Wohin, wenn es wirklich pressiert?
Umfrage im Schozach- und Bottwartal: Öffentliche Toiletten oft in den Rathäusern

Von Viola Vahlkamp
Ob bei einem Spaziergang oder beim Einkaufen. Passieren kann es immer. Der Drang, eine Toilette aufzusuchen, nimmt zu - dann pressiert es. In großen Städten ist es kein Problem. Aber wo sich in den Kommunen des Schozach- und Bottwartals ein „Stilles Örtchen“ finden lässt, ist dann die Frage.
Seit zehn Jahren bietet die öffentliche Toilette in der Burganlage in Hohenbeilstein Touristen die Möglichkeit, sich zu „erleichtern“. Wie Bürgermeister Günter Henzler berichtete, wurde sie wegen des großen Besucherandrangs auf der Burg gebaut. „Alle Gäste bedienten sich der Toiletten in der Gaststätte. Der Besitzer war bald damit überfordert.“ Geöffnet sei die Toilette aber nur saisonbedingt zu den Öffnungszeiten der Falknerei, so Henzler. Eine Kostenbelastung für die Stadt entstehe nicht. Die Reinigungsarbeiten übernehme die Falknerei. Sonst müssten nur Strom und Wasser bezahlt werden.
Keinen Anlass zu einem öffentlichen Klo sieht dagegen Bürgermeister Rainer Gräßle in Talheim. In seiner Gemeinde sehe er da keinen Bedarf. Sollte dennoch jemand unterwegs ein dringendes Bedürfnis verspüren, könne er gerne die Toilette des Rathauses aufsuchen.
Ebenso handhabt es Ilsfeld. Wie Heinz Braun vom Ortsbauamt betonte, stehen Rathaus und Schulen für alle, die ihre Notdurft verrichten müssen, zur Verfügung. Doch was, wenn gerade wie jetzt Ferien sind?
Auch in Oberstenfeld dient die Toilette des Rathauses als „öffentliche Bedürfnisanstalt“. Angesichts der verlängerten Öffnungszeiten im Bürgerbüro hat sich hier schon eine gewisse „Stammkundschaft“ herauskristallisiert. Bürgermeister Reinhard Rosner kennt einige Senioren, die das Klo im Rathaus zu einem festen Anlaufpunkt ihres täglichen Spaziergangs gemacht haben. „Kommen sie an einem Tag nicht, müssen wir uns direkt schon Sorgen machen.“
Schon oft hat Bürgermeister Jürgen Schmid aus Flein auf das benutzbare Rathaus-WC hingewiesen. Auf den Begriff „öffentliche Toilette“ verzichtet er bislang, da der Zutritt eben nur zu den Öffnungszeiten des Rathauses möglich ist. Trotz vielzähliger Nutzung gibt es für die Putzfrau selten „böse Überraschungen“. Doch kann es schon mal vorkommen, dass sich Jemand nicht ganz so gut benimmt.
Auf Grund der vielzähligen öffentlichen Einrichtungen in Untergruppenbach hätten die Bürger genügend Gelegenheiten, sich „zurückzuziehen“, erklärte Bürgermeister Joachim Weller. Zum Beispiel habe die Sporthalle den ganzen Tag geöffnet. Als Landgemeinde könne man problemlos ohne ein „öffentliches Häusle“ auskommen.
Auch in Abstatt war bis dato keine öffentliche Toilette im Gespräch. „Das wird sich aber nun ändern“, äußerte Bürgermeister Rüdiger Braun. „Im Zusammenhang mit der Planung des Bürgerparks Schozachaue wird das Thema sicherlich im Gemeinderat diskutiert werden.“
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