Wegen Sky: Kneipen-Wirte sind verärgert
Weniger Spiele, höhere Kosten: Die Gastronomen in der Region, die Fußball in ihren Lokalen übertragen, äußern sich kritisch zum neuen Abo-Tarif des Bezahlsenders Sky.

Deutschlands Fußballfans sind glücklich: Endlich rollt der Ball wieder nach der Sommerpause in der Bundesliga. Nur bei den Wirten von Fußball-Kneipen hält sich der Jubel in Grenzen. Denn Sky, Marktführer der Bezahlfernsehsender in Deutschland, zeigt mehr als 30 Spiele weniger, hat aber den Monats-Abo-Preis um rund 30 Euro erhöht.
Freitags- und Montagsspiele laufen nicht bei Sky
Für die Freitags- und Montagsspiele müssen die Sky-Kneipen nun auf andere Anbieter zurückgreifen. Der Sender Eurosport offeriert sie für fünf Euro pro Monat über eine Internet-Verbindung.
Wolfgang Hauth, Wirt der Fleiner Fußball-Gaststätte Haudi, kommentiert frustriert: "Was soll man machen? Die haben das Monopol. Wir haben rechtlich keine Möglichkeit, etwas dagegen zu unternehmen." Hauth weigert sich, den Europlayer zu abonnieren. "Ich hätte mir da neue Geräte anschaffen müssen."
Das heißt für die Gäste in dem Sky-Lokal, das es schon mehr als 20 Jahre gibt: Bei Freitags- und Montagsspielen schauen sie in die Röhre. Hauth versichert: "Meine Gäste zeigen Verständnis. Die akzeptieren das." Weniger Verständnis hat der Wirt für die Tarifsteigerungen. Sky habe bei ihm innerhalb von 13 Monaten den Abo-Preis um 165 Prozent erhöht. Der Haudi-Chef hat sich schon überlegt, den Fußball ganz sein zu lassen. "Aber unser ganzes Konzept ist darauf ausgerichtet."
"Happiger" Tarif
Bernd Herz, Chef in Bernies Bistro in Bad Wimpfen, ist ebenso verstimmt. "Das Sky-Abo war ja bisher schon teuer genug." Er holt sich jetzt die Freitags- und Montagsspiele über den Internetanbieter Amazon-Prime. "Das kostet fünf Euro pro Monat und hat beim Bundesligaauftakt ganz gut funktioniert." Doch die Qualität der Übertragung sei "nicht ganz so gut" gewesen. Wenigstens hatte Bernd Herz keine Totalausfälle zu beklagen, wie so mancher Privatkunde.
Der Wirt zahlt pro Monat rund 600 Euro an Sky. Da ist schon der Rabatt eingerechnet, den er als Mitglied im Hotel- und Gaststättenverband erhält. Herz findet den Tarif happig "für so eine kleine Kneipe wie meine". Es sei "eine Schweinerei", dass Sky weniger liefere und dafür noch mehr verlange. In Bad Wimpfen gebe es drei Sky-Kneipen. "Ich bin gespannt, wie lange das noch läuft." Herz' Idealvorstellung wäre, dass es zwei, drei Anbieter gibt, "die alle Spiele zeigen". Dann könnte man wenigstens auswählen.
Ähnlich groß ist der Unmut in Heilbronn. "Das ärgert mich, dass das jetzt mehr kostet", sagt Doppelpass-Chefin Filis Mahbi Acar. Torsten Horn vom Backstüble hat den Europlayer und zahlt für Sky jetzt 703 Euro im Monat. "Was soll ich machen, ich habe ja keine Alternativen", erklärt er.
Kneipenkultur gefährdet?
"Unerfreulich" nennt Daniel Ohl die Situation. Für den Sprecher des Hotel- und Gaststättenverbandes in Baden-Württemberg ist es schade, "wenn wir jetzt durch diese neuen Verträge die Kultur der Fußball-Kneipen gefährden würden". Diese hätten sich nach der "wunderbaren Weltmeisterschaft 2006 in Deutschland" gebildet. Sportfernsehen als Geschäftsmodell: Gastronomen erschlossen sich so neue Gäste. Ohl: "Eigentlich profitieren wir alle davon."
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