Zweimal Knittweis, einmal pleite
Dachdecker-Obermeister ist jetzt Angestellter seiner Ehefrau - Insolvenzverfahren eröffnet
Bad Rappenau - Wer im Fall Knittweis durchblicken will, muss genau hinschauen: Während das Amtsgericht Heilbronn das Insolvenzverfahren beim Obermeister der Dachdecker-Innung Heilbronn-Franken, Michael Knittweis, eröffnet hat, firmiert unter dem Namen Knittweis längst ein neuer Betrieb in Bad Rappenau. Inhaberin ist Susanne Knittweis, Ehefrau des Dachdeckers; ihr Mann arbeitet als Angestellter in der Firma. Ansonsten hat sich jedoch wenig geändert: Die acht Mitarbeiter sind fast geschlossen ins Nachfolgeunternehmen übergewechselt.
Laut Insolvenzverwalter Gerhard Fichter läuft der Betrieb in der neuen Firma Knittweis auf Hochtouren. Welche Konsequenzen die Konstellation hat, ist jedoch fraglich. Die Maschinen sollen demnächst in die Hände der Nachfolgefirma wechseln. Insolvenzverwalter Fichter plant, in den nächsten Wochen mit Susanne Knittweis über den Verkauf der Geräte zu verhandeln, um die Insolvenzmasse aus der Pleite ihres Mannes zu erhöhen. Allzu viel Hoffnung dürften sich die Gläubiger allerdings nicht machen: "Eine hohe Quote werden wir aller Voraussicht nach nicht erzielen", sagt Fichter.
Ob Michael Knittweis, der nun offiziell Angestellter seiner Frau ist, weiterhin seine Ämter im regionalen Handwerk ausüben darf, ist ungewiss. Aktuell ist der Dachdeckermeister Mitglied in der Arbeitgeberfraktion der Vollversammlung der Handwerkskammer Heilbronn-Franken. Solange das Insolvenzverfahren läuft, könne er im Gremium bleiben, sagt eine Sprecherin der Handwerkskammer. "Ob Herr Knittweis aber auch danach noch die Voraussetzungen für sein Mandat erfüllt, müssen wir genau überprüfen. So einen Fall hatten wir noch nie", heißt es. Der Betroffene selbst war für eine Stellungnahme nicht zu erreichen. wet
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