Das Feuer loderte aus allen Fenstern
79-Jährige bei Brand in Ilsfeld schwer verletzt

Bettina Herdeg saß beim Frühstück. Plötzlich wurde die Katze auf ihren Schoß unruhig. Der Nachbarhund bellte. Sie schaute durchs Fenster: "Unter den Platten ist Rauch rausgekommen", schilderte sie ihre Eindrücke vom Nachbarhaus in der Lessingstraße gegen 9.40 Uhr am Samstagmorgen in Ilsfeld. "Feuer, Peter", rief sie ihrem Lebensgefährten zu, alarmierte sofort die Feuerwehr. Der Elektrotechniker Dr. Peter Mühlbeyer rannte aus dem Haus, klingelte bei Nachbarn, damit alle ihre Autos wegfahren: Die Wehr brauchte freie Fahrt.
Inzwischen hatten bereits ein Fahrer der Sozialorganisation "Essen auf Rädern" und eine Nachbarin der alleinstehenden Frau geholfen. Der Zivildienstleistende Daniel Nasse (20) aus Neuenstadt lieferte das Essen, klingelte. "Die Frau konnte die Tür noch öffnen. Sie saß auf den Knien", erzählte Nasse. Alles voller Rauch: Das Wohnzimmer habe bereits lichterloh gebrannt. Nasse brachte die Frau vor die Haustür, eine Nachbarin half. "Die Frau war schon draußen, bevor die Feuerwehr eintraf", erklärte Bettina Herdeg. Die 79-Jährige wurde zunächst vor Ort ärztlich versorgt, später in ein Krankenhaus eingeliefert.
Um 9.41 Uhr registrierte Werner Schuchmann, Zugführer von Ilsfeld, den Alarm. Fünf Minuten später traf der erste Trupp in der Lessingstraße ein. "Das Feuer loderte aus allen Fenstern und Öffnungen", sagte der stellvertretende Ilsfelder Feuerwehrkommandant. Die Fensterscheiben waren zerplatzt. Kommandant Wolfgang Hagner forderte für den "Vollbrand" auch den Löschzug aus Heilbronn an. Von der Ilsfelder Wehr waren 30 Mann im Einsatz, aus Heilbronn 14 Leute. Trupps mit Atemschutz erkundeten das Haus, ob noch jemand drin ist. Glücklicherweise nicht. Dann ging es an die "reine Brandbekämpfung", so Hagner. Über eine Drehleiter wurde das Dach geöffnet und abgelöscht. Nach seinen Angaben waren Nachbarhäuser nicht gefährdet. Das Fertighaus brannte jedoch völlig aus. Nach gut einer Stunde meldete Hagner: "Feuer schwarz."
Für die Heilbronner Polizei ist die Brandursache bisher ungeklärt. Nach ersten Schätzungen liegt der Sachschaden bei 300 000 bis 400 000 Euro. Die Brandverletzungen bei der Frau seien nicht so schlimm, so die Polizei, wohl aber eventuell die Rauchvergiftungen.
"Man ist geschockt", sagte Nachbarin Bettina Herdeg am Nachmittag. Sie hätte nicht gedacht, dass das Feuer so schnell um sich greifen könne. Sie versorgte die Brandwache der Wehr vor Ort mit Kaffee. Alle Fenster waren zerborsten. Verkohlte Schränke lagen auf dem Rasen. "Es ist ein Totalschaden", weiß der Kommandant.

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