70 Jahre Stimme: Ein Leben für und mit dem Sport
Seit der ersten Ausgabe berichtet die Heilbronner Stimme auch über das sportliche Geschehen in der Region. Immer wieder war dabei über den heute 70-jährigen Josef Adamasky und Joachim Becker zu lesen.

Die beiden bewegungsbegeisterten Senioren sind auch im Rentendasein sportlich noch äußerst aktiv.
Im D-Jugendalter trat Adamasky 1956 der Spvgg Neckarsulm – der heutigen Sport-Union – bei, wechselte 1964 zum TSV Biberach, spielte dort in der zweiten Amateurliga, der damals vierthöchsten deutschen Spielklasse im Fußball. „Ich habe mit 50 Jahren zum Teil noch in der ersten Mannschaft gespielt. Als Vorstopper, mein Sohn Heiko war Libero“, erzählt Adamasky. „Ich habe noch aktiv mitgewirkt, als Heiko bereits seine Karriere beendet hatte.“ Noch mit 66 Jahren half der „Seppl“ mitunter in der Reserve aus, rund 1000 Mal hat er im Laufe der Jahre für die Aktiven und Senioren beim TSV die Knochen hingehalten.
Auch das Radfahren hat er für sich entdeckt und bewältigt bei Tagestouren auch schon mal 180 Kilometer. Sich im Verein ehrenamtlich einzubringen, ist für ihn eine Selbstverständlichkeit. So trainierte Adamasky viele Jahre die Biberacher Frauenmannschaft, Gattin Else war Spielführerin. „Wir wurden drei Mal Bezirksmeister“, blickt Adamasky zudem auf insgesamt 15 Spielzeiten als Jugendtrainer zurück. „Ab und zu habe ich auch in der ersten Mannschaft als Interimstrainer ausgeholfen. Ich habe ja nichts gekostet und sogar noch eine Kiste Bier mitgebracht.“
Vereinsmensch
Auch Platzwart-Arbeiten hat er übernommen, ist im Verein Mädchen für alles, was den handwerklichen Bereich betrifft. „Ich bin ein Vereinsmensch, im Ältestenrat des TSV tätig, zusammen mit Markus Teller Sportlicher Leiter der Fußballsenioren und betreue zudem im Trio mit dem Fleiner Alfred Kulka und dem Schluchterner Manfred Hutt die Unterland-Ü-60-Auswahl“, berichtet der umtriebige 70-Jährige, der nach wie vor natürlich selbst mitspielt.
Highlights im sportlichen Dasein gab es zur Genüge. „1975 waren wir mit dem TSV Biberach drei Wochen auf Afrikareise, in der Elfenbeinküste, Ghana und Obervolta. In Ghana wurde vor 30 000 Zuschauern gegen ein Vereinsteam gespielt, in dem sieben oder acht Nationalspieler standen. Wir verloren 0:4“, erinnert sich Adamasky. „Ein anderer Ausflug führte nach Athen, dort traf Biberach vor 22 000 Zuschauern auf den Erstligisten Panathinaikos, der damals vom früheren ungarischen Weltklasse-Fußballer Ferenc Puskas trainiert wurde.“ Auch diese Partie wurde 0:4 verloren.
Golfbälle
Joachim Becker hat noch ein paar Wochen, ehe er seinen 70. Geburtstag feiern darf. Die Skisaison hat der Leingartener beendet, wird aber bis zu seinem Jubiläum noch etliche Kilometer auf dem Fahrrad absolvieren, so manchen Tennisball über die Netzkante springen lassen und etliche Golfbälle ins Loch putten. Wie Adamasky begann auch er bei der Spvgg Neckarsulm mit dem Fußballspielen. „Mit acht Jahren, zuvor habe ich geturnt und war auch im Schwimmen“, erzählt Becker. „Noch als Jugendlicher durfte ich bei den Aktiven in der württembergischen Pokalrunde mitwirken, war dann aber beim gewonnenen Finale nicht dabei.“
Da trug Becker bereits das Trikot der Union Böckingen, die in der ersten Amateurliga auf Punktejagd ging. Die ersten Einsätze hatte er in den Partien zur deutschen Amateurmeisterschaft. In der ersten Runde setzte sich Böckingen gegen den VfL Kirn durch, das Aus kam in den beiden Aufeinandertreffen gegen die Amateure von Werder Bremen.
„Die Partie bei der Union endete 1:1, zuvor haben wir in Bremen durch ein Wembley-Tor 3:4 verloren. Martin Kübler erzielte das 4:4, das aber nicht gegeben wurde, da er strümpfig getroffen hatte, seinen Kickschuh hatte er zuvor in einem Zweikampf verloren“, sagt Becker.
In der Zeitung
Unvergessen ist das erste Spiel gegen Kirn: „Man hatte vergessen mich zu informieren, dass ich aufgestellt bin. Meine Mutter hat aber in der Zeitung gelesen, dass ich im Kader stehe.“ Becker spielte später in der württembergischen Amateurauswahl und für den Göppinger SV in der Regionalliga Süd. Da gab es mal eine 1:2-Niederlage gegen den VfR Heilbronn. Nach der Rückkehr zur Union Böckingen war Becker auch als Jugendtrainer und im Spielausschuss tätig. 1975 begann er mit dem Tennissport, trat 1976 dem TC Abstatt und fünf Jahre später dem SV Leingarten bei. 1972 entdeckte Becker das Skifahren für sich, seit drei Jahren spielt er zudem Golf.
Als Tennisfan hat Becker bisher 21 Grand-Slam-Turniere besucht. Besonders in Erinnerung geblieben ist Wimbledon 1996. „Das Turnier hat sich um eine Woche mit der Fußball-Europameisterschaft überschnitten. Ich war beim Halbfinalspiel England gegen Deutschland“, erzählt Becker. „Als wir im Tennis-Areal bei einem gemütlichen Bierchen saßen, kam ein Mann zu uns und fragte, wo der Ausgang sei. Es war Nationalspieler Mehmet Scholl.“ Die Fußballschuhe hat Becker vor zehn Jahren an den Nagel gehängt. „Mein letztes Spiel mit den Senioren war ein 6:0-Sieg gegen Juventus Turin, der ideale Zeitpunkt, um aufzuhören.“
Mehr zum Jubiläum
Weitere Infos und Videos zum 70. Geburtstag der Heilbronner Stimme auf www.stimme.de/70Jahre. Morgen geht es hier um besondere Momente in 70 Jahren Politik und Wirtschaft.
Zur Person
Josef Adamasky: In Budaörs (Ungarn) geboren, folgte für die Familie Adamasky bereits 1946 die Umsiedlung in das Unterland ins beschauliche Binswangen. Weiter ging es über die ehemalige Kolonie-Siedlung in Neckarsulm bei den NSU-Werken nach Dahenfeld. Seit dem Jahr 1971 ist Josef Adamasky in Biberach heimisch, arbeitete bei der ehemaligen Biberacher Firma Molex als Werkzeug-Mechanikmeister und Ausbilder.
Joachim Becker: In Neckarsulm geboren, wuchs Becker im Amselweg im Stadtteil Viktorshöhe auf. Der gelernte Werkzeugmacher war im NSU-Werk und später bei Audi als Werkzeug-Konstrukteur tätig. 1991 bis 2007 begleitete er zusammen mit Frau Birgit das Amt des Tennis-Bezirksjugendwarts, stieg danach als Nachfolger des Möckmühlers Willy Nick zum Bezirksvorsitzenden auf. Dieses Amt begleitete Joachim Becker bis 2013. Die Lust am Skifahren führt ihn seit Mitte der 90er Jahre regelmäßig in die USA. Erst im Februar war er wieder in Beaver Creek.
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