Zu hohe Hürden für Kfz-Meister?

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Heilbronn - Die Unstimmigkeiten im Handwerk der Region reißen nicht ab. Nach der Prüfung der Kreishandwerkerschaft Heilbronn-Öhringen durch das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg sorgt der Wirtschaftszweig jetzt erneut für reichlich Aufsehen.

Von Werner Tewes

Die Kammer will das Problem jetzt anpacken, verspricht Ralf Schnörr.Foto: Veigel
Die Kammer will das Problem jetzt anpacken, verspricht Ralf Schnörr.Foto: Veigel
Heilbronn - Die Unstimmigkeiten im Handwerk der Region reißen nicht ab. Nach der Prüfung der Kreishandwerkerschaft Heilbronn-Öhringen durch das Wirtschaftsministerium Baden-Württemberg und die Staatsanwaltschaft Heilbronn sorgt der Wirtschaftszweig jetzt erneut für reichlich Aufsehen. Der Grund sind ungewöhnlich hohe Durchfallerquoten in den Meisterklassen im Kraftfahrzeughandwerk. Die Spitze der Handwerkskammer macht dafür eine immer leistungsschwächere Jugend verantwortlich. Hinter vorgehaltener Hand ist aber auch die Rede von Seilschaften, die dafür ursächlich seien, dass viele Schüler die Prüfungen nicht bestehen.

Diskrepanzen

Die Zahlen sind jedenfalls deutlich: Bei den Kfz-Meisterprüfungen in Heilbronn sind in den vergangenen vier Jahren im Schnitt mehr als 40 Prozent der Prüflinge durchgefallen. Im gerade abgeschlossenen Jahrgang 2010 folgte der vorläufige Höhepunkt mit 43,8 Prozent − negative Spitze in Baden-Württemberg. Zum Vergleich: In anderen Bezirken des Südwestens ist die Quote deutlich niedriger und liegt meist bei gut 25 Prozent, im Bereich der Handwerkskammer Mannheim zum Beispiel sogar bei unter 20 Prozent. Zudem: Alle anderen elf geprüften Handwerksberufe in Heilbronn kommen 2010 auf eine Durchfallerquote von durchschnittlich gerade einmal 8,5 Prozent.

Eine Situation, die auch die Handwerkskammer Heilbronn-Franken aufgeschreckt hat. Nach Informationen der Heilbronner Stimme schwelt der Konflikt bereits seit einigen Monaten in der Kfz-Branche. Beschwerden wurden bei der Kammer eingereicht. Eine Untersuchung der Sachlage wurde in die Wege geleitet. Ergebnis: Von verschiedener Seite heißt es, dass die Kfz-Prüfungskommission Schüler absichtlich habe durchfallen lassen. In Betrieben und der Meisterschule ist zu hören, dass Seilschaften innerhalb der Kfz-Branche Heilbronn-Frankens existierten, die dafür sorgen würden, dass wenig Konkurrenz in Form neuer Meister auf den Markt ströme.

Problem

"Diese Vorwürfe sind haltlos", entgegnet freilich Ulrich Bopp, Präsident der Heilbronner Handwerkskammer, auf Anfrage dieser Zeitung. "Die Mitglieder der Prüfungskommission sind allesamt ehrliche und ehrenvolle Personen", bekräftigt Bopp. Zwar sehe auch er in den hohen Durchfallerquoten "ein ernstzunehmendes Problem", für ihn sind aber andere Gründe für die schlechten Statistiken verantwortlich. "Erstens sind die Prüfungsvorgaben im Kfz-Handwerk sehr streng, weil bei Pfusch in den Auto-Werkstätten Menschenleben gefährdet sind", betont Bopp. "Zweitens ist leider auch zu beobachten, dass die Jugend nicht mehr die Qualität hat wie noch vor ein paar Jahren." Dass Heilbronn schlechter dasteht als die Nachbarbezirke, liege unterdessen an der hiesigen Bevölkerungsstruktur, vermutet der Handwerkspräsident. "Der Trend kann sich aber auch schnell umkehren", sagt er. "Und wir werden alles daran setzen, dass Heilbronn künftig wieder weiter oben steht."

Wer eine eigene Autowerkstatt eröffnen möchte, braucht einen Meisterbrief. In der Region scheitern mehr als 40 Prozent der Prüflinge. Foto: Colourbox
Wer eine eigene Autowerkstatt eröffnen möchte, braucht einen Meisterbrief. In der Region scheitern mehr als 40 Prozent der Prüflinge. Foto: Colourbox

Andere Lehrer

Nach Angaben des Hauptgeschäftsführers der Handwerkskammer Heilbronn-Franken, Ralf Schnörr, wurden zudem bereits Maßnahmen in die Wege geleitet, um die Situation zu verbessern. So plant die Kammer, bei den künftigen Prüfungen anders als bislang auch Lehrer der Kfz-Meisterklassen einzusetzen. "Wichtig ist, dass wir das Problem jetzt anpacken. Sonst wird die Verunsicherung noch größer, davon hat niemand etwas", sagt Schnörr. Welche Wellen die Angelegenheit mittlerweile schlägt, zeigt der Umstand, dass sich laut Insidern zwischenzeitlich sogar ganze Meisterklassen überlegt haben sollen, ihre Prüfung in Nachbarbezirken abzulegen.

Prüfungskommission

Im Handwerk nehmen Prüfungskommissionen die Meisterprüfungen ab. Deren Mitglieder werden bei den zulassungspflichtigen Handwerken – dazu gehört auch das Kraftfahrzeug-Handwerk – vom jeweiligen Regierungspräsidium bestimmt. Bei den zulassungsfreien Handwerken übernimmt hingegen die zuständige Handwerkskammer diese Aufgabe. In der Praxis sucht die Kammer freilich auch bei den zulassungspflichtigen Berufen die Kandidaten aus und schlägt sie ihrem Regierungspräsidium vor.

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