Im Übersee-Container in die Zukunft
Die für die Technik verantwortlichen Pfadfinder des Bundeslagers auf der Jettenbacher Platte haben anstrengende Tage hinter sich

In einem sind sich Fabian Eisele (26) und Dirk Otto (23) aus Beilstein blitzartig einig: "Es gab nie einen entspannten Tag", sagen sie unisono über das zurückliegende Bundeslager der Christlichen Pfadfinderschaft Deutschlands (CPD) im Beilsteiner Ortsteil Jettenbach mit rund 1400 Teilnehmern. Gestern und heute versetzten die beiden technischen Leiter des Lagers und ihre Helfer die große Waldwiese auf der Jettenbacher Platte wieder in ihren alten Zustand zurück − vorbei sind die Tage der Stadt aus Holzstämmen und schwarzen Zelten.
Dauereinsatz Vor zwei Jahren hatten die beiden Beilsteiner Pfadfinder mit den Vorarbeiten für das alle vier Jahre stattfindende Bundeslager begonnen, das am 27. Juli offiziell startete und an diesem Sonntag endete. Schon gut zehn Tage vorher, seit 16. Juli, waren Eisele und Otto quasi im Dauereinsatz für das urige Lager, dessen Teilnehmer aus der ganzen Republik nicht nur das Abenteuer in freier Natur suchten, sondern sich dabei auch eine Auszeit von Smartphone, Tabak, Alkohol & Co. auferlegten.
Die beiden technisch Verantwortlichen aus dem Austragungsort, im Pfadfinder-Jargon Lagervögte genannt, hatten alle Hände voll zu tun. "Das Vorlager war besonders stressig", sagt Fabian Eisele: Bei der Vorbereitung waren unter anderem Material und Gerätschaften zu besorgen, nicht selten auch von irgendwoher zu leihen. Beispielsweise der gewaltige Milchwagen, der als Wasserspeicher für die gesamte Zeltstadt diente.
In ihrem Leben außerhalb des Pfadfinderdaseins gehen Fabian Eisele und Dirk Otto ganz normalen Beschäftigungen nach: Eisele studiert Betriebswirtschaftslehre, Otto, gelernter Außenhandelskaufmann, holt derzeit sein Abitur nach. Nicht unbedingt das klassische Profil für Lagervögte, fanden auch die beiden, die sich anfangs durchaus fragten: "Ob wir die Richtigen sind?" Aber es zeigte sich, dass sie die Richtigen sind: "Es war wichtig zu koordinieren. Unsere Mitarbeiter sind die Experten. Sie müssen nur richtig koordiniert werden", sagt Otto.
Im Endspurt, beim Abbau, sehen die beiden Beilsteiner etwas erschöpft aus: "Jetzt ist es die Kunst, nicht durchzudrehen", sagt Eisele und lacht. Schließlich wollen noch zwei große Übersee-Container ordentlich und systematisch mit all dem Material gefüllt werden, das beim nächsten Bundespfadfinderlager wieder benötigt wird.
Vorfälle Auch für die Pressesprecherin des Lagers, Jannah Fischer aus Freiburg, war das Bundestreffen im Rückblick eine tolle Zeit: "Es war schon gut was los", sagt sie über die Arbeit für die Lagerzeitung, die Öffentlichkeitsarbeit mit Presse, Funk und Fernsehen und nicht zuletzt mit der Abschlussdokumentation. Ein Punkt trübt den insgesamt guten Eindruck, den die Pfadfinder in Beilstein hinterlassen haben: Sachbeschädigungen am Wochenende, die weit über das Maß von Streichen hinaus gehen. Zum Glück, sagt Fischer, sei nichts Ernstes passiert, etwa durch gelockerte Radmuttern eines Autos. Die Sprecherin meint, sie könne diese Vorfälle nicht wirklich einschätzen: "Ich bin nicht die Polizei. Aber ich glaube nicht, dass das böswillig war."
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