Überleben in der Luxusnische
Kürschnermeister Barth hält sich mit seinem Pelzhaus seit 50 Jahren am Markt

Heilbronn - Zugegeben. Zobel ist auch für Werner Barth das absolute Highlight in seinem Beruf. An höchstens drei oder vier Mäntel kann sich der Kürschnermeister erinnern, die er aus dem wohl teuersten Pelz der Welt gefertigt hat. Glücksgefühle erlebt der Mittfünfziger, wenn er Zobel in Händen hält. 50 der winzig-weichen Marderfelle sind nötig für einen bis zu 40 000 Euro teuren Mantel.
Doch Zobel, einst Pelz der Zaren, ist nicht Alltag des Heilbronner Fachhändlers, der das Geschäft an der Allee von den Eltern übernommen hat. Die Liste seiner Felle ist lang: Feldhamster und Feh, Iltis und Kojote, Bisam und Baummarder, Fohlen und Kaninchen. Fast immer ordern Frauen einen nach Maß gefertigten Pelz, bei 1000 Euro liegt der Einstiegspreis. Nerz und Persianer, das Fell neugeborener Lämmer, hat Werner Barth am häufigsten auf seinem Arbeitstisch liegen - statt der "Oma-Locke" in Schwarz sind beim Persianer Brauntöne von südafrikanischen Schafen gefragt.
Kampagnen Barth hat als einziger von mehreren Heilbronner Händlern überlebt - auch Krisenjahre, in denen es der Branche schlecht ging. Kampagnen gegen Pelz brachten heftige Umsatzeinbußen. "Das hat uns sehr geschadet", erinnert er sich. "Lieber nackt sein als Pelz tragen" - hieß vor 15 Jahren der Slogan der Anti-Werbung mit aufsehenerregenden Fotos vieler Supermodels.
Die "emotionale Schiene" der Pelzgegner ärgert Barth bis heute. "Aber es war mal schick, da mitzumachen." Nicht nur bei Diven wie Naomi Campbell, die heute im luxuriösen Langhaarmantel posiert, sind frühere Skrupel vergessen. Pelz hat es wieder auf den Laufsteg und in Modejournale geschafft. Nicht nur deshalb sieht Werner Bart zum 50. Geburtstag der Firma gelassen in die Zukunft: Tochter Marion ist mit ihrer Ausbildung zur Kürschnerin in väterliche Fußstapfen getreten.
Um den Fortbestand der Pelzbranche in Deutschland ist ihm ebenso nicht bange: "Für 98 Prozent meiner Kollegen lege ich die Hand ins Feuer." Nur Felle aus legaler Zucht oder erlaubtem Fang von Wildtieren, etwa Eichhörnchen aus Sibirien, würden geordert. Ein Kürschner müsse an guter Tierhaltung interessiert sein, Stress erzeuge ein schlechtes Haarbild. Von Billigware, die ihm unlängst auf der Mailander Messe angeboten wurde, lässt der Fachmann die Finger.
Der Klimawandel macht ihm "keine branchenbedingten Sorgen". Aus dem wärmenden sei ein schmückendes Stück geworden. Spricht's und holt ein hellbraunes Wiesel-Fell von der Stange, dünn wie leicht. Das könne man sogar im Sommer tragen. Dass engagierte Tierschützer nicht zu seinen Kunden gehören, damit kann der Kürschner leben. Fast jeder trage schließlich ohne Bedenken Lederschuhe und Lederjacken: "Das ist der gleiche Rohstoff wie meiner, nur ohne Pelz."
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