Wohnen am Speckgürtel von Stuttgart

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Kommune erschließt elf Hektar Bauland für 450 neue Einwohner

Von Rolf Muth
Baggerbiss mit Bürgermeister Mario Dürr (im Fahrzeug) und den Planern Andreas Nussbaum (v.l.), Manfred Metzger, Volker Mörgenthaler sowie Roland Steinbach.
Baggerbiss mit Bürgermeister Mario Dürr (im Fahrzeug) und den Planern Andreas Nussbaum (v.l.), Manfred Metzger, Volker Mörgenthaler sowie Roland Steinbach.

Neckarwestheim - Neckarwestheim wächst. Rund 3500 Einwohner leben derzeit in dem beschaulichen Ort am Neckar. Nahezu 4000 sollen es in den kommenden Jahren werden. Mit dem offiziellen Baggerbiss durch Bürgermeister Mario Dürr starteten jetzt die Arbeiten für das über elf Hektar große Neubaugebiet Rohr/Hart I im Anschluss des Wacholderwegs. Hier im Norden der Kommune ebnen Raupen und Walzen bereits das Gelände für einen Discounter mit 800 Quadratmeter Verkaufsfläche, der am künftigen Kreisel und neuen Tor zu Neckarwestheim an der Lauffener Straße entstehen soll.

Viereinhalb Jahre hat das Verfahren für den Bebauungsplan gedauert. Eine lange Zeit, wie Manfred Metzger vom Erschließungsträger m-quadrat aus Bad Boll sagt. Allerdings habe man mit vielen Eigentümern verhandeln müssen. Das Gebiet mit künftig 130 bis 140 Bauplätzen ist nicht gerade klein. 200 Wohneinheiten sollen entstehen: Einfamilien-, Doppel- und Reihenhäuser sowie Mehrfamilien-Wohnungsbauten sind hier möglich. Die Grundstücke haben einen Zuschnitt von 300 bis 600 Quadratmeter. Metzger: "Für alle ist also was dabei."

Nicht blauäugig Zurzeit besiedelt die Kommune das Neubaugebiet Kirschenweg. 25 Bauplätze werden nur schleppend vermarktet. 40 Prozent sind seit 2006 verkauft. Bange ist es dem Bürgermeister mit Rohr/Hart dennoch nicht. "Wir sind nicht blauäugig in die Planung gegangen. Wir wollen nicht Wachstum um jeden Preis." Bis die Vermarktung hier 2011 anlaufe, seien in den Kirschen bis zu 70 Prozent der Flächen verkauft. "Das passt." Und Wachstum habe das statistische Landesamt bis 2015 prognostiziert. Aber selbst dann, wenn es vielerorts wegen des Geburtenknicks und weiteren Wanderungsbewegungen in Deutschland zum Einwohnerschwund in den Kommunen komme, gehöre Neckarwestheim nicht zu den Verlierern. "Der Wettbewerb spielt sich dann zwischen den Gemeinden ab, und dieser orientiert sich an Attraktivität und Preis."

Und gerade hier hat Neckarwestheim gut lachen. "Wir sind nicht auf Gewinne aus dem Verkauf von Bauplätzen angewiesen", sagt Mario Dürr. Bei der Erschließung wolle man nur "null auf null herauskommen". Zwar liegen die Bauplatzpreise für Rohr/Hart noch nicht fest. Aber mit dieser Preispolitik steht schon jetzt fest, dass hier nach Abzug der Erschließungsleistungen Bauland zu sehr günstigen Konditionen erworben werden kann. Und eine Erweiterungsfläche (Grafik) hat sich Neckarwestheim im Flächennutzungsplan gesichert.

Die Planer Andreas Nussbaum aus Bretzfeld und Volker Mörgenthaler aus Öhringen kennen derzeit kein ähnlich großes Baugebiet, das mit einer Erschließung startet. Die Kommunen sind vorsichtig. Mögliche Bauherren sind wegen der Wirtschaftslage im Land noch zurückhaltend. Doch Mörgenthaler sieht für Neckarwestheim beste Chancen. Nah am Speckgürtel von Stuttgart, bekomme man hier am Rande des Landkreises Heilbronn günstiges Bauland, wie es im direkt benachbarten Regionalverband nicht zu haben sei.

Kindergarten, Schule, Abwasser- und Wasserversorgung − die Infrastruktur der Atomkraftwerk-Gemeinde Neckarwestheim ist auf 4000 Einwohner ausgerichtet. Trotz Neubaugebiet seien derzeit keine Zusatzinvestitionen in die Infrastruktur erforderlich. Kinderspielplatz, Skaterbahn und Kleinspielfeld sind direkt an der bisherigen Bebauungsgrenze vorhanden.

Kaufkraft Ein kluger Schritt ist die Ansiedlung des Treff 3000, einer Edeka-Filiale, die samt Getränkemarkt und eventuell noch mit einem Backwarenverkauf direkt an der Kreisstraße entstehen wird. "Über eine Million Euro Kaufkraft fließt uns jährlich etwa nach Lauffen, Ilsfeld oder Kirchheim ab", sagt der Bürgermeister. Einen Teil davon will er für Neckarwestheim retten. Für den Cap-Markt, Bäcker und Metzger sieht Mario Dürr durch den Discounter kaum Konkurrenz.

Die vorübergehend aufgeschütteten Erdhügel am Skaterplatz sind ein kleines Paradies für die Dorfjugend. Mit BMX-Rädern geht"s flott über die Piste.Fotos: Rolf Muth
Die vorübergehend aufgeschütteten Erdhügel am Skaterplatz sind ein kleines Paradies für die Dorfjugend. Mit BMX-Rädern geht"s flott über die Piste.Fotos: Rolf Muth
Nach oben  Nach oben