Viel Ärger beim Wechsel im "Sonnenhof"
Traditionsgaststätte in Vorhof wird bald von Bernd Rauleder wieder eröffnet.

Die Plakate und Zettel am verschlossenen Landgasthof "Sonnenhof" sorgen für Verwirrung. Wanderer und Fahrradfahrer, die an Fronleichnam eigentlich eine gemütliche Rast im Garten des Lokals einlegen wollten, schütteln beim Lesen verwundert den Kopf. "Sonnenhof für immer geschlossen! Familie Moll", prangert auf dem Schaukasten neben der Eingangstür. "Für immer" dick unterstrichen. Alle Rollläden bis auf einen im Erdgeschoss sind geschlossen. Auch dort hängt der Text. Ganz anders im ersten Geschoss. Dort wohnt Bernd Rauleder, der Sohn der Sonnenhof-Besitzerfamilie. "Wiedereröffnung Juni/Juli. Wir freuen uns auf ihren Besuch. Familie Rauleder", heißt es in großen schwarzen Lettern.
Bewirtung
Gegenüber dem Lokal parkt an Fronleichnam ein Auto mit Schriftzug an den Fenstern: "Wegen Pächterwechsel und Renovierung bis Juni/Juli 2015 geschlossen. Für verdurstende Wanderer und Radler gibt es heute im Haus nebenan Freigetränke. Ihre Familie Rauleder." Ein Pfeil weist den Weg in den Hof des Nachbarhauses. Dort steht Bernd Rauleder und verteilt kühlen Sprudel, Säfte oder mal ein Bier. "Ich habe schon heute Morgen beobachtet, wie die Wanderer vor dem Sonnenhof standen. Da musste ich reagieren - auch mit Blick auf die falschen Behauptungen von Frau Moll - und habe die Schilder aufgehängt", erzählt Rauleder.
Der Pächterwechsel ist für ihn und seine Familie zu einer vertrackten, nervenaufreibenden und langwierigen Geschichte geworden. Zum rechtlichen Hintergrund: Bereits 2013 kündigte Bernd Rauleder der langjährigen Pächterin Marianne Moll zum Jahresende. Familie Moll, seit fast 20 Jahren im Sonnenhof, wollte die Kündigung nicht akzeptieren, klagte in zwei Instanzen bis zum Oberlandesgericht Stuttgart und bekam in beiden Instanzen kein Recht.
"Die Kündigung zum 31. Dezember 2013 war wirksam. Das hat bereits das Landgericht Heilbronn beschieden. Das Oberlandesgericht verwarf die Berufung der Molls Mitte April 2015 und ließ auch keine Revision zu", verdeutlicht Bernd Rauleder, der von seiner Mutter Sigrid alle Vollmachten für den Sonnenhof bekommen hat.
Bernd Rauleder, der zurzeit noch freiberuflich als SAP-Berater arbeitet, möchte sich einen Lebenstraum verwirklichen: "Ich bin gebürtiger Vorhofer und im Sonnenhof großgeworden. Wenn ich das nicht jetzt mache, wann dann?", beschreibt der knapp über 50-Jährige seine Motivation. Auch seine Mutter Sigrid Rauleder unterstützt ihren Sohn: "Ich hoffe, dass er es schafft. Der Sonnenhof ist ja unser Lebenswerk."
Schlüsselübergabe
Marianne Moll, die langjährige Pächterin, zeigt sich verärgert und verbittert. Sie wäre gerne noch im Gasthof geblieben. Die Pächterin schaltete am Pfingstsamstag in der Heilbronner Stimme eine Anzeige, in der sie alle Gäste ausdrücklich bat, "dieses Vertrauen in Gastlichkeit und Qualität nicht an unsere möglichen Nachfolger zu übertragen". Am Fronleichnam räumt Moll hinter verschlossenen Türen mit ihrer Familie die Gaststätte aus. Sie will künftig in ihrem Wohnort Wüstenrot mit einem Party-Buffet-Service und Catering weitermachen. "Ich nehme nichts zurück. Wir gehen streitig auseinander", so die Pächterin. Sohn Andreas rechnet mit der Schlüsselübergabe Mitte Juni: "Aber nur über die Anwälte."
Bernd Rauleder hört das mit der "angeblichen Schlüsselübergabe" zum ersten Mal. Er hat die Zwangsräumung per Gerichtsvollzieher über seinen Anwalt eingeleitet. Eben weil Moll ungeachtet der verlorenen Klage und der zurückgewiesenen Berufung die Gaststätte auch im Mai weiterbetrieben habe. "Das müsste in diesen Tagen zugestellt werden", so Rauleder. Er hofft vor allem für seine Mutter Sigrid "dass die ganzen Streitereien mit dem Auszug vorbei sind. Damit wir alle wieder ruhig schlafen können."
1962 wurde die Gaststätte "Sonnenhof" im Untergruppenbacher Ortsteil Vorhof von Christian Steinbacher neu erbaut. Der Landgasthof, idyllisch gelegen an den Wander- und Fahrradwegen Richtung Löwensteiner Berge, zog von Anfang an viele Gäste an. 1973 übernahmen Tochter Sigrid mit Ehemann Werner Rauleder die Gastronomie. Die Familie baute Mitte der 1970er Jahre noch einen Festsaal an. Krankheitsbedingt wurde der Gasthof im Jahr 1995 an Marianne Moll verpachtet. Nun will einer der Söhne der Besitzer, Bernd Rauleder, das Lokal in der alten Familientradition weiterführen.
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