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Mehr Hilfebedürftige als Helfer

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Bürger für Bürger sucht weitere Mitstreiter − Nachbarschaftshilfe in vier Kommunen

Von Ute Knödler
Traute Connert und Dr. Ulrich Görtz wollen den Verein Bürger für Bürger und dessen Angebote noch bekannter machen.Foto: Ute Knödler
Traute Connert und Dr. Ulrich Görtz wollen den Verein Bürger für Bürger und dessen Angebote noch bekannter machen.Foto: Ute Knödler

"Ich gebe gerne meine Zeit", sagt Dr. Ulrich Görtz. Der frühere Kinderarzt hat nach seiner Pensionierung eine Aufgabe gesucht. Und gefunden. Der Verein Bürger für Bürger mit Sitz in Abstatt hat ihm etwas offeriert, wozu er Ja sagen kann. "Die Hilfe, die ich anbiete, kann ich selbst gestalten, ohne mich oder den Empfänger zu überfordern", sagt der Beilsteiner. Sieben Monate sind vergangen, seit er bei Bürger für Bürger mitmacht. Viermal war er im Einsatz. Daneben hat er den Vize-Vorsitz inne. Für ihn ist der Verein so etwas wie eine Nachbarschaftshilfe.

Zusammensetzung Rund 240 Mitglieder hat der Zusammenschluss, der sich über die Kommunen Abstatt, Beilstein, Ilsfeld und Untergruppenbach erstreckt. Auf noch mehr Schultern möchte Görtz die Hilfe verteilen. Deshalb sucht der Verein weitere Helfer. Rund 50 hat er zur Verfügung, allein in Beilstein zwölf. "Geben und Nehmen sollten im Gleichklang stehen", sagt der Arzt. Doch jetzt bestehe ein Übergewicht an Hilfebedürftigen. Der Verein plant mehr Präsenz bei Veranstaltungen wie Neujahrsempfängen oder Andreasmarkt. "Wir wollen zeigen, dass es uns gibt", betont Görtz.

Der Beitrag soll gesenkt werden und damit auch die Hürde zur Mitgliedschaft. Einmal im Jahr kommen alle Vereinsmitglieder zum Feiern zusammen. "Das ist immer ganz nett", sagt Traute Connert. Man komme mit anderen Menschen in Kontakt. Seit 2005 nimmt die Beilsteinerin Hilfe von Bürger für Bürger in Anspruch. "Da ist mein Mann gestorben, und ich stand mit allen möglichen Problemen da", sagt sie. Für kleinere Gartenarbeiten oder Schriftliches hat sie immer wieder Hilfe in Anspruch genommen. Sie selber bietet Näharbeiten in kleinem Umfang an. "Das ist schon sehr schön, dass einer dem andern hilft, mit dem was er kann", findet die Seniorin.

Vorsitzende Claudia Saam kann sich gut vorstellen, dass jüngere Mitglieder mitmachen, "vielleicht gegenseitig Kinder betreuen". Besorgungen, Blumen gießen, Rasen mähen oder in der Urlaubszeit auf das Haus aufpassen, zählt Saam weiter auf. Bürger für Bürger will keine Konkurrenz zum Gewerbe sein.

Handreichung "Die Helfer machen alles freiwillig", sagt Görtz. Wenn er sehe, die Hilfe geht über eine kleine Handreichung hinaus, verweise er an Handwerker. Eine pflegende Angehörige hat er bereits entlastet. Dabei dem Kranken Gedichte vorgelesen. Oft helfe schon ein Gespräch. "Da verschenke ich gerne meine Zeit", sagt Görtz. Unglaublich viel komme da zurück. Menschen, die für andere im Einsatz sind, können sich ihre Stunden gutschreiben lassen und selber dafür Hilfe in Anspruch nehmen. Oder sie lassen sich einen Stundensatz zwischen sieben und neun Euro auszahlen.

Hilfe vermitteln die jeweiligen Ortskoordinatoren. Kontaktdaten gibt es über die Ortsnachrichten der Gemeinden.

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