Hasenbach mit Volumen von 78.000 Kubikmetern
Drittes der sechs Hochwasserrückhaltebecken im Bottwartal ist fertig.

Ja, atypisch war diese Einweihung gewiss: Statt auf dem Damm des neuen Hochwasserrückhaltebeckens Hasenbach zu stehen und die Fertigstellung des rund 2, 7 Millionen Euro teuren Projekts vor Ort zu feiern, fand der Festakt im Saale statt. Orkantief Niklas verhinderte die geplante Veranstaltung des Zweckverbandes Hochwasserschutz Bottwartal im Grünen. Das Oberstenfelder Bürgerhaus bot den Gästen ein sicheres Dach über dem Kopf.
Hausherr
Reinhard Rosner erinnerte daran, dass schon der Spatenstich im Mai 2013 ausgefallen war. Damals war Hochwasser im Bottwartal. "Das Becken scheint sich bei schlechtem Wetter wohl zu fühlen", vermutete der Bürgermeister. In Gegenwart von Umweltminister Franz Untersteller, Bundestags- und Landtagsabgeordneten, Vertretern von Ämtern und Behörden, Planern und Baufirmen lobte Rosner den "weisen Entschluss" der Kommunen Beilstein, Oberstenfeld, Großbottwar und Steinheim, 2005 in einem Zweckverband zusammen zu rücken. "Seit der Arche Noah weiß man, was eine Sintflut anrichten kann."
Damm
Mangels Vor-Ort-Besichtigung zeigte der Zweckverbandsvorsitzende Ralf Zimmermann Fotos vom Bau und dem fertigen Hasenbach-Becken, das einen Damm von 7,10 Meter Höhe, 200 Meter Länge und fünf Meter Breite hat. Wenn das Becken voll ist, werden sich in dem Trockenbecken 78 000 Kubikmeter Wasser auf einer Fläche von 3,3 Hektar stauen. Wegen seiner Größe war das Projekt auf Widerspruch von Anwohnern gestoßen und hatte die Realisierung verzögert.
Nach "Stockbrunnen" und "Hoftal" in Großbottwar ist "Hasenbach" nun das dritte Becken, das in Betrieb geht. Sechs Becken geplant, die den rund 45 000 Einwohnern im Bottwartal am Ende geruhsame Nächte bereiten sollen - auch bei einem 100-jährigen Hochwasser.
Minister Franz Untersteller (Grüne) erinnerte allerdings daran, dass sich "das 100-Jährige nicht an seinen Namen hält". Die Landesregierung werde die Kommunen auch weiter beim Hochwasserschutz unterstützen. "60 bis 70 Millionen Euro werden dafür jedes Jahr zur Verfügung gestellt", so der Minister. Das "ehrgeizige Schutzkonzept des Zweckverbandes" fördert das Land bisher mit 70 Prozent der Entstehungskosten. Die Hoffnung der Verbandsmitglieder, dass das auch weiterhin so bleibt, drückte Vorsitzender Zimmermann aus.
Drei Becken fehlen noch. Zwei weitere in Oberstenfeld und eins auf Beilsteiner Markung. Die beiden Projekte im Prevorster und im Kurzacher Tal stoßen im Vorfeld nicht auf ungeteilte Zustimmung. Die Gemeinderäte der beiden Kommunen machen ihr Votum von Visualisierungen abhängig, die das Planungsbüro Winkler und Partner vorlegen soll. "Das Prevorster Becken ist ein Einschnitt ins Tal", räumte Ralf Zimmermann ein. Reinhard Rosner hatte im Vorfeld kommentiert: "Das Prevorster Tal wird nicht mehr so sein, wie es war." Der Damm soll nach bisheriger Planung neun Meter hoch werden. "Es geht aber um den Schutz der Bevölkerung", so der Großbottwarer Bürgermeister. Nur wenn alle sechs Becken stehen, könne ein 100-jähriges Hochwasser abgewendet werden. Beilsteins Bürgermeister Patrick Holl rechnet damit, dass sich die Gemeinderäte Ende April wieder mit der Thematik befassen werden.
Ziel Als "Zielmarken" nannte Zimmermann 2017/2018 für das Kurzacher und das Prevorster Becken. Als letztes stünde dann noch eins im Schmidbachtal aus. Hierfür sind die Jahre 2020/2021 auf der To-do-Liste vermerkt. Allerdings gibt es für dieses Becken noch keine Planung.
Kosten
Als Gesamtkosten für alle sechs Becken des Zweckverbandes Hochwasserschutz Bottwartal nennt Verbandsvorsitzender Ralf Zimmermann "eine Investition von über 20 Millionen Euro." Das jetzt eingeweihte Hochwasserrückhaltebecken "Hasenbach" hat 2,7 Millionen gekostet. Davon zahlt das Land 70 Prozent (1,9 Millionen). Den Rest teilen sich die Zweckverbandsmitglieder: Großbottwar ist mit 39 Prozent, Steinheim mit 30 Prozent, Oberstenfeld mit 24 Prozent und Beilstein mit sieben Prozent beteiligt.
Stimme.de