Richtig jubeln im Autokorso
Wer nach den Siegen seiner Fußballmannschaft bei der EM völlig aus dem Häuschen gerät und in Heilbronn im Autokorso mitjubeln will, sollte im Überschwang der Gefühle nicht alle Benimmregeln vergessen. Denn beim Fankonvoi gilt: Erlaubt ist, was die Polizei zulässt.

Die Ordnungshüter haben bei den vergangenen großen Fußballturnieren schon einige Erfahrungen gesammelt und darum eine Art Verhaltenskatalog zusammengestellt, damit nichts schiefgeht, wenn die Fans ausflippen.
Erlaubt ist der Korso auf der abgesperrten Strecke in der Mannheimer und Weinsberger Straße (siehe Karte). Und zwar maximal eine Stunde. Hier ist Platz für rund 2000 Fahrzeuge. Falls doch mehr Autos kommen, hat die Polizei die Option, die Oststraße in die Korsostrecke einzubeziehen.
Die Allee ist für die Jubler grundsätzlich tabu. Ob die Straße abgesperrt wird, entscheidet die Polizei unmittelbar nach jedem Spiel. "Nach den Begegnungen mit deutscher und türkischer Beteiligung werden wir immer die Straßen für den Korso freihalten", kündigt Lucas Dürigem vom Heilbronner Polizeirevier an.
Mit Augenmaß
Wie darf der Fan jubeln? Auch dazu hat die Polizei einen Kodex erarbeitet. Grundsätzlich gilt für die Fans im Auto: "Auf den Sitzen und abgeschnallt bleiben", erklärt Dürigem. Aus dem Fenster herauslehnen, auf dem Dach oder bei Cabrios auf dem Kofferraum sitzen, ist nicht gestattet. Außerdem setzt der Korso die Verkehrsregeln nicht außer Kraft. Auch nicht ausnahmsweise. Wenn die Ampel Rot zeigt: anhalten.

Bei Fehlverhalten kündigt Dürigem an, "angemessen einzuschreiten". Das heißt, die Ordnungshüter wollen Finderspitzengefühl zeigen. Zuerst werden die Übeltäter, die über die Stränge schlagen, angesprochen. Wer dann weiterhin hartnäckig gegen die Regeln verstößt, wird aus dem Korso ausgeschlossen. Allerdings gibt es bei Straftaten kein Pardon - etwa bei den Verursachern von Verkehrsunfällen. Alles schon passiert.
Warum achtet die Polizei so strikt darauf, dass die Allee korsofrei bleibt? "Das hat sich bewährt", begründet Dürigem. Die Mannheimer und Weinsberger Straße sei "schneller entschleunigbar". Zwar gebe es einen Knackpunkt mit der Stadtbahn, die die Strecke quert.
Aber mit Taxen und Bussen gebe es weniger Konflikte auf dem ausgewiesenen Parcours. Zudem verhindere die Strecke, dass die Menschen am Rand der Straßen in die angrenzenden Straßen strömen - zum Beispiel in die Kaiserstraße. Auch sie soll mit ihren vielen Bahnen und Bussen nicht beeinträchtigt werden.

Rot, gelb, grün
Die Polizei hat für die Risikobewertung der EM-Spiele Farben: Rot hat das höchste Risiko und gilt für die deutschen und türkischen Begegnungen, gelb für Italien und grün für den Rest. Bei der Farbeinteilung spielte auch die mögliche Zahl der Fans, die auf den Straßen sind, eine Rolle. Die Ordnungshüter richten die Menge ihrer Maßnahmen und den Personaleinsatz nach der jeweiligen Farbe aus. mut
Stimme.de
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