Geschockte Lehrerin trotzt dem Handball-Niemandsland
Bezirk bekommt Nachwuchs: Die frühere Zweitliga-Torhüterin Anke Roost gründet unter dem Dach der TG Forchtenberg drei Jugendteams

Erst im August vergangenen Jahres bekam Anke Roost, Lehrerin für Mathe und Deutsch aus Niedersachsen, eine Anstellung an der Hauptschule Forchtenberg. „Natürlich ist das zunächst ein Schock, wenn man als Vollblutsportlerin aus dem Braunschweiger Umfeld, wo praktisch in jedem Dorf Handball gespielt wird, ins absolute Handball-Niemandsland kommt“, sagt sie. Sie hatte in ihrer aktiven Laufbahn in der 2. Handball-Bundesliga beim MTV Vechelde das Tor gehütet.
Ihrem zehnjährigen Sohn zuliebe, der ebenfalls leidenschaftlich gerne Handball spielt, wollte sie ein entsprechendes Umfeld schaffen. Ehe sie sich versah, hatte sie 18 Jungen und Mädchen um sich geschart. Als dann auch noch ihre Achtklässlerinnen im Sportunterricht Feuer für den Handball gefangen hatten, entschloss sie sich, eine Handballabteilung unter den Fittichen der TG Forchtenberg ins Leben zu rufen. Kurz entschlossen meldete sie drei Jugendmannschaften beim Bezirksvorsitzenden Willi Sommer in Heilbronn an.
Obwohl der Sportverein des 5000-Seelen-Städtchens mehrere Abteilungen hat, gab es kein Konkurrenzdenken. Im Gegenteil. Roost fand sofort Unterstützung beim Vorsitzenden des Hauptvereins Roy Lilienthal - finanziell und ideell. Nun wartete die große Papierflut auf Roost: Mitgliederformulare, Anmeldungsformulare, Passanforderungen, Trainingspläne, Spielpläne - das war noch zu bewältigen. Doch einen Sponsor für die ersten Trikotsätze zu bekommen, war eine Hürde.
Der erste Spieltag rückte näher. Zunächst half ihr ein Sportveranstalter aus der alten Heimat, die Trikots für die Mädchen zu beschaffen. Dann sprang doch noch eine Firma aus Forchtenberg als Sponsor ein. Doch es fehlte noch die Beflockung, der Vereinsname und die Spielernummern. „Praktisch in letzter Sekunde hat sich eine Druckerei aus Sindringen bereit erklärt, quasi in Nachtarbeit die schwarzen Trikots zu bedrucken“, sagt Anke Roost. Damit nicht genug: Die neuen Pässe ließen ebenfalls auf sich warten. Sie lagen aber letztlich doch noch pünktlich am Morgen des ersten Spieltags im Briefkasten.
Roost bestellte die B-Jugend-Mädchen an diesem Samstag, ihrem allerersten Spieltag, schon rechtzeitig zwei Stunden vor der Abfahrt ein. Die Lehrerin nahm die letzten Eintragungen in die Pässe vor; unter Scherzen wurden die letzten Passfotos eingeklebt. Als dann auch noch die neuen, weiß bedruckten Trikots aus dem Karton ans Tageslicht kamen, war die Stimmung prächtig. „Doch der Schein trügt“, erzählt Roost, „die Mädels waren seit Tagen nervös und konnten ihr erstes Spiel kaum erwarten.“
So wurde kurz vor der Abfahrt im neuen Trikot noch schnell eine lockere Traingseinheit in der Halle absolviert, um der Nervosität ein Ventil zu geben. Schließlich ging’s mit dem Autokorso zum ersten Spieltag nach Mosbach. Die Spannung und die Ungewissheit über das eigene Leistungsvermögen der frisch gebackenen Handballerinnen war groß. Dennoch überstanden die jungen Forchtenbergerinnen ihre Feuertaufe gut - trotz drei Niederlagen.
Kommentare öffnen
Stimme.de
Kommentare