Paddeln wie eine kleine Meerjungfrau

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Flossenschwimmen - Ohne Seife geht Lara Bühl nie ins Training. Die Zwölfjährige sitzt am Beckenrand im Soleo-Schwimmbad und streift sich schwarze Füßlinge über – kleine Strümpfe, die Zehen und Ballen bedecken. Dann werden die Socken eingeseift. "Sonst komme ich nicht in die Flosse", erklärt sie. Und die braucht sie für das Flossenschwimmen, auch Finswimming genannt.

Von unserem Redaktions- mitglied Kathrin Frank

Schwierig anzuziehen: Bevor sie in die Monoflosse schlüpft, macht Lara Bühl ihre Füße mit Seife geschmeidig. Sobald sie ihr Sportgerät trägt, ist normales Gehen nicht mehr möglich. Deshalb muss sie auf dem Po zum Startblock robben.Foto: Mugler
Schwierig anzuziehen: Bevor sie in die Monoflosse schlüpft, macht Lara Bühl ihre Füße mit Seife geschmeidig. Sobald sie ihr Sportgerät trägt, ist normales Gehen nicht mehr möglich. Deshalb muss sie auf dem Po zum Startblock robben.Foto: Mugler

Flossenschwimmen - Ohne Seife geht Lara Bühl nie ins Training. Die Zwölfjährige sitzt am Beckenrand im Soleo-Schwimmbad und streift sich schwarze Füßlinge über − kleine Strümpfe, die Zehen und Ballen bedecken. Dann werden die Socken eingeseift. "Sonst komme ich nicht in die Flosse", erklärt sie. Und die braucht sie für das Flossenschwimmen, auch Finswimming genannt.

Ausdauer

Etwa 30 Kinder und Jugendliche trainieren derzeit beim Tauchclub Heilbronn den außergewöhnlichen Sport. Ziel ist es, so schnell wie möglich eine bestimmte Strecke im Wasser zurückzulegen. Das wichtigste Utensil dabei: die Monoflosse. Sie erinnert an zwei aneinandergenähte Flossen, ist etwa so groß wie ein Backblech und bis zu sechs Kilo schwer.

Kaum trägt Lara ihr Sportgerät an den Füßen, ist Gehen unmöglich. Denn dann lassen sich die Beine nicht mehr getrennt voneinander bewegen. Wie bei Arielle, der Meerjungfrau aus der bekannten Disney-Produktion. Auf dem Po robbt Lara zum Startblock, setzt sich zunächst darauf, richtet sich dann auf und springt auf Kommando ins Becken.

Seit 1968 gibt bietet der Tauchclub Flossenschwimmen in Heilbronn an. Die Ursprünge des Sports liegen in der Ausbildung von militärischen Kampfschwimmern. Sie trainierten mit Flossen an den Füßen ihre Ausdauer, wie der Verband deutscher Sporttaucher berichtet. Die Idee, statt zwei kleiner nur eine Flosse zu verwenden, wurde demnach in der ehemaligen Sowjetunion entwickelt und setzte sich ab den 70er Jahren im Wettkampfsport durch. Knapp 1000 Finswimmer gibt es derzeit in Deutschland, die leistungsmäßig dafür trainieren und an Wettkämpfen teilnehmen.

Heinz-Jürgen Kutterolf ist einer von vier Trainern in Heilbronn. Früher war Bundestrainer und führte die Athleten zu nationalen und internationalen Wettkämpfen. "Es ist ein Sport, der auf den ganzen Körper geht", erklärt er. "Alles muss angespannt sein." Bis zu 12 Kilometer pro Stunde könnten die Schwimmer dann schnell werden. Damit sind sie auf einer Strecke von 50 Metern fast neun Sekunden schneller als der aktuelle Weltrekordhalter im Kraulen über diese Distanz. Anders als beim Brustschwimmen schlängelt sich der Finswimmer mit nach vorne ausgestreckten Armen wellenförmig durch das Wasser. Die Flosse aus Glasfiber oder Carbon wirkt dabei wie ein Paddel. Durch die Auf- und Abbewegung entsteht ein Vortrieb. "Wie ein Delphin", sagt Kutterolf.

Pressluft

Auch das Wasser nimmt die Wellenbewegung auf und schwappt beim Training im Soleo platschend über den Beckenrand. Wie kleine U-Boote sehen die Schwimmer aus, wenn sie hintereinander die Bahn entlang paddeln. Bei jedem verläuft senkrecht über der Nase ein Schnorchel und ragt wie ein Teleskoprohr über die Wasseroberfläche. So können die Athleten Luftholen, ohne den Kopf zu heben. "Das würde zu viel Zeit kosten", sagt Kutterolf. Bei der Wende am Bahnende tauchen die Sportler kurz ganz unter. "Da kommt Wasser in den Schnorchel, das muss man dann wieder auspusten", weiß Lara. Zumindest in einer Disziplin ist das so.

Wettkämpfe über verschieden lange Distanzen gibt es auch im Streckentauchen. Dann halten die Sportler die Luft an, wie in der Apnoe-Disziplin über 50 Meter. Oder sie benutzen eine spezielle Pressluftflasche und eine Atemmaske. Ein schwieriger Sport? "Das ist alles eine Trainingssache", sagt Antonia Tischer.

Und die 14-Jährige hat gut trainiert. Bei den deutschen Jugendmeisterschaften vor einigen Wochen holte sie die Bronzemedaille über 800 Meter in dieser Disziplin. Gleich sechs Mal Gold gewann der 13-jährige Julian Wagner. "Damit habe ich nicht gerechnet. Vielleicht lag es am Adrenalin", meint er. Seit fünf Jahren trainiert der Schüler drei bis vier Mal pro Woche beim Tauchclub. "Ich mag den Sport, weil er ein bisschen außergewöhnlich ist", sagt er. "Und ich mag, dass man schneller ist als beim Schwimmen."

Ähnlich wie Delphine bewegen sich die Athleten vorwärts.Foto: Archiv/Dirks
Ähnlich wie Delphine bewegen sich die Athleten vorwärts.Foto: Archiv/Dirks
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