Faulturm verwandelt Klärschlamm in Biogas

   | 
Lesezeit  1 Min
Erfolgreich kopiert!

Die Gruppenkläranlage Schozachtal in Ilsfeld muss umgebaut werden - Voraussichtlich Kosten von knapp vier Millionen Euro

Von Anja Krezer
Ver- und Entsorger Thomas Gessler betreut die Kläranlage für Ilsfeld, Abstatt und Untergruppenbach. Das Areal muss dringend auf den neuesten Stand gebracht werden. (Foto: Werner Kuhnle)
Ver- und Entsorger Thomas Gessler betreut die Kläranlage für Ilsfeld, Abstatt und Untergruppenbach. Das Areal muss dringend auf den neuesten Stand gebracht werden. (Foto: Werner Kuhnle)

Alles, was die Einwohner aus Abstatt, Untergruppenbach und Ilsfeld (ohne Schozach) das Klo runterspülen, landet früher oder später in der Kläranlage in Ilsfeld. Dort gibt es immer wieder dann Probleme, wenn zu viel Wasser auf einmal ankommt. "Dann ist die hydraulische Belastung hoch", sagt Thomas Knödler, Bürgermeister und Vorsitzender des Zweckverbandes Gruppenkläranlage Schozachtal, auf Nachfrage der Heilbronner Stimme. Dabei bestehe die Gefahr, dass sich zu viel Blähschlamm bilde und es zu einem Schlammabtrieb komme.

Professor Dr. Walter Trösch vom Fraunhofer-Institut in Stuttgart beruhigte in der jüngsten Verbandsversammlung Untergruppenbachs Schultes Joachim Weller, der besorgt nach der Funktionsfähigkeit der Kläranlage fragte: "Wir halten die Werte noch ein." Allerdings: "Es ist kein Zustand, dass alle paar Wochen eine neue Presse kommt." Trösch erwartet "rechtliche Probleme, wenn wir so weitermachen, um geradlinige Werte zu haben".

So weitermachen - das will der Zweckverband nicht. Am liebsten hätte er schon längst angefangen, umzubauen und zu erweitern. Das sei aber bisher aus zuschusstechnischen Gründen nicht gegangen, so Knödler. Auch jetzt ist die Finanzierung noch nicht ganz klar. Knödler geht von Kosten von knapp vier Millionen Euro aus, die bis zu 30 Prozent bezuschusst werden könnten. Die Verbandsversammlung stimmte jetzt dem modifizierten Bauprogramm zu und ermächtigte Knödler, einen Antrag an die Kreditanstalt für Wiederaufbau abzuschicken. Unabhängig davon müssten Abstatt und Untergruppenbach eventuell noch separate Zuschüsse beantragen.

Wie kann man den Klärschlamm vor Ort besser verwerten und die Anlage effektiver machen, statt das Abfallprodukt für teures Geld zu entsorgen? Darüber hat sich das Fraunhofer-Institut Gedanken gemacht. Ergebnis: In einem zu bauenden Faulturm wird der organische Anteil des Schlamms weitgehend abgebaut. Dabei entsteht Biogas. "Hochlastfaulung mit integrierter Mikrofiltration" heißt das Fachchinesisch-Schlagwort. Mit dem Biogas wird Wärme für das Betriebsgebäude der Kläranlage sowie für den Umwandlungsprozess erzeugt. Der zuvor in einer Presse entwässerte Schlamm wird mit einer Solaranlage getrocknet. Für diese Trocknung wird zudem ein weiterer Teil der Wärme verwendet, die bei der Biogasverbrennung entsteht.

Marius Murr vom Fraunhofer-Institut schätzt auf Nachfrage unserer Zeitung, dass mit der neuen Anlage der zu entsorgende Klärschlamm von derzeit 2500 Tonnen jährlich auf 700 Tonnen verringert werden kann. Verbandschef Knödler hofft, dass die Kläranlage mit den neuen "biologischen Prozessen leistungsfähiger wird, um für extreme Ereignisse gerüstet zu sein". Auch sollen Rechen, Sand- und Fettfang modernisiert sowie das Betriebsgebäude aufgestockt und mit einer neuen Schaltzentrale ausgerüstet werden.

Nach oben  Nach oben