25 Jahre Weinfest − oder auch länger
Traditionsveranstaltung hadert mit Wetter und Fußball − Heute Abschlusstag

Zwei Jubiläen und eine Premiere feiert das Fleiner Weinfest in diesem Jahr: Es ist nach Rechnung des Rathauses das 25., die zehnte Festeröffnung durch Bürgermeister Alexander Krüger und die erste, die nicht auf der Bühne, sondern davor stattfindet. "Seid ihr schon wieder größer geworden?", fragt Krüger den Musikverein Flein ungläubig, dessen Bläser das Podium restlos ausfüllen.
Der Bürgermeister, die Württemberger Weinkönigin Andrea Ritz aus Markgröningen und Klaus Wagner vom Weinkeller Flein-Talheim haben jedenfalls keinen Platz dort oben. Sie wünschen dem Traditionsfest von unten ein gutes Gelingen, "obwohl wir leider wieder ein Fußballspiel gebucht haben", klagt der Bürgermeister.
Im vergangenen Jahr war es der Viertelfinal-Kracher Deutschland gegen Italien bei der Europameisterschaft am Samstag, diesmal ist es am Sonntag das Endspiel im Confed Cup zwischen Deutschland und Chile. Weinkönigin Andrea Ritz wundert sich über die 180 Hektar Weinanbaufläche in Flein. "Ein Rebenmeer", jubiliert sie. Klaus Wagner lobt das "ideale Festwetter". Das ist allerdings nur eine Stunde bevor ein hartnäckiger Dauerregen einsetzt und alle Gäste unter Schirme und Vordächer flüchten lässt.
25 Jahre Fleiner Weinfest? Gerhard Münzing macht eine andere Rechnung auf. Der ehemalige Vorsitzende des Musikvereins "Frohsinn" weiß, dass im Ort schon viel früher die Gläser geklungen haben. Der 1921 gegründete Verein habe schon seit 1939 in der WG Weinfeste gefeiert. Nach dem Krieg schloss sich der Sängerbund an. Als die WG erweitert wurde fehlte der Platz und man zog auf den alten Sportplatz um.
Erinnerung Alte Fleiner erinnern sich noch lebhaft an die dortigen Zeltfeste. Vor allem an die Amerikaner, die dem Wein zuweilen mehr als zuträglich zusprachen. "Oft war die Militärpolizei da", weiß Laszlo Erdösi, der mit seiner Frau Erika bis heute zu den Stammgästen des Weinfestes gehört. "Die Amerikaner fanden solche Zeltfeste toll, die waren ein Erlebnis für sie."
Irgendwann aber waren sie out, Straßenfeste wurden Mode. Und da trat der ehemalige Bürgermeister Jürgen Schmid auf den Plan. Ein rundes Fest rund um den Wein wünschte er sich für Flein. Alle Vereine sollten mitmachen. Ein Jahr dauerte es, bis er die meisten von seiner Idee überzeugt hatte. Am ersten Juli-Wochenende 1993 war es soweit, das erste Fleiner Weinfest neuerer Rechnung war geboren. Auf dem Rathausplatz "boten 26 Vereine nur das Allerbeste aus Küche und Keller", schrieb die Heilbronner Stimme damals. Kapellen und Chöre sorgten für Unterhaltung.
Seitdem hat sich nicht viel geändert. Zwar sind die mitmachenden Vereine im Laufe der Jahre weniger geworden, das Festgelände kleiner, aber die Stimmung ist nach wie vor ausgelassen. Je später der Abend, desto mehr. "Wenn man durch die Kellergasse vor der Bühne nicht mehr durchkommt, dann ist es wirklich voll", sagt jemand. Zum Unterhaltungsprogramm des familiären Fleiner Weinfestes gehören die Band Gravity, die Flinataler Alphornbläser, das Seniorenorchester Heilbronn und Flamencotänze, ein Kinderflohmarkt der St.-Veit-Schule und Spiele des CVJM. Der Sonntagmorgen beginnt mit einem ökumenischen Gottesdienst der evangelischen und katholischen Kirchengemeinden.
Können Das gastronomische Angebot ist fest in Vereinshand: Hähnchen bei der Feuerwehr, Gyros und Maultaschen beim Musikverein, Spießbraten beim Sängerbund, frische Kuchen aus dem nahen Backhaus beim Heimatverein. Veränderungen hat es im Laufe der Zeit aber gegeben. Die Landfrauen haben früher zum Beispiel Schnitzel mit Kartoffelsalat angeboten, heute sind es Hamburger und Raclette. Gisela Görtz und Brigitte Krummlauf haben festgestellt: "Junge Leute setzen sich nicht hin und essen mit Messer und Gabel ein Schnitzel." Das Essverhalten habe sich geändert. Darauf reagieren die Vereine.
Aber Laszlo Erdösi ist mit der Angebotspalette sehr zufrieden: "Früher gab es nur Würste, heute zeigen die Vereine, was sie können."

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