Als Kind packte er die Arznei-Lieferungen aus

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Günter Ziegler hört nach 49 Jahren als Apotheker auf − Sein Großvater übte schon diesen Beruf aus

Von Ute Knödler
Günter Ziegler gibt sein Fachgeschäft in jüngere Hände. Rebecca Wolhoff ist seine Nachfolgerin.Foto: Ute Knödler
Günter Ziegler gibt sein Fachgeschäft in jüngere Hände. Rebecca Wolhoff ist seine Nachfolgerin.Foto: Ute Knödler

Eine Ära geht zu Ende. Nach 49 Jahren hört Günter Ziegler in der Hirsch-Apotheke in Ilsfeld auf. Seine Nachfolgerin Rebecca Wolhoff übernimmt in der kommenden Woche die Geschäfte. "Ich steige in große Fußstapfen", sagt die junge Apothekerin, Anfang 30, wohlwissend um die starke Persönlichkeit ihres Vorgängers. Doch Ziegler ist zuversichtlich, seine Nachfolgerin kennt er bereits einige Zeit.

Gut kann sich er sich an die Anfänge in Ilsfeld erinnern. Sein Vater hatte 1950 eine Filiale seiner Apotheke in Beilstein eröffnet. Die Räume waren klein. Erst als Ziegler die Apotheke 1966 übernahm, wurde sie zur Vollapotheke. Dafür müssen die Räumlichkeiten über 110 Quadratmeter verfügen. Um heute gut arbeiten zu können, seien mindestens 250 Quadratmeter nötig, sind sich die beiden Kollegen einig.

Die Umsätze seien in seiner Zeit sehr stark gestiegen. "Den Jahresumsatz damals in D-Mark haben wir heute monatlich in Euro", sagt Ziegler, 1937 geboren. Seine Erinnerungen gehen weit zurück. Von klein auf war er mit den Abläufen einer Apotheke vertraut. Seine Eltern hatten bereits vor dem Zweiten Weltkrieg die vom Großvater Wilhelm Bührer 1881 in Beilstein eröffnete Apotheke übernommen.

Herstellung Ein- bis zweimal in der Woche seien Medikamente geliefert worden, erzählt Ziegler. Als Kind durfte er sie auspacken. Heute treffen Lieferungen drei- bis viermal am Tag ein. Früher seien viel mehr Arzneimittel selbst hergestellt worden. Kiloweise habe der Fachmann Thymian zu Hustensaft verarbeitet. Alle Sirupe waren auf Zuckerbasis angefertigt. "Einen Zentner Zucker hatte man immer im Haus", weiß Ziegler noch.

Groß seien die Gefäße und Rührschüsseln gewesen. Heute sind sie klein. Reibeschüssel und Pistill werden immer noch regelmäßig verwendet, um pulvrige Substanzen zu verkleinern. 1960 zog die Ilsfelder Apotheke zum ersten Mal um. Da half Günter Ziegler während seines Studiums beim Einrichten. In die heutigen Räume zog er 1977. Zwei Jahre Arbeit in einer Apotheke berechtigten in den 1950er Jahren zum Vorexamen. Danach konnte man das dreijährige Studium beginnen. Was reizvoll war, man durfte mit dem Vorexamen bereits einen Apotheker vertreten, wodurch sich das Studium finanzieren ließ. "Wir waren sehr begehrt", sagt Ziegler.

Unterwegs Doch bevor Ziegler den Ilsfelder Standort übernahm, sammelte er zwischen Nordsee und Schwarzwald fünf Jahre lang Erfahrungen. Alte, traditionelle Hausmittel seien in der bäuerlichen Bevölkerung weit verbreitet gewesen. Trotzdem gab es ein enormes Vertrauen gegenüber synthetisch hergestellten Medikamenten. "Zwischenzeitlich werden die sanften Heilmethoden stark bevorzugt", umschreibt der Fachmann seine Erfahrung. Ziegler spricht von zum Teil katastrophalen Essgewohnheiten heutzutage, die ihm Sorgen machen würden − mit Blick auf den immensen Anstieg der Diabetes- und Allergieerkrankungen.

Der Tod seiner Frau vor drei Jahren, die die Burg-Apotheke in Beilstein geführt hatte, bedeutete einen starken Einschnitt in das Leben von Günter Ziegler. "Meine Mitarbeiter haben mich aus dem Tief gezogen", erinnert sich der Witwer dankbar. Jetzt wird er seinen Platz räumen. Im wohlverdienten Ruhestand will er mehr schlafen, reisen und sich seiner Briefmarkensammlung widmen. Nur im Notfall kommt er zurück in die Apotheke.

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