Ein Rentnerdasein ohne Schafe kann er sich nicht vorstellen
Reinhold Baumann weidet seine Tiere bei Prevorst − Landmaschinenfirma ist auf Waldbauern eingestellt − Nasser Winter für Forstarbeiter

Holzarbeiten Die Gemeinde Oberstenfeld ist eine der waldreichsten Kommunen im Landkreis Ludwigsburg. Besonders der auf den Höhen der Löwensteiner Berge gelegene Ortsteil Prevorst ist gänzlich umgeben von dichten Mischwäldern und Christbaumkulturen. Jetzt, nachdem die Brennholzversteigerungen in Oberstenfeld und Umgebung stattgefunden haben, befassen sich viele Prevorster mit dem Aufarbeiten der Holzlose. Entlang der Ortsstraße bestimmen die großen Brennholzstapel das Ortsbild. Ganz auf diese Waldbauernarbeiten ist die Prevorster Landmaschinenfirma Wolf eingestellt. Eine Vielzahl von pneumatischen Holzspaltern, Motorsägen und anderen Spezialgeräten stehen zur Auswahl bereit. "Mein Bruder und ich betreiben in der fünften Generation unseren Betrieb", sagt Firmenchefin Brigitte Wolf mit einigem Stolz. Gerade jetzt, in der Zeit des Holzmachens, floriere das Geschäft, wobei die fachgerechte Reparatur defekter Maschinen zum Service gehöre.
Schulungen Wegen der Instandsetzung ihres Schleppers und zur Information über neue Geräte sind Andreas Winkler und Peter Ferdinand bei der Firma Wolf. Beide sind Forstwirtschaftsmeister im Forststützpunkt Stollenhof. Der milde Winter hat den Waldarbeitern keine große Freude gemacht. "Den ganzen Winter sind wir mit den Füßen im Wasser gestanden", sagt Peter Ferdinand. In kalten Wintern sei der Boden gefroren und so die Holzmacherei einfacher gewesen. Jetzt durchziehen in den Rückegassen oftmals tiefe Reifenspuren des Vollernters den Wald. Aber der Holzeinschlag für diese Saison sei fertig, sagen die Forstleute. Das Aufforsten und die Weginstandsetzung sind nun die häufigsten Arbeiten im Wald. "Wir machen aber auch Schulungen für den Motorsäge-Führerschein", sagt Andreas Winkler. Denn die "Flächenlösler", so nennen die Forstmänner scherzhaft die Käufer von Flächenlosen, müssten alle ein Zertifikat besitzen, das sie als kundig in der Handhabung einer Motorsäge ausweist. Ein weiterer Schwerpunkt der Forstmeister ist die Betreuung und Schulung der acht Auszubildenden im Forststützpunkt Stollenhof.
Lämmer Landschaftspflege der besonderen Art verrichten noch bis in den April hinein 360 Schafe auf der Prevorster Markung. Die Tiere grasen die Wiesen ab und halten sie so frei von Dornengestrüpp und anderen Wucherpflanzen. Berufsschäfer Reinhold Baumann ist mit seiner Herde und den zwei Hütehunden von Spiegelberg aus in ein paar Tagen hierher gewandert. Viele Mutterschafe sind trächtig, und es gibt jeden Tag neu geborene Lämmer. In Spiegelberg ist der ständige Stall der Schafe, die der Schäferei Steinle gehören. Über Jux und Nassach führte dann der Weg bis nach Prevorst. "Wir haben hier die Wiesen im Winter zum Weiden gepachtet", sagt Schäfer Baumann. Auf seinen Fanghaken gestützt, erzählt der 67-Jährige, dass er eigentlich in Rente gehen möchte, sich aber ein Leben ohne seine Schafe nicht vorstellen kann. "Ich weiß von einigen Kollegen, dass sie als Rentner zuhause nicht mehr lange lebten", meint er. Der in der Eifel bei Bitburg aufgewachsene Schafhirte möchte deshalb das Schafehüten nicht ganz aufgeben und im Saarland ("Da ist es nicht so bergig") mit Schafen sein Rentnerdasein genießen.


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