Mancher Grenzstreit endete blutig
Im „Dreiländereck“ Talheim-Ilsfeld-Lauffen Replik eines alten Dreimärkers enthüllt

Von Sabine Friedrich
Talheims Bürgermeister Rainer Gräßle, sein Lauffener Kollege Klaus-Peter Waldenberger und der stellvertretende Bürgermeister von Ilsfeld, Gerhard Habermaaß, zogen gemeinsam am weißen Tischtuch im „Dreiländereck“. Zum Vorschein kam unter den neugierigen Blicken von über 50 Schaulustigen am Wanderweg Landgraben ein ein Meter hoher Sandstein-Obelisk.
„MT“ (Markung Talheim), „ML“ (Markung Lauffen), „MS“ (Markung Schozach) war auf dem Original aus dem frühen 19. Jahrhundert zu lesen. Es war im vergangenen Jahr von den Talheimer Albvereinlern, in zwei Teile zerbrochen, entdeckt worden, als sie den Landgraben vom Wildwuchs befreiten. Fritz Schremp klebte das Puzzle zusammen, das einen sicheren Platz finden wird.
Der Heimatgeschichtliche Arbeitskreis regte eine Replik an. Die Kosten teilen sich die drei Kommunen. Steinmetz Thomas Rücker hat neben den ursprünglichen Buchstaben zusätzlich die Wappen eingemeißelt: Das Rebmesser für Talheim, der Bote für Lauffen und das Hufeisen mit den Sturmfederschen Streitäxten für Schozach. „Ein Schmuckstückchen“, freute sich Gräßle über den neuen Wegbegleiter am Landgraben.
Holde und Dietrich Gaa, die in den vergangenen drei Jahren auf der 21 Kilometer langen Markungsgrenze für das Landesdenkmalamt etwa 100 der einst 200 Grenzsteine aufspürten, erzählten den Enthüllungs-Gästen Interessantes über die steinernen Zeugen der Vergangenheit. Nicht immer sei es bei den so genannten Umgängen, bei denen die Grenzsteine gesetzt und kontrolliert wurden, friedlich zugegangen. Es flogen zum Teil die Fetzen, wie ein Gerichtsprotokoll vom 22. Mai 1762 verrät. Die Ilsfelder verlangten, dass die Talheimer ihre Waffen niederlegten, was Letztere mächtig ärgerte. Hatten sie doch den Gewehren, Flinten und einem Spieß der Ilsfelder nur Stecken entgegenzuhalten. Heftige Wortwechsel auf dem Umgang mündeten schließlich in eine Schlägerei mit gewaltigen Blessuren. „Wegen allzu starker Tageshitze und von dahero eingenommenen gehabten vielen Trunks“. Das ist als Ursache der tätlichen Auseinandersetzung notiert.
Mit Lauffen zum Beispiel gab es, obwohl die Grenze eindeutig war, entlang der Felsen der Neckarhalde fast 300 Jahre Streit. „Grenzsteine sind Begegnungspunkte“, setzte Waldenberger der unrühmlichen Vergangenheit die friedliche Gegenwart entgegen.
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