Hundertwasser für Kinder
Sechs Wochen lang beschäftigten sich Erstklässler mit dem Künstler

Talheim - „Liebe Eltern, wir laden euch…“ Konzentriert schreibt Laurin auf das Blatt, das vor ihm liegt. Der Text steht an der Tafel, und er beinhaltet die Einladung zur Hundertwasser-Ausstellung der Klassen 1a und 1b der Grund-, Haupt- und Werkrealschule Talheim. Die soll natürlich besonders schön werden. Ist der Text erst korrekt abgeschrieben, wird Laurin vorne drauf eine bunte Spirale kleben, die der Sechsjährige mit Window Colors auf einer Folie kreiert hat.
Über sechs Wochen hinweg haben sich die 51 Erstklässler im Fach Mensch, Natur und Kultur eingehend mit dem Künstler beschäftigt. Theoretische Abschnitte, die in den normalen Unterricht eingebaut wurden, wechselten sich mit Projekttagen ab. Die Jungen und Mädchen erschufen Kunst im Sinne von Hundertwasser.
Bereits für die Ausstellung vorbereitet, hängen die meisten Werke im Flur. Da gibt es Spiralen aus Wolle, farbig gestaltete Fenster. „Wir wollten die Kinder an das Thema Kunst heranführen, und Hundertwasser ist mit seinen vielen Farben und Formen dafür besonders geeignet“, erklärt die Klassenlehrerin Sabine Bindereif den Hintergrund des Projekts in Talheim. Gemeinsam mit ihrer Kollegin Christa Seliger hat sie viele verschiedene Angebote entwickelt.
An jedem Projekttag gibt es eine Sache, die auf jeden Fall fertig gestellt werden muss. „Man merkt einfach, dass man sonst zu wenig mit den Kindern in punkto Kunst macht, und es lohnt sich auch wirklich nur mit dem Aufwand eines ganzen Vormittags.“
Wer jetzt eine Vernachlässigung anderer Fächer befürchtet, täuscht sich. „Die Kinder müssen immer etwas schreiben und haben viel zu Hundertwasser gelesen“, betont Seliger. Aus den Arbeitsblättern entsteht am Schluss sogar ein selbst gemachtes Hundertwasserbuch. Auch Rechnen wurde mit einbezogen. In den Klassenzimmern hängen bunt gestaltete Zahlen von eins bis 20.
Von der Theorie ist einiges hängen geblieben. „Sein Boot heißt Regentag“, weiß Timon (7). „Er ist 2000 gestorben“, ergänzt Laurin (7). Und Sophia (6) schiebt hinterher: „Seine Lieblingsfarben waren grün und braun.“ Bei den Projekten haben die Schüler einen klaren Favoriten, die Zuckerkreide. „Da muss man heißes Wasser mit Zucker mischen, bis er sich auflöst, bunte Kreide reintun und einen Tag warten“, erklärt Frank (7) ausführlich. „Die darf dann aber nicht an die Tafel, weil sie nicht mehr weggeht.“ Dafür glänzt sie aber schön.
Positiv finden die Lehrerinnen nicht nur, wie die Kinder auf den Künstler und seine Werke reagiert haben. „Viele haben Sachen von zu Hause mitgebracht, waren in Ausstellungen oder im Hundertwasser-Shop“, erzählt Bindereif. „Man merkt, wie die Eltern unser Projekt unterstützen.“ Dafür bekommen sie dann am Schluss auch eine schön geschriebene Einladung zur Ausstellung in der Schule.
Die Ausstellung findet am Donnerstag, 26. April, von 17.30 Uhr bis 19.30 Uhr in der Grundschule statt.
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