Der Brand, der Brief und das Bravourstück

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Wie die SG Eschelbach nach einem Jahr der Schicksalsschläge zu einem Clubhaus kam

Von Nicole Theuer
Kinderüberraschung: Die D-Junioren der SG 2000 Eschelbach feiern ihren großen Coup. Drei von ihnen hatten an Sportmäzen Dietmar Hopp einen Brief geschrieben und um Hilfe gebeten. Sie bekamen die Hilfe.
          Foto: Nicole Theuer
Kinderüberraschung: Die D-Junioren der SG 2000 Eschelbach feiern ihren großen Coup. Drei von ihnen hatten an Sportmäzen Dietmar Hopp einen Brief geschrieben und um Hilfe gebeten. Sie bekamen die Hilfe. Foto: Nicole Theuer

Nicht immer läuft im Leben eines Fußballvereins alles nach Wunsch. Doch manchmal werden Träume dank glücklicher Umstände wahr. So erging es der SG 2000 Eschelbach, die nach einigen Schicksalsschlägen ein großzügiges Geschenk erhielt.

Es war kein gutes Jahr gewesen für die SG. Zunächst stieg die erste Mannschaft Ende Mai von der Kreisklasse A in die Kreisklasse B ab, wenige Wochen später brannte der Container, der den Fußballern als Clubhaus gedient hatte, auf Grund eines technischen Defekts ab. Die Resignation war groß. „Ich habe an der Brandstelle erwachsene Menschen weinen sehen“, erinnert sich SG-Vorsitzender Norbert Wallusch an eines der dunkelsten Kapitel der noch jungen Vereinsgeschichte. Mit der Zeit jedoch habe sich eine Aufbruchsstimmung breit gemacht - nach dem Motto: „Jetzt erst recht!“

Bei einer beispiellosen Spendenaktion im Ort gelang es der ersten Mannschaft, über 14000 Euro einzusammeln. „Die Haushalte haben zwischen zwei und 500 Euro gespendet“, berichtet Wallusch, der sich auch über die Solidarität der anderen Vereine freute. „Man merkte, dass jeder im Ort will, dass es weitergeht“, so Wallusch. Doch der nächste Tiefschlag für den Verein ließ nicht lange auf sich warten. Bei den Verhandlungen über einen Wiederaufbau des abgebrannten Containerclubhauses konnten Pächter, die Stadt Sinsheim und die SG aus finanziellen Gründen nicht zu einer Einigung kommen.

Dass die Geschichte am Ende doch noch glücklich ausging, hat der Verein drei zehnjährigen Spielern zu verdanken, die ohne Wissen und Mithilfe von Eltern und Vorstand einen Brief an den größten Sportmäzen des Kreises, an Dietmar Hopp, sandten und darin ihre Befürchtungen schilderten, dass sie in Zukunft nicht wissen, wo sie wie Fußball spielen sollen.

„Ich bin aus allen Wolken gefallen, als mich Anton Nagl vom Jugendförderzentrum Hoffenheim-Zuzenhausen angerufen und gefragt hat, wie man uns helfen kann“, erinnert sich Wallusch an den folgenreichen Anruf aus Hoffenheim. „Ich wusste gar nicht, was ich sagen sollte und habe daher erst einmal geschwiegen.“ Da Dietmar Hopp ein großes Herz für Kinder hat, nahm er die Befürchtungen der drei D-Jugendspieler sehr ernst und machte der Stadt Sinsheim eine größere Spende, damit diese das Clubhaus vom Pächter erwerben und der SG Eschelbach zurückgeben konnte.

„Wir haben jetzt alle Rechte und Pflichten, müssen den Erbbauzins an die Pflege Schönau bezahlen und bekommen die Miete vom Judoclub, der das Clubhaus mitbenutzt“, sagt Wallusch, der derzeit auf der Suche nach einem neuen Pächter ist. „Der Pächter muss zum Fußballverein passen und akzeptieren, dass nach dem Training und Spiel Spieler und Zuschauer zusammen sitzen und diskutieren wollen“, sagt Wallusch, der als Kaufmann gut mit Soll und Haben umgehen kann. Hinzu kommt, dass das Clubhaus mit Gastraum und Spiegelsaal über 250 Sitzplätze verfügt - und eine große Herausforderung für einen potenziellen neuen Pächter darstellt.

So lange, bis ein geeigneter Wirt gefunden ist, betreibt der Verein die Gaststätte in Eigenregie, unterstützt von den Mitgliedern, die jetzt wieder den Weg zum Verein gefunden haben. „Wir haben unsere Identität zurück bekommen. Viele, die nach der Insolvenz des Altvereins nicht mehr aufgetaucht sind, treten der SG bei und kommen zu uns. Viele von ihnen haben damals beim Bau des Clubhauses mitgeholfen“, berichtet Wallusch.

Besonders freut sich der umtriebige Vorsitzende, dass man das Clubhaus ohne finanzielle Verpflichtungen gegenüber dem Gönner Dietmar Hopp bekommen hat. Einzige Bedingung war, dass die Damenmannschaft der TSG Hoffenheim, die in der Landesliga um Tore und Punkte spielt und souverän Tabellenführer ist, ihre Heimspiele in Eschelbach austragen darf und den Platz hin und wieder zu einer Trainingseinheit nutzen kann. Doch zu diesem Zugeständnis war man seitens der SG 2000 Eschelbach gerne bereit.

Freut sich über den neuen Zusammenhalt: Norbert Wallusch.
          Foto: Eric Schmidt
Freut sich über den neuen Zusammenhalt: Norbert Wallusch. Foto: Eric Schmidt
Hilft der SG 2000 Eschelbach aus der Patsche: Dietmar Hopp.
          Foto: dpa
Hilft der SG 2000 Eschelbach aus der Patsche: Dietmar Hopp. Foto: dpa
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