Verwechselspiele auf dem Fußballplatz
Wenn heute der VfB Eppingen den FC Astoria Walldorf empfängt, treffen die Zwillinge Marc und Oliver Söder aufeinander

Who is who? "Ich bin Oliver", sagt Oliver Söder, der so aussieht wie Marc Söder. "Und ich bin Marc", sagt Marc Söder, der so aussieht wie Oliver Söder, und grinst. Dass sie sich gleichen wie ein Ei dem anderen, hat einen Grund. Oliver und Marc Söder sind Zwillinge. Eineiige Zwillinge versteht sich. Heute spielen die Brüder aus Mühlbach gegeneinander. Oliver als Mittelfeldakteur des VfB Eppingen, Marc als Innenverteidiger des FC Astoria Walldorf.
Es ist ein besonderes Match. "Wir haben noch nie gegeneinander gespielt. Es ist das erste Mal", sagt Marc Söder. "Normalerweise machen wir alles immer gemeinsam", erklärt Oliver Söder. Ein Blick auf ihre Laufbahn bestätigt: Ein Söder kommt selten allein. Wo der eine Söder auftaucht, ist der andere Söder nicht weit. Gemeinsam haben sie beim VfL Mühlbach mit dem Fußball begonnen, gemeinsam sind sie später zu den B-Junioren des VfB Eppingen und der TSG Hoffenheim gewechselt. Gemeinsam spielten sie für Hoffenheim II in der Verbands- und Oberliga, gemeinsam gingen sie zum FCA Walldorf. Die Zwillinge, sie waren so unzertrennlich wie siamesische Zwillinge.
Kein Wunder, dass der doppelte Söder oft für Irrungen und Wirrungen gesorgt hat. Bei Roland Dickgießer beispielsweise. Der Coach der TSG Hoffenheim geriet beim Anblick der Söders völlig durcheinander und war froh, dass es Rückennummern gab. "Ich konnte sie ein Jahr lang nicht unterscheiden", gibt der Coach der TSG Hoffenheim II zu, vermutet aber, dass sich die beiden hin und wieder gegenseitig "gedoublet" haben. "Vielleicht haben sie mich am Anfang auch hinters Licht geführt."
Die Brüder als Betrüger? Das weisen die beiden weit von sich. Vetternwirtschaft ist ihnen fremd, schließlich sind sie Zwillinge. Auch astrologisch gesehen. Am 9. Juni 1983 sind sie geboren, im Sternkeis der Zwillinge, und Zwillinge sind aufrichtige Menschen. "Wir haben uns nie für den anderen ausgegeben", beteuern Oliver und Marc.
Wer ganz genau hinschaut, kann sie unterscheiden. Am ehesten an der Frisur. Oliver Söder hat die Haare ein wenig blondiert und hoch gestellt, Marc Söders Haare sind dunkel und kurz. Außerdem ist Marc Links- und Oliver Rechtshänder. Auch der Charakter ist verschieden. "Marc ist der impulsivere von uns beiden" sagt Oliver Söder und hat seinen Schritt, sportlich eigene Wege zu gehen und zum VfB Eppingen zu wechseln, nicht bereut. "Als Zwillinge werden wir oft nur als eine Person wahrgenommen. Jetzt bin ich eine einzelne Person. Mir hat das gut getan", betont er. Das sieht auch sein Trainer so: "Oliver hat sich enorm gesteigert, seitdem er hier ist. Es war gut, dass er die Nabelschnur getrennt hat", ist Gerd Doll überzeugt.
Heute jedoch, vor dem Spiel, machen die Söders wieder gemeinsame Sache. Zusammen frühstücken, zusammen Mittag essen, zusammen ins Hugo-Koch-Stadion fahren, wo für Oliver das Heim- und für Marc das Auswärtsspiel stattfindet. Dass sie sich während der Partie in die Quere kommen, wird sich nicht vermeiden lassen. "Und wenn ich Oliver foulen muss, werde ich ihn foulen", kündigt Marc an. Wenn das mal gut geht! Vor neun Jahren hat Marc seinen Bruder schon einmal "erwischt", im Training bei der Jugend. Es war so unglücklich, dass sich Oliver, kaum genesen, zum zweiten Mal das Schien- und Wadenbein brach. Aber so schlimm muss es ja nicht kommen. Und wer weiß: Vielleicht geht das Spiel ja Unentschieden aus, vielleicht werden die Punkte brüderlich geteilt. Es würde ihnen ähnlich sehen, den Söders.
Stimme.de
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