Postbote aus Leidenschaft
Reine Fußbezirke gibt es auch für Günter Herrmann schon lange nicht mehr

Ilsfeld Günter Herrmann, ein Postbote aus Leidenschaft, ist schon 42 Jahre in der Gemeinde Ilsfeld als Zusteller von Briefen, Karten oder Paketen unterwegs. Von Haus zu Haus fährt er in seinem Bezirk in den Ortsteilen Auenstein und Helfenberg die Nachrichten aus. "Reine Fußbezirke gibt es gar nicht mehr", sagt Herrmann.
Jeder Briefträger hat nämlich alle Pakete für seinen Zustellbezirk gleich mit dabei. Selbst für das Fahrrad sei das Gewicht viel zu schwer. Nachdem am Morgen im Zustellstützpunkt in Auenstein Post und Pakete der Route entsprechend verteilt sind, geht der Ilsfelder raus, wie er sagt. Zwischen vier und fünf Stunden braucht er für die Verteilung.
Spaß Danach müsse abgerechnet werden, so dass der Tisch am Abend sauber ist. "Jeden Tag das Gleiche, und trotzdem macht es jeden Tag Spaß", sagt der dreifache Vater und vierfache Opa. Obwohl die Bezirke immer größer geworden sind. "Nicht für jeden Kollegen der geht, kommt einer nach", sagt er. Die Zusammenarbeit mit den Kollegen oder mit den Leuten ein bisschen schwätzen, das gefällt Herrmann. Manchmal vergisst er sogar seine Vesperpause.
Selbst im Winter, wenn es kalt ist und Schnee liegt, macht er die Aufgabe gerne. "Nur Regen ist schlecht", sagt er. Von den Hunden in seinem Bezirk hat er sich viele zu Freunden gemacht. "Ich habe keine Angst vor Hunden und deshalb noch nie ein Abwehrspray mitgeführt", sagt der 64-Jährige. Dafür hat er immer etwas anderes dabei: Leckerlis. "Manche warten schon richtig auf mich", erzählt er und lacht. Die Aversion der Hunde gegen Postboten kann sich Herrmann nicht erklären. "Vielleicht gefällt ihnen die gelbe Postfarbe nicht. Oder die Hunde mögen es nicht, dass sie immer weggesperrt werden, wenn der Postbote kommt", mutmaßt Herrmann.
Anfangszeit Gut erinnert sich der Zusteller an seine Anfangszeit in Ilsfeld. Keiner wollte in die Gemeinde, weil die Pakete mit einem großen, schweren Holzkarren mit Holzrädern ausgefahren werden mussten. Mit dem Fahrrad und später mit dem Mofa ist der junge Postbote damals von seinem Wohnort Lauffen zu seinem Arbeitsplatz in Ilsfeld gefahren.
Bis er 1975 seinen Wohnsitz in die Schozachtalgemeinde verlegte. Lange Zeit gehörten zu seinen Aufgaben auch das Ausbezahlen von Rente oder Lottogewinnen sowie das Einkassieren von Rundfunk- und Fernsehgebühren.
Weil er bald seinen 65. Geburtstag feiert, lernt er schon seine Nachfolgerin ein. Ab Mitte Oktober ist Günter Hermann im Ruhestand. Dann will er zusammen mit seiner Frau Monika, auch eine ehemalige Zustellerin, mehr mit dem Fahrrad unterwegs sein.
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