Fanny Fischer und die goldene Familien-Tradition

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Peking (dpa) - Die Tante am Mikrofon, die Nichte auf Medaillenkurs: Das nächste Fischer-Gold steht bevor.

Von Christian Kunz und Uwe Jentzsch, dpa
Birgit Fischer (r) und ihre Nichte Fanny Fischer (l) posieren für die Kamera.
Birgit Fischer (r) und ihre Nichte Fanny Fischer (l) posieren für die Kamera.

Zwar ist die achtmalige Olympiasiegerin Birgit Fischer erstmals seit den Sommerspielen 1980 in Moskau nicht bei Olympia am Start, aber statt ihrer trumpft die 21-jährige Fanny Fischer als Schlagfrau des Kajak-Zweiers und -Vierers auf. «Fanny ist sehr gut gefahren, aber nicht nur sie. Ich traue den deutschen Kanuten viermal Gold zu», prophezeite die 46-Jährige nach ihrem Auftritt als TV-Expertin dem Deutschen Kanu-Verband eine erneute Medaillenflut.

Mit acht Mal Gold führt Birgit Fischer die Rangliste der deutschen Sommer-Olympioniken an. Wären da nicht die Boykottspiele 1984 gewesen, die Ausnahme-Athletin aus der ehemaligen DDR hätte ihre Medaillenbilanz noch glänzender gestalten können. «Um das zu erreichen, muss ich 100 Jahre paddeln», sagte Nichte Fanny. Sie will die goldene Familien-Tradition fortsetzen. «Aber nur weil sie acht Goldmedaillen hatte, heißt das nicht, dass ich das auch mache», warnte sie vor überzogenen Erwartungen. Der Nachname ist Chance und Verpflichtung zugleich. «Olympische Spiele und der Name Fischer, da kommt sehr viel auf mich zu», mutmaßte die Sportsoldatin bereits vorher - und geht mit der Rolle gut um. «Das gehört dazu und war auch ein Sprungbrett. Wenn ich Müller heißen würde, wäre das nicht so.»

Unter den wachsamen Blicken ihrer Tante konnte Fanny Fischer bislang im Shunyi-Park überzeugen und führte beide Boote mit Vorlaufsiegen in die Endläufe. «Wir sind froh, dass wir die Finals ohne größere Hürden erreicht haben. Jetzt hoffen wir, dass die Form bis dahin ins Unermessliche steigt», sagte die Potsdamer Paddlerin. Mit ihrer Anfangsnervosität kann sie beim Olympia-Debüt mittlerweile umgehen, wie auch die Verwandte mit der Zuschauerrolle.

«Die Wettkämpfe haben angefangen. Jetzt werde ich langsam ruhiger. Ich vermisse maximal das Schnellpaddeln, aber die Vorbereitung, das Kribbeln, die Aufregung vermisse ich nicht. Ich bin froh, dass ich das nicht mehr habe», sagte Birgit Fischer, die bei der WM 2005 in Zagreb mit Fanny Bronze im «Familien»-Kajak holte. Die gemeinsame Plakette war die letzte Medaille der 27-maligen Weltmeisterin, die nach einem Vierteljahrhundert in der Weltelite Anfang dieses Jahres ihren Comeback-Verzicht erklärt hatte und nun den Werdegang von Fanny verfolgt.

Nicht nur die Tante war ein sportliches Ass, auch von den Eltern bekam Fanny das Talent in die Wiege gelegt. Ihre Mutter Sarina, geborene Hülsenbeck, war 1980 Staffel-Olympiasiegerin im Schwimmen, als Birgit Fischer ihr erstes Olympia-Gold holte. Fannys Vater Frank war 1983 Doppel-Weltmeister im Kajak-Zweier. Schon als kleines Kind nahmen die Eltern Fanny mit aufs Wasser, doch eigentlich hätten sie sie lieber als Schwimmerin gesehen. «Aber Kanu hat mich mehr gereizt, als zwei Stunden die Fliesen im Becken anzusehen», begründete Fanny Fischer ihre Wahl - der Erfolg gibt ihr Recht.

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