Zweite Pleite für Möbelhersteller
Polster- und Tischproduzent Laauser beantragt Insolvenzverfahren – Erst vor kurzem Inhaberwechsel
Grossbottwar - Einige Mitarbeiter des Polstermöbel- und Tischherstellers Laauser kennen diese Situation schon aus leidvoller Erfahrung: Zum zweiten Mal in seiner Geschichte hat das Unternehmen in Großbottwar mit derzeit noch mehr als 160 Beschäftigten den Gang zum Amtsgericht angetreten und die Eröffnung des Insolvenzverfahrens beantragt. Seit vorgestern ist der Stuttgarter Rechtsanwalt Tibor Braun zum vorläufigen Insolvenzverwalter bestellt.
Dabei hatte es erst vor kurzem einen Eignerwechsel gegeben, der die Weichen für die Zukunft stellen sollte: Der bisherige Inhaber Hans-Jürgen Klaußner hatte im Oktober seine Mehrheits-Beteiligung an seinen langjährigen Geschäftsführer Joachim Enßle veräußert, der während des ersten Konkurses im Jahr 1988 in die Geschäftsführung gekommen war und das Unternehmen in der Folgezeit wieder saniert hatte. In den Firmenverbund kamen in der Zwischenzeit die Premium-Manufactur Credo und die Schweizer LEU hinzu. Außerdem gibt es eine Produktionsstätte in Tschechien
Laauser wurde 1894 gegründet und ist seit 1960 in Großbottwar ansässig. Bis zu 450 Mitarbeiter beschäftigte die Firma in ihren besten Zeiten. Das Unternehmen hat sich innerhalb seiner Branche auf hochwertige Möbel spezialisiert, um dadurch dem Preiskampf zu entgehen. Vor allem Sofas und Sessel werden hergestellt, daneben aber auch Couch- und Wohnzimmertische.
Die Mitarbeiter hatten in den vergangenen Jahren immer wieder zu spüren bekommen, dass das Unternehmen zu kämpfen hatte, berichtet Konrad Ott, Erster Bevollmächtigter der IG Metall Ludwigsburg. „Laauser kam mehrfach auf uns zu, um vom Tarifvertrag abweichende Regelungen zu vereinbaren.“ Seit Februar seien nun keine Löhne mehr gezahlt worden, sagte der Bevollmächtigte weiter.
Mit der Insolvenz gehe womöglich ein weiteres bedeutendes Stück der Möbelindustrie im Bottwartal verloren, befürchtet Ott. „Einst war dies einer der Schwerpunkte der alten IG Holz“, erinnert er sich. Neben Laauser habe es noch einen größeren und mehrere kleinere Hersteller gegeben – inzwischen sei davon fast nichts mehr übrig geblieben.
Ex-Inhaber Otto Laauser hatte einst mit Anfang 20 den ersten Polstersessel des Unternehmens entworfen. Sofa und Couch folgten im Programm und verhalfen dem Betrieb in den 50er Jahren zu bahnbrechendem Erfolg. Kennzeichen war die Edelholzverarbeitung, die vor allem bei der nordischen Welle zum Tragen kam. 1962 folgte das internationale Programm, mit dem der Export in alle Welt startete. frz
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