Abschied von einem tollen Beruf
Heilbronn - Kantorin Ruth Burkhardt sagt nach 32 Jahren ihrer Gemeinde in der Christuskirche Adieu

Heilbronn - Ihr ganzes Arbeitsleben, immerhin mehr als 40 Jahre, hat Ruth Burkhardt der Kirchenmusik gewidmet. Am Sonntag wurde sie mit einem festlichen Gottesdienst und anschließendem Empfang von der evangelischen Südgemeinde in der Christuskirche in den Ruhestand verabschiedet.
Erste Sporen hat sich Ruth Burkhardt in Bietigheim-Buch nach ihrem Studium der Kirchenmusik an der Stuttgarter Hochschule für Musik und darstellende Kunst verdient. "Das war aber hauptsächlich Aufbauarbeit", erinnert sie sich heute.
Weshalb sie sich schließlich nach Heilbronn auf die Kantorenstelle der Christuskirche beworben hat? "Eigentlich wollte ich ein schönes Instrument", gibt sie nach 32 Jahren in Heilbronn unumwunden zu. Denn in Bietigheim habe sie das Orgelspiel etwas vernachlässigt.
Natürlich war ihr Abschiedssonntag prall gefüllt mit Musik. In ihrem Predigttext zog Pfarrerin Susanne Härterich einen Vergleich zwischen Sport und Musik. In beiden Bereichen komme Freude auf, wenn nach langem Training beziehungsweise Üben etwas Schönes herauskomme. Burkhardts Kollege von der Kiliangemeinde, Stefan Skobowski, hat extra für sie einen Kanon komponiert, den er ihr mit der Gemeinde als Geschenk vortrug. Auch Dr. Henning Hoffmann würdigte im Namen der Gesamtkirchengemeinde Burkhardts verdienstvollen Einsatz: "Sie haben jahrzehntelang zum Glückserlebnis für viele Sängerinnen und Sänger beigetragen."
Beim Empfang setzte sich der Reigen dankbarer Grußworte fort. "Ein erfüllter Ruhestand ist für die betreffende Gemeinde immer ein rechter Segen." Das stellte - nicht ohne leise Ironie - Ruhestandspfarrer Friedrich Lehnhard fest, nachdem er zuvor seine Zuhörer beruhigt hatte, dass Ruth Burkhardt in Heilbronn wohnen bleiben, die Gemeinde weiter ehrenamtlich unterstützen und die Chöre sicher nicht verkommen lassen werde.
Und die Kantorin selbst? Die wird ihre Chöre leiten, bis ihr Nachfolger oder ihre Nachfolgerin das Amt antreten kann. Der Kirchengemeinderat wird sich schon am Donnerstag zwischen zwei Bewerbern entscheiden. Dann begibt sich Ruth Burkhardt endgültig in den Ruhestand. Das wird ihr sicher nicht leicht fallen, sagt sie doch selbst: "Ich würde heute alles noch einmal genau so machen, wie ich es getan habe, denn ich habe einfach den tollsten Beruf."
Doch ganz wird sie ihrer Gemeinde nicht verloren gehen. Sie engagiert sich als Kindergarten-Oma und "ein paar musikalische Elemente werde ich da sicher schon einbringen können", spekuliert die rüstige Frau in ihrer zupackenden Art. Und wenn ihr kirchliche Engagement ihr später einmal noch Zeit lässt, dann will sie spazieren gehen oder radeln, viel lesen und endlich Italienisch lernen: "Denn Italien ist das Land meiner Träume."
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