Glasharfe erzeugt schwebende Töne
Gemeinde Talheim richtete Seniorennachmittag aus mit Gesang, Humor, Tanz und Musik

Ein halber Schwabe ist er sowieso, weil seine Mutter aus Stuttgart stammt. Tatsächlich ist Prosper Lipowy aber mindestens ein Dreiviertel-Schwabe, denn seit Kriegsende lebt er in Talheim. Den gebürtigen Berliner kann er trotzdem nicht verleugnen. Er sprudelte los, zum Vergnügen seiner Altersgenossen und erzählte einen Witz nach dem anderen mit seiner "Balina Schnauze". Mutterwitz und Schlagfertigkeit zeigen diese kleinen Geschichten.
Die "Singenden Wengerter" brachten mit Faschingsmelodien Schwung in den Saal. Sie gelobten, "Mir lasse de Burg in Daale", stiegen "Stäffele nuff, Stäffele naa" und empfahlen als Lebensrezept "Zuerschd a Viertel". Hinter den Sängern verbarg sich das Männerballett des örtlichen Carnevals-Vereins.
Mit einer Wengerter-Rätsche schickte Schultes Rainer Gräßle die Stimmakrobaten von der Bühne. Für die beiden Kirchengemeinden sprach Elisabeth Eberenz ein Grußwort.
Einen Kunstgenuss der seltenen Art bescherte Sascha Reckert den Talheimer Senioren mit seiner Glasharfe. Er spielte Weisen aus der Renaissance und von Wolfgang Amadeus Mozart auf den unterschiedlich langen Glasröhren, die er gewandt mit feuchtem Finger anstrich. Die Glasharmonika bringt samtweiche, sozusagen schwebende Töne hervor. Wie Bürgermeister Gräßle recherchiert hatte, hat dieses Instrument ein aus Stuttgart stammender Bruno Hoffmann entwickelt: "Es ist also ein echt schwäbisches Instrument." Als Glasharmonika hat's der Erfinder des Blitzableiters und amerikanische Diplomat Benjamin Franklin bezeichnet.
Rasantes brachte ein Ensemble der Heilbronner Tanzschule Lars Weinmann auf die Bühne. Es beherrschte vom Rock bis zum lateinamerikanischen Paso Doble alle rhythmischen Bewegungen. Zu den Tänzen mochte Lars Weinmann nichts weiter sagen, das habe "der nette junge Mann" schon getan. Damit meinte er den Bürgermeister, der als Gastgeber die Gemeinde-Seniorenfeier moderierte. Zudem gab er den Gästen einen kurzen Überblick über die jüngsten kommunalpolitischen Ereignisse im Ort gegeben: "All das, was man nicht sieht, kostet sehr viel Geld."
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