Vorwürfe und Emotionen im Vorfeld des Bürgerentscheids zum Supermarkt

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Beilstein - Die Emotionen kochen hoch. Der Bürgerentscheid am 27. September elektrisiert die Beilsteiner. Die Frage lautet: Soll die Stadt das Flurstück in den Brühlwiesen nur an einen Vollsortimenter wie Edeka veräußern? In den Mittelpunkt der Diskussionen rücken der Kaufpreis und der Inhalt der Wahlplakate.

Von Joachim Kinzinger

Auf diesem Grundstück in den Brühlwiesen hat die Stadt Beilstein ein Sondergebiet für einen Lebensmittelmarkt ausgewiesen. Die Einwohner entscheiden am 27. September, an wen das Areal verkauft werden soll: Edeka oder Aldi.Fotos: Joachim Kinzinger
Auf diesem Grundstück in den Brühlwiesen hat die Stadt Beilstein ein Sondergebiet für einen Lebensmittelmarkt ausgewiesen. Die Einwohner entscheiden am 27. September, an wen das Areal verkauft werden soll: Edeka oder Aldi.Fotos: Joachim Kinzinger
Beilstein - Die Emotionen kochen hoch. Der Bürgerentscheid am 27. September elektrisiert die Beilsteiner. Die Frage lautet: Soll die Stadt das Flurstück in den Brühlwiesen nur an einen Vollsortimenter wie Edeka veräußern? In den Mittelpunkt der Diskussionen rücken der Kaufpreis und der Inhalt der Wahlplakate.

„Sagen sie Ja zu Edeka und Aldi“ lesen die Einwohner auf den Plakaten der Initiative Pro Beilstein in der Innenstadt. „Das ist ein massiver Versuch, den Wähler zu täuschen“, ärgert sich Bürgermeister Günter Henzler. In einem Telefongespräch habe Aldi-Prokurist Wolfgang Böttcher am Freitag bekräftigt, der Discounter werde die Stadt verlassen, falls Edeka zum Zuge komme. Dagegen sind CDU-Rat Oliver Kämpf und die Initiative der Ansicht, Aldi könne seine Verkaufsfläche am Standort problemlos auf 799 Quadratmeter erweitern. Kämpf: „Ich bin überzeugt, dass Aldi bleibt.“ Henzler entgegnet, an der kleinen Erweiterung habe Aldi doch gar kein Interesse.

Konzepte

Christoph Wichmann, Haline Schnabel und Dr. Hans-Walter Deloch von der BI.
Christoph Wichmann, Haline Schnabel und Dr. Hans-Walter Deloch von der BI.
Zwei Konzeptionen liegen vor. Aldi-Prokurist Böttcher begründet den geplanten Standortwechsel mit dem zu kleinen Markt. Auf einer 400 Quadratmeter größeren Verkaufsfläche kann er Sortiment und Aktionsware im Neubau großzügiger präsentieren. Im bisherigen Objekt soll sich nach dem Umzug Einzelhandel ansiedeln. Bei einem negativen Votum will Böttcher die Oberstenfelder Pläne wieder aufgreifen. Gebietsexpansionsleiter Ralf Stumpf erklärt für Edeka, der Konzern werde drei Millionen Euro in das Gebäude mit individueller Architektur investieren. Stumpf spricht von 30 Arbeitsplätzen und weiteren Stellen für Auszubildende.

Zankapfel

Aldi setzte das Startsignal. Der Discounter will einen größeren Markt bauen.
Aldi setzte das Startsignal. Der Discounter will einen größeren Markt bauen.
Auch der Kaufpreis wird zum Zankapfel. Der Rat hatte den Quadrameterpreis im Sondergebiet auf 150 Euro festgelegt. Aldi akzeptiere dies, so Henzler. Inzwischen hat Edeka in einem Schreiben sein Angebot von 105 auf 115 Euro erhöht, mit Teilbeträgen für Wasser, Abwasser und Baureife summiert sich dies laut Stadtchef auf 127 Euro. Edeka zahle 162 000 Euro weniger, rechnet Henzler aus. „Ist es der Sinn der Beilsteiner Steuerzahler, den größten deutschen Lebensmittelkonzern mit einem sechsstelligen Betrag zu subventionieren?“, hält Henzler das Angebot „in jeder Hinsicht für unzureichend“.

Die städtischen Umlegungs- und Erschließungskosten beziffert Henzler auf eine Million Euro, 148 Euro pro Quadratmeter. „Die Preisdifferenz darf nicht über die Zukunftsfrage entscheiden“, meint dagegen BI-Sprecher Dr. Hans-Walter Deloch. Andere Leistungsspektren stünden im Vordergrund, das größere Edeka-Angebot und mehr Arbeitsplätze. Eine andere Rechnung als Henzler macht Oliver Kämpf auf. Wenn man den ursprünglichen Etatansatz berücksichtige, schrumpfe die Differenz auf 32 000 Euro.

Da Edeka weiterhin am Standort im benachbarten Oberstenfeld festhält, stellt Günter Henzler die Frage, ob der Vollversorger mit dem zusätzlichen Angebot in Beilstein auf Dauer überleben könne, da die Stadt nicht mehr wachse. Für die BI ist dies keine Frage: Die Kaufkraft der Beilsteiner reiche aus.

 
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