124 Mitarbeiter bangen um ihren Job

   | 
Lesezeit  2 Min
Erfolgreich kopiert!

Produktion läuft bei Möbelhersteller weiter – Sorgen in der Stadt

Von Joachim Kinzinger
„Das ist jetzt zweifellos die schwierigste Phase.“
          Joachim Enßle
„Das ist jetzt zweifellos die schwierigste Phase.“ Joachim Enßle  Foto: kuhnle

Grossbottwar - Die Fahnen hängen noch nicht auf halbmast. „Wir produzieren in vollem Umfang das gesamte Programm“, sagt Joachim Enßle, Geschäftsführer beim Möbelhersteller Laauser in Großbottwar. Vor einer Woche hatte der Betrieb beim Amtsgericht Heilbronn die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragt (wir berichteten). 124 Mitarbeiter bangen um ihren Job. Das Ziel von Enßle und Insolvenzverwalter Tibor Braun aus Stuttgart ist es, möglichst schnell einen neuen Investor zu finden. Bürgermeister Rainer Gerhäusser hofft, dass die Firma weiterhin produzieren kann: „Damit die Mitarbeiter einen sicheren Arbeitsplatz haben.“

Zum zweiten Mal schwebt das Damoklesschwert über dem Traditionsbetrieb. Der erste Konkurs drohte 1988. Damals kam Joachim Enßle in die Geschäftsführung. Er brachte die Firma auf Kurs. Vor einem halben Jahr übereignete ihm der bisherige Inhaber Hans-Jürgen Klaußner seine Mehrheitsbeteiligung.

Liquiditätslücke Als Ursache für die „akute Liquiditätslücke“ nennt Enßle „erhebliche Auftragsrückgänge“ im November und Dezember. Der Geschäftsführer weiß: „Das ist jetzt zweifellos die schwierigste Phase.“ Derzeit würden die Aufträge von Anfang Februar bis Mitte März produziert: Sofas, Sessel, Wohnzimmertische.

Während der Insolvenz läuft der Betrieb Gefahr, Marktanteile zu verlieren. „Es besteht aber auch die Chance, dass sich das Unternehmen neu orientieren kann“, blickt Enßle in die Zukunft. Nur wenige Möbelhäuser hätten angesichts der neuen Lage Aufträge storniert. Der Geschäftsführer sieht es als positives Zeichen: „Der weitaus größte Teil der Kundschaft im Möbelmarkt steht zu uns.“ Gespräche würden mit potenziellen Investorengruppen geführt. Auch die verzögerten Gehaltszahlungen würden jetzt über das Insolvenzgeld abgewickelt.

Ernste Lage Im Großbottwarer Rathaus sorgt sich Bürgermeister Rainer Gerhäusser um den zweitgrößten Arbeitgeber in der Stadt: „Das beschäftigt uns schon.“ Von Laauser-Mitarbeitern hatte er schon über die ernste Lage gehört und gehofft, dass sich die Geschichte beruhigt und das Insolvenzverfahren nicht eröffnet werden muss. Die Stadt könne zwar nicht direkt helfen, habe aber ein großes Interesse, „dass sich ein zukünftiger Betreiber findet“.

„Laauser ist einfach ein Teil von Großbottwar“, sagt Peter Traa, Vorsitzender von Miteinander Attraktives Großbottwar (MAG). Er fühle mit den Mitarbeitern, die dort arbeiten. Für den Unternehmenscoach bietet die Übergangsphase in eine neue Welt auch Chancen. Es gelte, zwischen Angst und Hoffnung jeden Spielraum zu nutzen. „Es kann was Neues entstehen.“

Traa erinnert sich an den Modebrunch von MAG und Handballfrauen in Großbottwar auf einem Riesenlaufsteg. Und mittendrin ein knallgelbes Credo-Sofa, die Premium-Marke. Diese Tochterfirma schreibt laut Geschäftsführer Enßle schwarze Zahlen. Zum Firmenverbund gehört zudem noch die Schweizer LEU.

Mehrfach hätten die Mitarbeiter zu spüren bekommen, dass die Firma zu kämpfen habe, weiß Konrad Ott, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Ludwigsburg. Mehrfach sei Laauser auf die IG Metall zugegangen, um abweichende Regelungen vom Tarifvertrag zu vereinbaren. „Mit Hochachtung“ bewertet Enßle das positive Verhalten der Belegschaft – trotz aller Probleme. Die Mitarbeiter seien motiviert. Enßle: „Ich gehe davon aus, dass der Betrieb dauerhaft fortgeführt wird.“

Nach oben  Nach oben