Suppentöpfle bietet mehr als Essen

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Oberstenfeld - 100. Mittagstisch im Gemeindehaus – Einsame Menschen in die Gemeinschaft holen

Von Wolfgang Seybold
Paprikagulasch mit breiten Nudeln und Salat gibt es zum Hauptgang im evangelischen Gemeindehaus in Oberstenfeld.Foto: Werner Kuhnle
Paprikagulasch mit breiten Nudeln und Salat gibt es zum Hauptgang im evangelischen Gemeindehaus in Oberstenfeld.Foto: Werner Kuhnle  Foto: kuhnle

Oberstenfeld - Das evangelische Gemeindehaus in Oberstenfeld verwandelt sich jeden zweiten Dienstag im Monat in ein gepflegtes Restaurant, das Suppentöpfle. Dann sind vor allem ältere Alleinstehende eingeladen, sich in der Gemeinschaft bei einem gemeinsamen Mittagessen wohl zu fühlen.

Die vom örtlichen Krankenpflegeförderverein vor nahezu zehn Jahren ins Leben gerufene soziale Einrichtung bot im September ihren 100. Mittagstisch an. Else Layer hat davon nicht einen versäumt. „Das Essen war immer sehr gut“, lacht die 87-Jährige, während sie zwischen dem Hauptgang, Paprikagulasch mit breiten Nudeln und Salat, sowie dem Obstdessert an ihrem Schorle weiß-sauer nippt. Vor fünf Jahren sei ihr Mann gestorben, der bis dahin auch immer dabei war. Jetzt freue sie sich auf die angenehme Tischgesellschaft im Kreise ihrer früheren Freundinnen.

Gemeindeschwester

Die Schwestern Emma Hedinger (98), Anna Hoffmann (94) und Emile Metzger (88) gehören dazu. Sie wuchsen zusammen in der Schmiedgasse und in der Nachbarschaft auf. Das Suppentöpfle wird von der Gemeindeschwester Tabea Preuss von Anfang an organisiert. Zusammen mit neun ehrenamtlichen Helferinnen wird in der Küche des Gemeindehauses das gesamte Mittagsmenü zubereitet.

Alleinstehende Witwen und Witwer würden sich nach dem Tod ihres Partners oft von der Öffentlichkeit zurückziehen, sagt Tabea Preuss. Das sei nicht gut für das Wohlbefinden. Um diese einsamen Menschen wieder in die Gemeinschaft zu holen, sei das Suppentöpfle gegründet worden.

„Die alten Leute sind oft auch undiszipliniert und kochen für sich nichts Gescheites mehr“, fügt die Gemeindeschwester an. Deshalb sei es wichtig, wenigstens einmal im Monat ein Dreigänge-Menü zu bieten, das reich an Vitaminen und anderen wichtigen Nährstoffen ist. Zum moderaten Preis von 4,50 Euro, den die Gäste gerne bezahlen.

Die Helferinnen beginnen am Suppentöpfle-Tag um 7 Uhr mit ihrer Arbeit in der Küche. Alle Zutaten, vom Bratfett bis zum Fleisch, werden beim Oberstenfelder Einzelhandel eingekauft. „Dann werden Gemüse und Obst eigenhändig zerschnippelt“, erklärt Adelheid Massa, die genauso mit Spaß beim Kochen ist wie ihre Kolleginnen. Es ist für die fleißigen Helfer Ehrensache, bei jedem Öffnungstag des Suppentöpfles dabei zu sein.

Betreuung

„Ich weiß von den allermeisten Leuten, was sie zum Trinken wünschen“, sagt Erika Maynhardt, die auch schon zum 100. Mal im Service mithilft. 70 Gäste im evangelischen Gemeindehaus schätzen die aufmerksame Betreuung während des Mittagessens, die Stimmung ist ausgezeichnet, der Gesprächsstoff geht auch nicht aus. Wenn es Zeit wird, den Besuch im Suppentöpfle zu beenden, werden die Gäste, je nach Wunsch und Gehfähigkeit, mit dem Fahrdienst sicher nach Hause gebracht. Das nächste Mal hat das Suppentöpfle im Oberstenfelder Gemeindehaus am 14. Oktober geöffnet.

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