Bademeister mit Leib und Seele hört auf
Wolfgang Trilling geht nach 33 Jahren im Mineralfreibad Oberes Bottwartal in Altersteilzeit

Oberstenfeld - Nur noch wenige Tage. Dann steht Wolfgang Trilling (62) nie mehr als Aufsicht am Beckenrand. Der Schwimmmeister mit Leib und Seele hört nach 33 Jahren im Mineralfreibad Oberes Bottwartal zum Saisonende auf. Dann beginnt die passive Phase seiner Altersteilzeit. "Ich freue mich darauf", sagt der Bademeister, der in der Branche als Urgestein gilt.
Braungebrannt, lächelnd, freundlich, aber konsequent. "Streng bin ich nur zu denjenigen, die sich nicht an die Baderegeln halten, sonst bin ich recht relaxt", so beschreibt er seinen Stil in 41 Berufsjahren. Trilling genießt Autorität.
Berufswechsel Zunächst lernt der gebürtige Schorndorfer Mechaniker, doch das bleibt nicht seine Welt. Der DLRG-Rettungsschwimmer macht auch Aufsicht im Freibad in Geradstetten. "Das könnte mein Beruf werden", erzählt Trilling über seinen Wechsel. Den Schwaben verschlägt es zunächst nach Südbaden: nach Müllheim und Denzlingen. 1973 folgt die Prüfung zum staatlich geprüften Schwimmmeister. "Das war damals noch kein Lehrberuf."
Der Job im Mineralfreibad Oberes Bottwartal ist 1978 begehrt. Unter mehr als 20 Bewerbern ist auch Trilling. "Ich will im meinem Beruf etwas bewegen." Mit solchen Sätzen überzeugt er den Zweckverband.
Rekordtag An Rutschbahnen ist noch nicht zu denken. Doch das neu eröffnete Wellenbecken in Steinheim lässt den Oberstenfelder nicht ruhen. "Wir dürfen doch nicht zurückfallen." Das Bild einer großen Rutsche im indonesischen Djakarta in einer Bäderfachzeitschrift imponiert Trilling. 34 Meter genehmigt der Verband 1981 für die erste Röhre. "Die Leute haben sich gefreut, aber es war viel zu kurz", erinnert sich der 62-Jährige. Ein Jahr später sausen die Badegäste 100 Meter bis ins Becken. Auch Steilröhre, Breit- und die neue Kinderkurvenrutsche sind das Aushängeschild der Anlage. Aber auch das mediterrane Flair mit mehr als 100 Pflanzen, ob Oleander, Palmen, Zitronenbäume, Bananenstauden oder Hibiskus.
Trilling erlebt verregnete Sommer wie 1980 mit nur 135 000 Saisonbesuchern, schwitzt im Hitzerekordjahr 2003 mit 287 000 Schwimmern. Sein Toptag mit 9059 Besuchern ist der 3. Juli 1994. Zwischen 1900 und 2200 Arbeitsstunden fallen pro Saison an. Bei den umfangreichen Sanierungen mit Beckenumgestaltung und Technik im Herbst und Winter fühlt sich Trilling richtig in seinem Handwerkerelement.
Etwa zehn Leute hat der Oberstenfelder in 41 Jahren aus dem Wasser gerettet: "Glücklicherweise gab es keinen Todesfall durch Ertrinken." Aus der Dienstwohnung beim Freibad muss der sportliche Mann raus, der 2011 allein durch Nahrungsumstellung mehr als 20 Kilo abgespeckt hat. In Oberstenfeld hat er schon eine neue Bleibe gefunden. Mit dem Trekkingrad das Ländle erkunden, auch mal Urlaub im Sommer machen, das nimmt sich Trilling vor. "Das Bad stand immer an erster Stelle", heißt sein Resümee. Das ist nun vorbei.
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