Mirko Englich erringt Olympia-Silber
Die Silbermedaille um seinen Hals glänzte wie Gold und für Mirko Englich war sie das auch wert. Zwar blieb dem Wittener der krönende Olympiasieg im griechisch-römischen Stil verwehrt, doch auch der zweite Platz in der Klasse bis 96 kg bedeutete eine faustdicke Überraschung.

Nur Europameister Aslanbek Chuschtow aus Russland war für den 29-Jährigen eine Nummer zu groß, das 0:2 im Finale eine klare Angelegenheit. «Erst war ich enttäuscht, doch als ich die Medaille hatte, konnte ich unmöglich unglücklich sein», meinte der überwältigte Englich.
Mit dem Medaillengewinn sicherte sich Englich zudem weiter den Zutritt zu seiner Wohnung. «Vor der Geburt unserer Tochter hatten wir ausgemacht, dass meine Frau sich um das Kind kümmert und ich dafür eine Medaille in Peking hole», erzählte der stolze Olympia-Zweite. Seine Frau Yvonne, die wie der gesamte «Englich-Clan» mit Eltern, Tante und Schwester Nina auf der Tribüne mitfieberte, Tränen der Freude vergoss und vor Begeisterung in die Deutschland-Fahne biss, zeigte sich rigoros. «Wenn es nicht geklappt hätte, hätte er sich eine neue Wohnung suchen müssen», meinte sie augenzwinkernd. Nach der Siegerehrung, bei der er länger als alle anderen vor den Fotografen posieren musste, nahm sie ihn in die Arme und auch die Kinder Noah und Lotta herzten ihren erfolgreichen Vater.
Der angehende Feuerwehrmann Englich startete wie die Feuerwehr in das olympische Turnier. Nacheinander bezwang er den Koreaner Han Tae-Young, den Albaner Elis Guri sowie Adam Wheeler (USA) und gab nur eine Runde ab. Dabei zeigte er hohes taktisches Geschick und enormes Selbstvertrauen im Defensiv-Verhalten. «So muss man kämpfen, wenn man etwas erreichen will. Klar gehört beim Losen auch etwas Glück dazu, aber Mirko hat sich durchgekämpft. Wer kämpft, kann verlieren. Wer nicht kämpft, hat schon verloren», bemühte Bundestrainer Maik Bullmann, 1992 Olympiasieger und 1996 als Dritter bislang letzter deutscher Ringer-Medaillengewinner, eine alte Sportlerweisheit.
Englich, der 1985 im Rahmen eines Landesprogramms «Talentsichtung/Talentförderung» in Nordrhein-Westfalen entdeckt wurde, zeigte in Peking alles, was er kann. «Er hat meine Erwartungen voll erfüllt», lobte Bullmann seinen Schützling, der am Olympiastützpunkt Frankfurt (Oder) trainiert und zur Feuerwehr- Sportfördergruppe in Eisenhüttenstadt gehört, wo er an der brandenburgischen Landesfeuerwehrschule seine Ausbildung absolviert.
Gegen Chuschtow, dem er bereits bei der EM in Tampere im Kampf um Gold unterlegen war, blieb er chancenlos. «Eigentlich wollte ich mich revanchieren», meinte Englich. «Beim entscheidenden Wurf war ich eine Sekunde unaufmerksam. Das ist in unserem Sport entscheidend», erklärte er die Niederlage.
Als Olympiasieger konnten sich am letzten Wettkampftag der griechisch-römischen Stilart zudem der Italiener Andrea Minguzzi (bis 84 kg) und Weltmeister Migan Lopez aus Kuba im Superschwergewicht feiern lassen. Der Schwede Ara Abrahamian legte aus Protest gegen ein vermeintliches Fehlurteil im Halbfinale gegen Minguzzi seine Bronzemedaille ab und trat zurück.





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