegen die Obrigkeit

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Tage, die Heilbronn bewegten (2): 1525: Im Bauernkrieg erlebte die Reichsstadt ihre erste Revolution

Von Uwe Jacobi
Blutiges Ostern 1525: Die Eroberung der Burg Weinsberg durch die Bauern und der tödliche „Spießrutenlauf“ verbreiten Angst und Schrecken.
Blutiges Ostern 1525: Die Eroberung der Burg Weinsberg durch die Bauern und der tödliche „Spießrutenlauf“ verbreiten Angst und Schrecken.

Von Uwe Jacobi

Mit mehr oder weniger Gewalt und kühnen Sprüchen toben Revolutionen durch Heilbronn. Im Bauernkrieg verbünden sich 1525 viele Städter mit der Landbevölkerung gegen Unterdrückung durch die Obrigkeit. Für Meinungsfreiheit streiten die 1848er Revolutionäre in Heilbronn mit flammenden Reden und „Katzenmusik“.

Nach dem Ersten Weltkrieg und dem Rücktritt des Kaisers besetzt am 9. November 1918 der Heilbronner Arbeiter- und Soldatenrat das Rathaus und fordert soziale Gerechtigkeit. Die Ziele haben einen gemeinsame Nenner: Demokratie.

Im Bauernkrieg spüren die Heilbronner zum ersten Mal den Zorn von Revolutionären. Der durch Aufbegehren der eigenen Bürger und das blutige Ostern in Weinsberg aufgeschreckte Rat lässt am 19. April 1525 widerstandslos 200 aufständische Bauern durchs Sülmertor in die Stadt. Drei Tage vorher haben die Bauer die Burg und Stadt Weinsberg erobert und den Grafen von Helfenstein mit zwölf Begleitern beim „Spießrutenlaufen“ brutal erstochen.

Die Wut der Bauern richtet sich gegen den Adel und die Kirche, die von ihren Frondiensten und Steuern profitieren. In Heilbronn plündern sie vor allem im Deutschordenshof: „Wir haben’s hereingebracht, wir wollen’s auch wieder herausführen!“ Sie zerreißen Urkunden und lassen beim Gelage im Gemach des geflohenen Komturs die Deutschordensritter mit dem Hut in der Hand zuschauen. „Heut’, Junkerle, sind wir Deutschmeister“, jubelt einer der Bauern und stößt einen Ritter zu Boden.

Die Stadt greift nicht ein, weil viele Heilbronner, vor allem Weingärtner und Handwerker, mit den Aufständischen sympathisieren; insgeheim sehen sie eine günstige Gelegenheit, die „Vetterleswirtschaft“ des Patriziats zu brechen. Außerdem plündern auch einige Städter, selbst Ratsherren kaufen Diebesbeute.

Nach der Niederlage des Bauernheeres am 12. Mai bei Böblingen gegen das bündische Heer des Adels naht das Ende. Ein nach Heilbronn einberufenes Bauernparlament löst sich wieder auf. Als die Bauern noch einmal Heilbronn besetzen wollen, stehen sie diesmal vor geschlossenen Toren. Die Rache der Sieger ist grausam. Mehrere Dörfer werden niedergebrannt. Allein in Heilbronn werden zwölf Anhänger hingerichtet. Der Bauernführer Jäklein Rorbach aus Neckargartach wird bei lebendigem Leib verbrannt.

Die als „Schwarze Hofmännin“ berühmt-berüchtigte Margarethe Albrecht aus Böckingen, die mit brutalen Sprüchen die Bauern aufgehetzt hat, kommt mit Gefängnis davon. Sie ist die erste namentlich bekannte deutsche Revolution.

Die Serie ist nachzulesen unter www.stimme.de

Die „Schwarze Hofmännin“. Das Denkmal der Revolutionärin steht in Böckingen. (Foto: Archiv/Kugler)
Die „Schwarze Hofmännin“. Das Denkmal der Revolutionärin steht in Böckingen. (Foto: Archiv/Kugler)
Grausames Ende: Bauernführer Jäklein Rorbach wird verbrannt.
Grausames Ende: Bauernführer Jäklein Rorbach wird verbrannt.
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