Der Scharfrichter hat sein Amt niedergelegt
Wenig Überraschungen beim Hohenloher Bezirkstag

Am Ende gab es Standing Ovations. Großen Applaus für Axel Fiedler. Der Vorsitzende des Sportgerichts Hohenlohe hat sein Amt am Fußballbezirkstag in Niederstetten niedergelegt. Und er wurde gebührend verabschiedet. Mit viel Respekt, mit viel Beifall. "Der Scharfrichter verlässt euch jetzt", sagte er. "Nach 24 Jahren muss man sagen, dass es auch an der Zeit ist." Ein Urgestein im Hohenloher Fußball ist damit aus dem aktiven Dienst im Bezirk ausgeschieden.
Gerader Weg
Von 1977 bis 1990 war Fiedler Obmann der Schiedsrichtergruppe Öhringen. Danach war er im Sportgericht tätig, dem er ab 2003 vorstand. "Mir wird sicher was fehlen, ich fühle mich schon wie ein Tiger im Käfig" sagte Fiedler. "Hoffentlich kann mich meine Frau zähmen." Frühzeitig hatte er seinen Rückzug angekündigt. Nachfolger des Bretzfelders ist sein bisheriger Stellvertreter Tobias Ehmann. "Ich habe immer versucht, einen geraden Weg zu gehen. Es muss in so einem Amt auch sein, dass man nicht einen Millimeter abweicht", sagte Fiedler. Sicher stießen nicht alle seine Entscheidungen auf Gegenliebe. "Ich bin nie auf Sportplätzen angefeindet worden. Das beweist auch, dass meine Arbeit korrekt war", sagte Fiedler. "Ich denke, wir haben bei Strafen immer einen Mittelweg gefunden."

Mit Jürgen Wartha ist ein zweites Urgestein aus der Arbeit im Bezirksvorstand ausgeschieden. Nicht ganz freiwillig. Er wurde nicht mehr berufen. Seit 1991 gehörte er in verschiedenen Funktionen (Zentraler Ergebnisdienst, Referent für Öffentlichkeitsarbeit, Schriftführer Referent für Freizeit- und Breitensport) dem Bezirksvorstand an. "Als ich erfahren habe, dass ich nicht mehr dabei sein soll, bin ich mir vor gekommen wie eine Mutter, der das Kind weggenommen wird. Mir sind die Aufgaben schon ans Herz gewachsen", sagte Wartha. Als Staffelleiter Ü32 bekleidet er aber ja noch ein Amt − aber eben nicht mehr im Vorstand. Bei den Senioren ist der gleiche Trend wie überall zu spüren. 38 Mannschaften gehen in den Bezirks- und Kreisstaffeln an den Start. "So wenig wie noch nie", sagt Wartha.
Rückgang
Die Mitgliederzahlen im flächenmäßig größten Gebiet des WFV schwanken in den vergangenen Jahren zwischen 40.000 und 41.000. Damit ist Hohenlohe gut aufgestellt. Doch auch hier gibt es durchaus Probleme. Gerade im Jugendbereich. In den vergangenen sechs Jahren ist die Zahl der Jugendteams von 732 Teams auf 578 gesunken. "Wir müssen wieder dahin kommen, dass Kinder aus Spaß Fußball spielen und nicht weil die Eltern oder Betreuer der Meinung sind, jedes Kind wurde als Weltmeister geboren", sagte Bantel.

Und er fuhr fort: "Eines der für mich schlimmsten Unworte der vergangenen Jahre ist Feindbild Schiedsrichter. Der Schiri ist kein Feind, nein, sie oder er sind Fußballkameraden, die dem gemeinsamen Hobby Fußball nachgehen. So dürfen und werden Schiedsrichter auch in Zukunft kein Freiwild sein." In Hohenlohe haben 61 Verein das Soll an zu stellenden Unparteiischen nicht erreicht. Dafür mussten sie 16 891 Euro an den Verband bezahlen." Die 55 Vereine, die das Soll erreicht haben oder darüber sind, haben im Gegenzug 2480 Euro erhalten. "Gemessen an allen Bezirken im WFV ist das ja noch weit unter dem Schnitt, aber ich könnte mir für das viele Geld noch andere Aktivitäten vorstellen", meinte Bantel.
Sicher ist er sich, dass der Amateurfußball in den kommenden Jahren vor großen Herausforderungen stehe. "Angesichts der zum Teil rasanten gesellschaftlichen Entwicklungen sind neue Konzepte, Kampagnen und Projekte notwendig, um diese Herausforderungen bewältigen zu können."
Stimme.de
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