Das Schafwoll-Festival steht an
Das Schafwoll-Festival steigt am kommenden Wochenende wieder zwischen Oberstenfeld und Gronau. Wir haben mit Organisator Franz Theiss über die Erfolgsgeschichte gesprochen

Herr Theiss, was gibt es Neues bei der 16. Auflage?
Franz Theiss: Wir wollen das Thema Wolle noch mehr in den Mittelpunkt rückten und bauen diesmal beim Hütegelände eine zweite Bühne auf, wo Schafe geschoren werden, die Wolle gekämmt und gesponnen wird. Bisher war das auf dem Gelände verteilt, jetzt wird der danze Arbeitsprozess präsentiert.
Denken Sie an die Anfänge zurück: Waren Sie skeptisch, dass überhaupt jemand kommt?
Theiss: Ich wollte mit dem Markt zuerst in die Stadt, nach Heilbronn. Was wir auch getan haben. Das Landwirtschaftsamt hat gesagt, wir sollten das bei mir in Gronau machen. Ich war skeptisch. Aber es hat sich gezeigt, dass die Städter gerne aufs Land gehen.
Wie hat es sich entwickelt?
Theiss: Wir haben mit sieben Ständen angefangen, jetzt sind es 104. Es geht nicht darum, einen Rekord aufzustellen, aber es melden sich so viele Anbieter. Wir müssen sogar einigen absagen. Wer nichts mit dem Thema und der Natur zu tun hat, kann auch nicht dabei sein.
Woher kommen die Marktbeschicker?
Theiss: Es sind zehn Schafhalter aus der Region dabei, die ihre Produkte verkaufen. Der Rest reist sogar bis aus Brandenburg an.
Warum haben Sie mit der Milchschafhaltervereinigung überhaupt dieses Festival initiiert?
Theiss: Es hat mich immer geärgert, dass es Feste für Schäfer gibt, aber nicht für deren Produkte. Wenn man Schafe in der Landschaftspflege einsetzt, ist das ein Teil. Aber das, was man produziert, sollte man auch absetzen können. Dann ist der Kreis geschlossen. So entstand die Idee.
Wie erklären Sie sich den Erfolg der Veranstaltung?

Theiss: Es handelt sich um ein Themenfest. Sehr viele Leute, die sich für Natur, Umwelt und Schafe interessieren, kommen - aus dem Heilbronner, Stuttgarter und Ludwigsburger Raum. Da bildet Gronau einen idealen Schnittpunkt.
Wie bewältigen Sie den Ansturm von Tausenden von Besuchern?
Theiss: Natürlich ist das Parken ein Problem, obwohl wir schon einige hundert Parkplätze haben. Schwierig wird es, wenn es regnet. Die Besucher müssen hat ein Stück laufen.
Sie verlangen keinen Eintritt.
Theiss: Wir wollen ja, dass die Kunden kommen und an den Ständen einkaufen. Wir verdienen an der Bewirtung und der Standgebühr. Das reicht aus.
Was essen Sie am liebsten vom Schaf?
Theiss: Ein ordentlicher Lammbraten ist was Feines. Einige Halter im Land produzieren Schafskäse, die wirklich Spitzenprodukte sind.
Stellt Schafzucht bei uns nicht eher eine Nische dar?
Theiss: Die Schafhaltung hat ihre Rechtfertigung in der Landschaftspflege. Früher hat man sie wegen der Wolle betrieben. Aber dafür kriegt der Schäfer heute nicht mehr viel. Im Bottwartal und den Löwensteiner Bergen gibt es mindestens 3500 Schafe zur Landschaftspflege.
Wie viele Milchschafhalter gibt es?
Theiss: Es gab mal eine Phase, da hat jeder gemeint, er müsse auf seinem Balkon ein Schaf halten. Da war das Milchschaf ideal, hatte Wolle und Milch. Dieser Trend ist rückläufig. In Baden-Württemberg gibt es 400 Milchschafhalter, vier bis fünf Betriebe sind im Haupterwerb und können davon leben. Im Land werden 24 Schafrassen gezüchtet, hauptsächlich Merinoschafe.
Programm
Ein Fest der Sinne verspricht die Wollaktion in den Dorfwiesen in Gronau. Am Samstag und Sonntag, 3. und 4. September, haben die über 100 Marktstände ab 11 Uhr geöffnet. In der Schafschau wird die Entwicklung vom Mufflon zum Wollschaf dokumentiert. Ein Woll-Fühlpfad ist aufgebaut. An den Ständen wird altes Handwerk gezeigt, wie Spinnen, Weben und Filzen. Es gibt Lebensmittel und Kleidung vom Schaf. Zwischen Oberstenfeld und Gronau werden Schafe gehütet. Autor Hans Otto Öchsle zeigt am Schäferwagen seine Bilder und tritt mit schwäbischen Beiträgen auf. Am Samstag gibt es ab 17 Uhr Acoustic Rock handgemacht. Am Sonntag spielen um 12 Uhr die Jagdhornbläser aus Ludwigsburg. Für das leibliche Wohl ist gesorgt. bif
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