Wohnen in der Pyramide

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Bönnigheim - Der Bau hat den Charme einer mediterranen Villa, die Konstruktion einer ägyptischen Pyramide, die Verbrauchswerte, die einen schwäbischen Sparfuchs entzücken.

Von unserem Redakteur Rolf Muth

Die besondere Bauweise am Rande der Ganerbenstadt zieht viele Blicke auf sich.Fotos: Andreas Veigel
Die besondere Bauweise am Rande der Ganerbenstadt zieht viele Blicke auf sich.Fotos: Andreas Veigel

Bönnigheim - Der Bau hat den Charme einer mediterranen Villa, die Konstruktion einer ägyptischen Pyramide, die Verbrauchswerte, die einen schwäbischen Sparfuchs entzücken. Und dieser heißt Bruno Staiger. Der 74-jährige Unternehmer, der in Erligheim einen Betrieb für Ventiltechnik mit 200 Mitarbeitern und einem Jahresumsatz von 16 Millionen Euro leitet, hat eine heimliche Liebe: die Architektur. Im Bönnigheimer Schlossfeld hat sich der Tüftler einen Traum erfüllt und nach seinen Ideen ein Vier-Familien-Wohnhaus realisiert, über das eine Glaspyramide gestülpt ist.

Der Rohbau steht, ist mittlerweile verputzt. Kanten gibt es nicht. Beim Betreten der Pyramide erscheint alles rund. "Ich mag diesen maurischen Stil", sagt Staiger. Der neugierige Besucher trifft auf weiße Eleganz hinter Glas.

Haus-in-Haus

Auf dem 14 Ar großen Grundstück ist die 20 Meter hohe Glaspyramide entstanden. Schon von außen kann man die "Haus-in-Haus-Konstruktion" erkennen. Und genau diese Idee sei es, die Außenwände von nur 17 Zentimetern erlauben. Wärmedämmung braucht man nicht: "Damit ist eine Masse-Einsparung im Rohbau von 60 Prozent und ein Quadratmeter-Preis von 1500 Euro möglich", rechnet Staiger vor. "Das ist nicht teurer, als eine herkömmliche Bauweise." Das zweigeschossige Gebäude hat vier Wohnungen und eine Nutzfläche von 550 Quadratmetern. In drei dieser Wohnungen werden Mitarbeiter leben. Die vierte will das Unternehmen für Repräsentationszwecke bei Besuchen in- und ausländischer Geschäftspartner nutzen.

24 Fenster ringsum sorgen für eine gute Belichtung. Einen Großteil des Jahres, schätzt Staiger, nutzen die Bewohner zudem den 300 Quadratmeter großen Wintergarten, der von Frühjahr bis Herbst bewohnbar ist. Dafür sorgen 1000 Quadratmeter Fläche eines über drei Zentimeter dicken Wärme- und Sonnenschutzglases. Damit es im Sommer nicht zu heiß wird, sorgen Lüftungsschlitze im Sockel und Fensterflügel für einen steten Luftzug.

Wärmetauscher sollen angenehme Temperaturen im Wohnbereich garantieren. Hier kommt Staigers Know-how als Ventiltechnik-Profi ins Spiel. Konstruiert seine Firma ansonsten die kleinsten Ventile der Welt etwa für die Medizintechnik, so sollen speziell für dieses private Projekt entwickelte Magnettechnikventile den Durchfluss kalten oder warmen Wassers steuern. Dazu wurden vier Millimeter dünne Kapillarsysteme in Decken und Wänden verbaut.

Effizienz

"Ich brauche kein Öl, keine Pellets, kein Gas." Die erforderliche Energie für die Erwärmung des Brauchwassers soll Photovoltaik bringen. Den dennoch erforderlichen Energiebedarf pro Wohnung errechnet Staiger auf 1500 Euro pro Jahr − "deutlich unter den üblichen Kosten". Die Effizienz des Pyramidenhauses lasse sich mit Erdwärme und Sonnenkollektoren noch steigern, so dass seine Pyramide im Endausbau ein Energie-plus-Haus sein könnte. Noch hat Staiger den Beweis dafür nicht erbracht. Das Pilotprojekt entwickelt er am Standort seit drei Jahren.

Unternehmer Bruno Staiger ist ein schlauer Kopf: 220 Patente hat sein Unternehmen bereits angemeldet.
Unternehmer Bruno Staiger ist ein schlauer Kopf: 220 Patente hat sein Unternehmen bereits angemeldet.
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