Viel Platz für 40 Nesthäkchen in Nordheim
Die Gemeinde Nordheim schließt den 3,5 Millionen teuren Neubau des Kinderhauses ab. Am Montag zieht der Nachwuchs ein.

Das Nest ist gemacht. Besser gesagt, das Vogelnest. So heißt die neue Kinderkrippe in Nordheim. Am Montag zieht der Nachwuchs ein. Bis zu 40 ein- bis dreijährige Mädchen und Jungen finden Platz. „Bildung und Betreuung fordern uns immens“, sagt Bürgermeister Volker Schiek. „Es ist ein Kraftakt, den wir da machen.“ Die Eltern bekommen Einblicke in die 3,5 Millionen Euro teure Einrichtung beim Tag der offenen Tür am Sonntag, 25. September.
Der Endspurt im Neubau an der Südstraße ist spürbar: Anfang dieser Woche rückten gleich vier Lastwagen mit Möbeln an. Überall wird ausgepackt, Schrankteile zusammengefügt, Stühle montiert. Noch fehlen verschiebbare Trennelemente vom Fensterbauer, die als Abschluss für die Gruppenräume dienen. Für die Erzieherinnen heißt das Zusatzarbeit: Ab Montag soll alles reibungslos funktionieren.
Rundgang
Beim Rundgang mit Architektin Annette Becker-Huschka, der stellvertretenden Bauamtschefin Olga Sittner und Hauptamtsleiterin Hanna Zeh fallen die hellen, freundliche Räume auf. Die Kinder werden auf lindgrünen Böden toben. Die Wände sind zum Teil mit einem Hauch von Orange getüncht, zum Teil mit Holz verblendet, ansonsten weiß gestrichen. An der Decke ist der Sichtbeton zu sehen, Akustikelemente sollen dafür sorgen, dass sich der Lärm in Grenzen hält, Sprachentwicklung ohne Störung möglich ist.

„Hier wurde mit Hochdruck gearbeitet“, sagt der Bürgermeister. Und seine stellvertretende Bauamts-Chefin Olga Sittner bestätigt, dass die Handwerker zügig und im Zeitplan gearbeitet hätten. Das führt Architektin Becker-Huschka auch auf die Herkunft der Firmen ab. 90 Prozent kommen aus der Region. Das verpflichtet. Bei der Schulerweiterung, die derzeit parallel abgewickelt wird, habe es diese Zuverlässigkeit nicht immer gegeben, räumt Sittner ein.
Im Erdgeschoss des Kinderhauses werden zwei Gruppen untergebracht. Das Essen wird in der künftigen Mensa der Schule erhitzt und zum Kinderhaus geliefert. Die Kinder haben einen gemeinsamen Essbereich und ein gemeinsames Bad mit Toilette und Wickelkommoden und 50 Zentimeter hohen Waschgelegenheiten. Die Gruppen jedoch spielen getrennt. In jedem Gruppenraum gibt es ein hölzernes Spielpodest mit Rutsche. Hier stehen auch bunte Käfermobile zur Verfügung. Getrennt sind auch die Schlafräume, in denen 1,20 Meter große geflochtene Schlafkörbe, ausgestattet mit angenehmen Polstern, auf die künftigen Nutzer warten.
Bei der Einrichtung, so betont die Architektin, wurde auch auf die Belange der Erzieherinnen Rücksicht genommen. Es gibt Wickeltische in unterschiedlicher Höhe: „Die Erzieherinnen sind ja auch nicht alle gleich groß.“ Dieser Umstand wurde auch bei den Stühlen berücksichtigt. Die Erzieherinnen sitzen nicht wie früher auf Kinderstühlchen. „Die Stühle kann man von normaler Sitzhöhe auf eine geringe Sitzhöhe per Gasfederdruck absenken beziehungsweise anheben. Rückenbeschwerden wird so vorgebeugt.

Das Foyer stellt künftig den zentralen Eingang in der Südstraße für Krippe und Kindergarten dar. Hier direkt sitzen auch die beiden Gesamt-Leiterinnen: Jasmin Dusel für die Krippe, Erika Heichel-Ott für den Kindergarten. Und gleich neben dem Eingang befindet sich der Kinderwagen-Parkplatz. Hier können die Transportgeräte vom Start ab sieben Uhr bis zum späten Nachmittag stehen bleiben.
Eine Treppe, aber auch ein Aufzug, führen in die zweite Ebene. Dort sind die Gruppenräume identisch gestaltet. Zudem gibt es aber den 35 Meter langen Laubengang und einen 60 Quadratmeter großen Bewegungsraum, der zum Foyer geöffnet werden kann und 60 Menschen Platz zum Sitzen bietet. Der Geräteraum nebenan kann bei kleinen Veranstaltungen für die Eltern toll als Bühne genutzt werden. Im Kreativraum kann gemalt, gewerkelt und geknetet werden. Das identische Zimmer darunter im EG dient als Haushaltsraum und als kleines Wäschelager.
Platz
Zwischendurch schien es, als müsste die Kommune nach dem Bau sogleich wieder Platz schaffen. Das Interesse an U 3-Plätzen war so groß, dass die Verwaltung ins Schwitzen kam. „Das hat sich aber gelegt“, sagt der Bürgermeister. „Wenn es verbindlich für die Eltern wird, relativieren sich solche Zahlen.“ Im Augenblick reiche also der in der Südstraße zur Verfügung gestellte Platz für Kinder unter drei Jahren aus. Schiek: „Was in zwei Jahren ist, weiß ich aber nicht.“
Finanzierung neuer Kindergarten- und Krippenplätze und verfügbare Ressourcen
Die finanziellen Mittel, die die Gemeinde Nordheim in die Hand nimmt, um eine gute Bildung zu ermöglichen und ausreichend Betreuungsplätze zur Verfügung zu stellen, sind immens. 12,5 Millionen Euro werden zurzeit in die Erweiterung der Kurt-von-Marval-Gemeinschaftsschule gesteckt, weitere 3,5 Millionen ins Kinderhaus. 480.000 Euro gab es als Zuschuss aus dem Kinderkrippenprogramm, weitere 350.000 Euro werden aus dem Ausgleichsstock des Landes erwartet.
Und schon jetzt ist klar: Der Platz im Kindergartenbereich reicht nicht aus. In der Südstraße soll der alte Hort saniert und aufgestockt werden. Ein weiterer Posten von über einer Million Euro.
Damit scheint zunächst der Bedarf gedeckt. Die Kommune verfügt derzeit laut Hauptamts-Chefin Hanna Zeh im Ü 3-Bereich über insgesamt zwölf Gruppen, davon drei Ganztagesgruppen, zwei Regelgruppen und sieben Gruppen mit zusammenhängenden Öffnungszeiten. Zeh: „Insgesamt werden 267 Kinder ab drei Jahre bis Schuleintritt betreut.“ Die Verwaltung gehe davon aus, dass alle Kindergartenplätze im Laufe des Kindergartenjahres belegt werden. „Voraussichtlich müssen auch Notplätze belegt werden.“
In der Krippe, dem U 3-Bereich, gibt es jetzt fünf Gruppen, davon zwei Ganztagesgruppen und drei Gruppen mit zusammenhängenden Öffnungszeiten. Insgesamt werden 50 Kinder vom ersten bis zum dritten Geburtstag betreut. Zeh geht davon aus, dass 38 der 50 verfügbaren Plätze belegt werden.
Bei der Gemeinde Nordheim sind 47 Erzieherinnen beschäftigt, „teils auch als 50-Prozent-Kräfte oder als Springer mit geringerem Beschäftigungsumfang“. Für das neue Krippenhaus wurden zur Eröffnung der beiden neuen Ganztagesgruppen fünf Erzieherinnen (Vollzeit und Teilzeit) sowie eine Anerkennungspraktikantin eingestellt. Probleme bei der Suche habe es nicht geben. Offenbar haben die zehn Gründe, mit denen die Verwaltung im Vorfeld um Mitarbeiter geworben hatte, gefruchtet: „Nette Kolleginnen, die sich gegenseitig unterstütze; Angebote im Gesundheitsmanagement; günstiges Mittagessen über die Mensa; ein aktiver Personalrat, der auch Ausflüge und Veranstaltungen organisiert; Weiterbildung und gut ausgestattete Kindergärten mit pädagogischen Konzepten, die stetig weiterentwickelt werden.“ rom
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