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London (dpa)

Als Zicke zur Medaille - deutsches Duo bei Olympia

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Taekwondo bei Olympia: 2008 gab es für Sümeyye Manz und Helena Fromm zumindest ein Erinnerungsfoto mit Dirk Nowitzki. Nun dürfte es für das deutsche Top-Duo in London auch eine Medaille sein.

Von David Kluthe, dpa
Helena Fromm tritt in der Klasse bis 67 kg an. Foto: Peer Grimm
Helena Fromm tritt in der Klasse bis 67 kg an. Foto: Peer Grimm

Beim entscheidenden Tritt muss sich Basketball-Star Dirk Nowitzki nur ein kleines bisschen herunterbeugen. Sümeyye Manz setzt an und trifft den NBA-Riesen leicht am Kopf. Klick. Das Olympia-Erinnerungsfoto ist im Kasten. «Das war echt ein cooles Erlebnis», erzählt die Taekwondo-Kämpferin heute von dem spontanen Fotoshooting auf dem Olympiagelände in Peking. Doch nicht nur sie, auch ihre Teamkollegin Helena Fromm erinnert sich noch gern an diese besondere Begegnung, wenn sie über ihre erste Olympia-Teilnahme im Jahr 2008 erzählt.

Auch vier Jahre später sind die beiden wieder dabei. Für Fromm wird es in der Gewichtsklasse bis 67 Kilogramm am Freitag ernst, für Manz (Klasse bis 49 kg) schon am Mittwoch. Im Vergleich zu 2008 aber hat sich bei beiden einiges verändert: Damals war schon die Qualifikation für die Sommerspiele in China ein Riesenerfolg, heute sind die Erwartungen höher.

«Sie können sehr viel erreichen», sagt etwa Bundestrainer Carlos Esteves. Noch deutlicher wird Manz' Heimcoach Özer Gülec, der als Assistenzbundestrainer ebenfalls mit nach London gereist ist: «Die beiden haben Erfahrung, sie wissen, worum es geht», sagt er. «Wir müssen mindestens eine Medaille holen.»

In der deutschen Taekwondo-Szene führt schon seit Jahren kein Weg an den beiden jungen Frauen vorbei. Die Nürnbergerin Manz wurde zwischen 2001 und 2011 in verschiedenen Alters- und Gewichtsklassen 16 Mal deutsche Meisterin. Vor vier Jahren feierte sie mit dem EM-Titel den internationalen Durchbruch. Auch von der Geburt ihres Sohnes ließ sich die heute 22-Jährige vor drei Jahren nicht vom Leistungssport abbringen. «Ich hab eigentlich gar nicht ausgesetzt», sagt sie. 2011 landete sie bei der WM in Südkorea auf Platz drei.

Helena Fromm, die im Sauerland aufgewachsen ist und mittlerweile für den oberbayerischen Verein PSV Eichstätt aufläuft, war nicht weniger erfolgreich. Schon in der Jugend räumte sie etliche Titel ab. Nach dem dritten Platz bei der WM 2007 in Peking gelang ihr ein Jahr später der EM-Titel in Rom. Was die beiden Top-Sportlerinnen auszeichnet? Aggressivität, Ehrgeiz, Ausdauer, sagen ihre Trainer. Doch auch die 24 Jahre alte Fromm hat eine Erklärung parat: «Es ist entscheidend, dass man sich wehrt und auf der Kampffläche eine kleine Zicke wird.»

Nicht nur während der diesjährigen Olympia-Vorbereitung verbrachten Manz und Fromm viel Zeit miteinander. «Wir sind seit zehn Jahren zusammen in der Nationalmannschaft», sagt Fromm. «Da ist eine Freundschaft entstanden.» Als Konkurrentinnen sehen sich die beiden nicht, schließlich kämpfen sie in unterschiedlichen Gewichtsklassen.

Ob es für die beiden ungleichen Athletinnen in London tatsächlich zur ersehnten Medaille reicht, hängt auch von der Tagesform ab. Die vier Kämpfe inklusive Finale finden pro Gewichtsklasse an einem Tag statt. Eine schlechte Leistung kann bereits den K.o. bedeuten. «Erstmal die erste Runde überstehen», sagt Fromm. Auch Manz zeigt Respekt vor ihren Kämpfen. Trotzdem hat das Leichtgewicht eine Medaille bereits fest vor Augen: «Welche es im Endeffekt ist, ist egal - Hauptsache, ich hab irgendein Metall in meiner Hand.»

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