Jugendhaus-Macher sind in Sorge
Für das Schafhaus gibt es Hotel-Pläne − Nutzer des historischen Gebäudes benötigen alternative Unterbringung

Aus dem historischen Schafhaus in Untergruppenbach könnte ein Hotel mit Gastronomie werden. Architekt Matthias Riemer stellte am 21. Juli den Plan im Gemeinderat vor: für Gastronomie- und Konferenzräume im Fachwerkhaus, dahinter ein Hotel mit 60 Zimmern. Die Untergruppenbacher Gemeinderäte nahmen den Entwurf des Heilbronner Architekten wohlwollend zur Kenntnis.
Was für die einen ein interessantes und aufregendes Zukunftsprojekt ist, sehen die Macher des Jugendhauses mit anderen Augen. Seit 2001 stellt die Gemeinde ihnen Räume in dem historischen Gebäude zur Verfügung. Heimatverein, Obst- und Gartenbauverein, DRK mit zwei Fahrzeugen, Musikverein Edelweiß, Gesangverein Liederkranz, Landfrauen und auch die Feuerwehr nutzen Teile des Hauses als Lager.
Dann musste Anfang August hopplahopp alles von den Wänden gerückt und teilweise ausgeräumt werden, damit das Gebäude, nach wie vor Eigentum der Gemeinde, vermessen werden kann. Die Aktion sorgte bei den jungen Leuten für Unmut, weil das Freiräumen schnell gehen musste. Sie kritisieren "mangelnden Informationsfluss".
Schnelle Aktion
"Wir mussten eine schnelle Aktion machen", signalisiert Bürgermeister Joachim Weller ein Stück weit Verständnis. Auch Matthias Riemer erklärt, dass er aufs Tempo drücken musste, zwangsläufig, weil er eine Forderung des Denkmalamts, ein Aufmaß zu erstellen, erfüllen muss. 10 000 Euro kostet das Vermessen, sagt Riemer. Ein Laserscanner in der Mitte des Raumes misst jeden Punkt, deshalb mussten die Wände freigeräumt werden. Riemer benötigt die Vermessung außerdem, um aus der ersten unverbindlichen Ideenskizze in eine Planung einsteigen zu können. Zum Jahresende soll das Entwurfskonzept stehen. Weiter gehe es darum, "danach zu schauen, wer zu uns passt".
Als sich langsam abgezeichnet habe, dass die Dinge konkreter werden, habe er zunächst den Gemeinderat informiert, dann einen Termin mit dem Kreisjugendamt gehabt, an dem Vertreter des Jugendclubs dabei gewesen waren, sagt Weller. Dieses Gespräch fand "allerdings schon vor ein paar Monaten" im März 2016 statt. Dort habe er informiert, dass das Jugendhaus bis Ende 2016 im Schafhaus bleiben kann (ein Aktenvermerk dokumentiert den Vorgang).
Weller verweist darauf, dass sich der Gemeinderat bereits seit vielen Jahren Gedanken über die Nutzung des Schafhauses, das sonst kaputt gehe, mache. Lediglich ein kleiner Teil werde durch das Jugendhaus genutzt, andere Räume seien leer oder dienten als Lager. Sobald klar sei, dass sich das Hotelprojekt umsetzen lasse, würden Nutzungen andernorts mit den Vereinen diskutiert, dem Gemeinderat unterbreitet. "Es ist noch lange nicht klar, wann und ob im Schafhaus gebaut werden kann", sagt der Bürgermeister. Zumal es hohe Auflagen vom Denkmalschutz gibt.
Der Ärger von Mareike Hanusch, Fatih Kaya und Ulrich Spindler, der Schriftführerin und den beiden Vorständen des Jugendhauses, speist sich auch daraus, dass zuletzt im Jugendhaus renoviert wurde. Die Wände sind frisch gestrichen, der Billardtisch neu überzogen, eine gebrauchte Küche eingebaut und die Toiletten aufgefrischt worden. "Wir sind alle berufstätig und engagieren uns ehrenamtlich. Wir stecken seit vielen Jahren viele Wochenstunden Zeit in das Jugendhaus", sagt Ulrich Spindler, einer von zwei Vorständen. Der andere, Fatih Kaya, fragt sich, wie es mit dem Jugendhaus in Untergruppenbach weitergehen soll: "Das ist ein ganz großes Fragezeichen, wir wissen nichts." Die beiden, wie auch Mareike Hanusch betonen, dass es mit dem Schafhaus gelungen sei, die Jugendlichen vom Rathausvorplatz, der Kirche und aus der Tiefgarage weg zu holen. "Wir wollen nicht, dass die Jugendlichen dort rumgammeln", erklärt Fatih Kaya. Sie seien alle drei wichtige Bezugspersonen für junge Leute.
Mehrere Immobilien
Weller betont auf Anfrage, dass die Gemeinde mehrere Immobilien besitze, um das Jugendhaus woanders unterbringen zu können. Erste Ideen gibt es. "Es besteht kein Grund zur Sorge." Doch zum jetzigen Zeitpunkt und ohne die Einbindung des Gemeinderats sowieso nicht, könne er nichts Konkretes sagen.

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