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London (dpa)
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Mitarbeiter drücken Chef Boy die Daumen

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Für die Mitarbeiter in seinen zwei Cottbuser Restaurants ist Philipp Boy nicht nur der Chef, sondern auch ein Freund. Wenn am Samstag in London die olympischen Turn-Wettbewerbe starten, zittern viele von ihnen mit ihrem Geschäftsführer und drücken die Daumen.

Von Frank Thomas, dpa
Philipp Boy besitzt in Cottbus zwei Restaurants. Foto: Friso Gentsch
Philipp Boy besitzt in Cottbus zwei Restaurants. Foto: Friso Gentsch

Boy ist Stammgast bei Starfriseur Udo Walz, liebt moderne Kleidung und fährt gern schnelle Autos. Deutsche Singles wählten ihn erst diese Woche bei der Umfrage zum «Mister Sexy Olympias» zur Nummer 2 hinter Weitspringer Sebastian Bayer. Doch für das alles hat Philipp Boy derzeit keinen Nerv - seine Konzentration gilt in London nur den Turn-Geräten.

Seit Wochen währt sein Kampf gegen die quälenden Verletzungen, die ihm die Vorbereitung auf die Olympischen Spiele so erschwerten. Sie kosteten viel Trainingszeit, die eigentlich für das Einstudieren neuer Elemente vorgesehen war. Die intensive Vorbereitung in Kienbaum führte auch dazu, dass sich der Reck-Könner seit Wochen nicht mehr in seinen beiden Sandwich-Restaurants sehen ließ. Aber das sind die fast 20 Mitarbeiter von ihrem Chef seit langem nicht anders gewohnt.

«Für mich ist das ganz normal. Im Zeitalter von Facebook, SMS oder E-mail ist seine Anwesenheit auch nicht erforderlich», sagt Danilo Springmann, der seit 2008 gemeinsam mit dem Turn-Ass die Geschäfte in der Cottbuser Innenstadt und dem Lausitzpark Groß Gaglow führt. Und er scheint nicht so unglücklich, dass sein Partner ihm nicht dauernd in geschäftliche Dinge hineinredet. «Selbst wenn er in der Stadt ist, kommunizieren wir fast nur über Netzwerke», berichtet der 26-Jährige über seine Zusammenarbeit mit seinem prominenten Turner.

«Zusammenarbeit will ich das auch gar nicht nennen: Wir sind Freunde, haben gleiche Interessen und riesigen Spaß», sagte Springmann der Nachrichtenagentur dpa. Kein Wunder, dass sich die beiden vor fünf Jahren kennenlernten, weil sie exakt das gleiche Cabrio durch Cottbus kutschierten.

Danilo Springemann fällt es schwer, sich in die Turn-Welt von Philipp Boy hineinzudenken. «So richtig kann ich mir kaum vorstellen, was es heißt, so konzentriert die schwierigen Übungen einzustudieren. Aber umso mehr fiebern wir bei Wettkämpfen mit. Wenn er in London an die Geräte geht, bin ich sicher noch aufgeregter als er.»

Turnerische Kompetenz besitzt Springmann dennoch, schließlich gestaltet er seit Jahren den Internet-Auftritt des Turn-Helden und verfolgt genau alle sportlichen News über seinen Geschäftspartner. Bei WM oder EM hockt er vor dem Live-Ticker, um die heißesten Nachrichten auf der Homepage kommunizieren zu können. Mehr als 1500 Klicks hat die Boy-Seite pro Tag.

Erst Anfang Mai haben die beiden Sandwich-Freaks im Blechen-Carré einen Neustart für ihr Brot- und Salatangebot hingelegt. «Wir haben gespürt, dass unser Bistro im Zentrum nicht mehr so gut angekommen ist. Daher haben wir umgebaut und in einer Hau-Ruck-Aktion ein gemütlicheres Café-Ambiente mit urigem Design geschaffen», begründete Springmann die Eröffnung der «Brotzeit». Auf der Speisekarte stehen frische Brotsorten mit gesunden Aufstrichen.

«Ich fand es irgendwie faszinierend, als Unternehmer Arbeitsplätze zu schaffen», meinte Boy. «Als Turner stehe ich für gesunde Ernährung. Warum soll ich so etwas dann nicht auch unseren Gästen anbieten», fügte er hinzu. Im Training und in der unmittelbaren Vorbereitung in London achtet er mehr denn je auf die Ernährung.

«Eine Torte hat es daher diesmal nicht gegeben», meinte er an seinem 25. Geburtstag am vergangenen Montag in London. «Für Olympia heißt es: Zähne zusammenbeißen, Schmerzen ertragen», sagte Boy, der sich trotz aller Handicaps den Traum von einer Medaille erfüllen will. «Ich bin dran. Ich will in London auf das Podium. Jeder soll sehen: Der hat was vor», so seine Kampfansage.

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