Aussichtsturm auf dem Wunnenstein geöffnet
Weite Ausblicke und historische Einblicke − Flöten, Dudelsack, Schalmei umrahmen Zeitreise

Der Wunnenstein mit seinen knapp 400 Metern Höhe bildet eine markante Landmarke am Eingang zum Unterland. Seit 1888 steht ein steinerner Aussichtsturm auf dem Gipfel des wohl geschichtsträchtigsten Berges des Bottwartals. Die Albvereins-Ortsgruppe Großbottwar betreut den Aussichtsturm. Der Einladung, den rund 30 Meter hohen Turm zu besteigen, folgten viele Wanderer.
Attraktion Mit einer besonderen Attraktion wartete der Historische Verein Bottwartal auf. Ein mittelalterlich gewandeter Ritter Wolfelin von Wunnenstein, alias Hans-Wolfgang Bock, erzählte Sagen und Legenden, die sich um den Wunnenstein ranken. Mit Flöten, Dudelsack, Schalmei und Trommelklängen begleitete die Gruppe Camino das Spektakel mit Musik aus der Zeit des edlen Ritters.
Die Wanderer erfuhren von Ritter Wolfelin, dass die Fundamente des Aussichtsturms auf den Resten eines Kirchleins stehen, die dem Heiligen Michael geweiht war. Eine Burg soll es auch auf dem Wunnenstein gegeben haben.
Durch die von Ludwig Uhland geschriebenen Balladen "Der Überfall im Wildbad" und "Die Döffinger Schlacht" erlangte einer der Burgherren, der Gleißende Wolf von Wunnenstein, Berühmtheit. Im 19. Jahrhundert wurde der Wunnenstein sogar zu einem Zentrum patriotischer Begeisterung in Württemberg, nicht zuletzt ausgelöst durch die Gedichte Uhlands.
Da der Aussichtsturm von Mai bis Oktober nur an Sonn- und Feiertagen von 11 bis 17 Uhr geöffnet ist, wollten sich die Besucher die Gelegenheit nicht entgehen lassen, die Aussicht zu genießen. Von der rund 30 Meter hohen Plattform geht der Blick weit über das Bottwartal hinaus, über die Landeshauptstadt hinweg, bis zur Schwäbischen Alb im Süden und bis zum Odenwald im Norden. Der Stromberg und die Ausläufer des Schwarzwaldes begrenzen im Westen und die Löwensteiner Berge im Osten die Aussicht. Drei Orientierungstafeln auf der Plattform helfen, sich in der weiten Umgebung zurechtzufinden.
Legenden gefallen "Der Besuch auf dem Wunnenstein hat sich auf jeden Fall gelohnt", sagte Oliver Kämpf, der mit seiner Familie von Beilstein gekommen ist. Vor allem die Legenden und Sagen haben den Erwachsenen genauso gut gefallen wie den Kindern.
Hans-Wolfgang Bock, in der Gestalt des Ritters Wolfelin, erzählte zur allgemeinen Erheiterung noch die Sage von der Glocke Anna-Susanna, die auf dem Turm der alten Kirche geläutet haben soll. Der Glocke wurde nachgesagt, dass sie die Bauern im benachbarten Winzerhausen vor Unwetter und Tod bewahrt habe. Diese Glocke Anna-Susanna gibt es nicht mehr, aber eine kleine Glocke auf der Plattform des Aussichtsturmes erinnert an die Sage. Die helle Stimme dieser Glocke, geläutet von den zahlreichen Turmbesteigern, erklang am Sonntag oft vom Wunnenstein aus ins Land hinaus.
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