Verwaltung verbietet bordellartigen Betrieb
Im Heilbronner Industriegebiet buhlen Frauen um Freier - Betreiber haben Widerspruch gegen Verbot eingelegt

Auf den Klingelschildern steht Massage, Privat oder TS Brandy Hammer. Ein roter Pfeil auf einer kleinen Tafel an der Fassade des braunen Hauses Am Salzwerkplatz 7 weist den Weg in Richtung Hinterhof. Auf der Tafel steht der Name Agentur de Luxe. Darunter eine einschlägige Internetadresse. Im Heilbronner Industriegebiet hat sich ein bordellartiger Betrieb angesiedelt. Das bestätigte die Heilbronner Stadtverwaltung auf Anfrage unserer Zeitung. Der Betrieb sei untersagt worden. Dagegen haben die Betreiber beim Regierungspräsidium Stuttgart (RP) Widerspruch eingelegt. Unter der Internetadresse werben vier Frauen um die Gunst der Kunden. Nutten, Prostituierte, Callgirls, Puff steht auf dem Reiter der Homepage. Serviceangebote, Öffnungszeiten und Anfahrtsweg sind genau erklärt.
Werben
Im Obergeschoss des Hauses bieten Frauen käuflichen Sex an. Ein Augenzeuge spricht von vier Damen, die in unterschiedlichen Zimmern um Kunden werben. 100 Euro kostet die halbe Stunde, sagt der junge Mann. Er habe die Dienste aufgrund des hohen Preises nicht in Anspruch genommen. "Ich konnte in der Wohnung von Zimmer zu Zimmer gehen und mit den Frauen über ihre Angebote sprechen."
Von diesen Angeboten haben die Nachbarn zum Teil genug. Eine Unterschriftenliste mit etwa 30 Namen ist am Wochenende bei der Stadtverwaltung eingegangen. Datiert auf den 31.10.2014. Die Nachbarn machen gegen "das Bordell Am Salzwerkplatz 7" in Heilbronn mobil. Ein Anwohner berichtet von einem kleinen Bus, der wöchentlich die Adresse anfährt. Frauen aus Osteuropa würden aussteigen, Frauen, die aus dem Haus kommen, wieder in den Kleinbus einsteigen. Er selbst werde oft gefragt, wo sich der Eingang zum Bordell befinde. Ein anderer Nachbar weiß über das Treiben Bescheid. Autos mit Kennzeichen aus umliegenden Landkreisen würden die Adresse anfahren.
Die Stadt Heilbronn bestätigte den Erhalt der Unterschriftenliste. Bereits Mitte vergangenen Jahres habe man von dem Etablissement erfahren. Nicht von den Nachbarn, sondern von der Polizei. "Die Terminwohnungen sind uns bekannt. Wir prüfen bei Kontrollen, ob gegen die Frauen etwas vorliegt", sagt Yvonne Schmierer, Pressesprecherin der Polizei Heilbronn.
Anhörung
Man habe daraufhin die Betreiber angehört. "Wir haben die Nutzung des bordellartigen Betriebs untersagt", sagt Anton Knittel, Pressesprecher bei der Stadt Heilbronn. Der Bebauungsplan verbiete an dieser Stelle ein derartiges Etablissement, so die Meinung des Baurechtsamts.
Swingerclub
Das Haus ist in der Erotikszene bekannt. Im vorderen Teil hat sich ein Swingerclub etabliert. In einem Leuchtkasten am Eingang wird darauf hingewiesen, dass man im Club keine Prostitution dulde. Ein reiner Swingerclub ist nach Angaben der Stadt Heilbronn dort erlaubt. "Der Bebauungsplan von 2004 setzt ein Gewerbegebiet in diesem Bereich fest. Ein Swingerclub ist deshalb zulässig", sagt Knittel.
Die Betreiber der Terminwohnungen wollten sich gegenüber unserer Zeitung nicht äußern. Der zuständige Fachmann beim RP und die Betreiber des Swingerclubs waren gestern nicht für eine Stellungnahme zu erreichen.
Stimme.de