Hilfe und Unterstützung statt Druck und Drohung
Wie Hausaufgaben für Kinder und Eltern weniger stressig zu bewältigen sind - Viele Tipps von Mario Rosentreter

Untergruppenbach - „Die verflixten Hausaufgaben.“ Ganze Generationen von Schülern, mehr noch aber deren Eltern, schicken diesen Stoßseufzer gen Himmel. Gäbe es keine Hausaufgaben, wären Streit und Frust in vielen Familien erheblich geringer. Rund 140 Mütter und fünf Väter wollten jetzt in Untergruppenbach Tipps vom Fachmann hören, wie sie’s künftig besser und ihr Leben damit leichter machen können.
Der Elternbeirat der Stettenfelsschule und die Akademie für Information und Management (AIM) hatten Mario Rosentreter in den Festsaal geholt. Der Diplom-Psychologe aus Pforzheim, selbst Vater einer Tochter, gab Anregungen, die einzeln nicht neu waren, in ihrer Gesamtheit aber so manchen Aha-Effekt auslösten.
Eltern belasten ihre Kinder mit dem Wunsch: „Du sollst es einmal besser haben.“ Zu hoch gesteckte Erwartungen verursachen Versagensgefühle. Hat ein Kind Angst vor der Schule, sollten die Gründe schnell herausgefunden werden: Hat es Ärger mit dem Lehrer? Wird es gemobbt? Ist die Schulart die falsche? Oder ist der Druck der Eltern zu groß? Der gut gemeinte Ratschlag „Brauchst keine Angst zu haben“ löse reflexartig Ängste beim Kind aus, so Rosentreter.
Erfolge Bohrende Fragen, weiß der Psychologe, mögen Kinder nicht. „Was machst Du denn da?“, ist ihnen verhasst. Große Fallen bei der Bewältigung von Hausaufgaben seien Misserfolgserwartungen. Wenn sowohl Kinder wie Eltern schlechte Erfahrungen in bestimmten Fächern gemacht haben, sei die Lernfreude extrem vermindert. Der Ausruf der Mutter „Ach herrje, schon wieder Mathe“ sei wenig hilfreich. Rosentreter: „Erst Erfolge ändern etwas an der Situation.“ Deshalb sei es wichtig, bei den Hausaufgaben nicht mit dem schwächsten Fach zu beginnen, sondern mit einem, das Spaß macht.
Die Stärken des Kindes herausfinden, die Aufmerksamkeit auf Positives lenken, nicht Fehler hervorheben, Anreize durch ein Belohnungssystem schaffen, lauten Tipps des 53-Jährigen. Feste, sinnvolle Regeln, die eingehalten werden müssen, seien von Nutzen. Bei Nicht-Einhalten müssen dann aber auch Konsequenzen folgen. „Je mehr Sie nachgeben, desto stärker wird das Jammern“, rät Mario Rosentreter.
Keine Ablenkung Dass Kinder trödeln und partout nicht mit den Hausaufgaben anfangen wollen, kann verschiedene Gründe haben: Zu viel? Zu schwer? Keine Lust? Sorgen? Im Gespräch sollten Kind und Eltern eine gemeinsame Lösung erarbeiten. Strategien, die Hausaufgaben zu machen, heißen Regelmäßigkeit, Geborgenheit, Ruhe, keine Ablenkung. Sitzen Mütter ständig mit am Tisch, erleben Kinder das als Ritual, aus dem kaum herauszukommen ist. Zudem beeinträchtige der Privatunterricht zuhause die Aufmerksamkeit in der Schule. Rosentreter: „Ständige elterliche Nachhilfe belastet.“ Dem Kind müsse ein großer Teil der Verantwortung fürs selbst Lernen überlassen bleiben. „Fang’ doch schon mal alleine an“, sei ein probates Mittel. Unterstützung von Mutter und Vater heiße Ermutigung, Zutrauen, Anerkennung und Interesse.
„Wie verhalte ich mich, wenn mein Kind nachts noch Hausaufgaben macht, die es tagsüber im festgesetzten Zeitrahmen nicht geschafft hat?“ „Was sage ich meinem Kind, das in der Grundschule ein Einser-Schüler war und jetzt im Gymnasium Dreien schreibt?“ Die Zuhörerinnen hatten noch viele Fragen an Mario Rosentreter. Rege diskutierend verließen sie die Halle, bestärkt in ihrem Wissen: „Erziehung ist anstrengend.“
Stimme.de